leonhard fromm der medienberater

13Okt/080

Reich-Ranicki macht die Schlagzeile

Dass kantige Wahrheiten allemal zur Schlagzeile taugen, hat Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki am Wochenende bewiesen. Als "überflüssigen Blödsinn" hat der 88-jährige Intellektuelle den Deutschen Fernsehpreis bezeichnet, den ARD, ZDF, SAT1 und RTL seit 1998 als Medienevent inszenieren und im Rahmen einer Gala, die das ZDF als Aufzeichnung überträgt, vergeben. Das Beste: Der belesene Kritiker sollte selbst für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden, rührte die 30 Zentimeter große und 1,9 Kilogramm schwere Plastiktrophäe aber nicht an, und ließ Moderator Thomas Gottschalk wissen, er nehme den Preis, der in 22 Kategorien vergeben wurde, nicht an.

Bereits am Sonntag lief die Nachricht von dem abgelehnten Preis als Topp-News stündlich in den Nachrichten und füllte am Montag bundesweit die Tageszeitungen mit dicken Headlines und großen Fotos von dem störrischen Alten, der mahnend seinen Finger erhebt. Damit hat der Grand Seigneur guter (Schul-)Bildung der seichten Glimmer-Show sogar zu einer Medienbeachtung verholfen, die sie aus eigener Kraft vermutlich nicht erreicht hätte. Zu seicht ist deren Nachrichtenwert und zu inflationär deren vergebene Obeliske für "die beste Show" irgendwelcher Castings oder "die beste Nebenrolle" irgendwelcher Soap operas.

Fakt ist aber auch, dass solche Preisverleihungen immerhin Kriterien definieren, nach denen Qualität überhaupt noch bewertet wird - und sichtbar ist. Denn längst geht es nicht mehr um Qualität, sondern um Quote. Das ist nicht neu. Vergessen wird aber häufig, dass Regisseure, Journalisten und Moderatoren sich nach der Nachfrage richten. Und wenn die Menschen nun mal nicht mehr Goethe lesen, sondern Bohlen glotzen wollen und sich mehr für das Privatleben der Politiker statt für den Staatshaushalt interessieren, wer ist dann schuld, wenn das Niveau verkommt?

Vielleicht ist es gar nicht so dumm, wenn die "Lindenstraße" quasi durch die Hintertür Themen wie Aids oder Rechtsradikalismus verarbeitet. Mit den Darstellern verbinden die Zuschauer konkrete Gesichter, Personen und Geschichten. Das ist eine Art, wie moderner Journalismus Inhalte verkaufen kann. Respekt verdienen auch die Lokalredakteure, die durch persönliches Engagement (und Intelligenz) ihr Lokalblättle so gestalten, dass der Leser nicht gleich zur "Bild" oder ins Nicht-Leser-Lager abdriftet. Denn wie die "Lindenstraße" kann die gut gemachte Lokalzeitung auf den "lokalen Faktor" setzen. Mich lehrt aber die Erfahrung, dass den meisten Lokalredakteuren mittlerweile Weitsicht, Fleiß und/oder Intellekt fehlen, diesen Kampf um Auflage aufzunehmen. Wenn sie klug sind, nehmen sie wenigstens Hilfe von außen an.

23Sep/080

Markenimage lässt sich steuern

VW-Fahrer sind fröhlich, Mercedes-Besitzer ernst und Lenker von Mini, Audi oder Porsche (der Autor auf dem Foto rechts bei einer Promotion-Tour mit Sohn Raphael) gelten als gutaussehend. Das erbrachte zumindest eine Studie des Nürnberger Marktforschungsunternehmens Puls, das bundesweit 1000 Bürger gefragt hatte, welche Eigenschaften sie den Fahrern von insgesamt 16 Automarken zuordnen. Das vermutete Alter von Mercedesfahrern lag im Schnitt bei 62 Jahren und beim Smart bei 32. Als besonders unsportlich gelten die Besitzer eines Ford, Dacia oder Citroen. Als besonders weiblich gelten demnach übrigens Mini, Smart und Fiat.

Puls-Chef Konrad Weßner kommt in seiner Studie zu dem Schluß, manche Automarke müsse nach dieser Imagebefragung ihre Werbestrategie ändern. Oft sei das Automarketing zu undifferenziert und zu sehr auf junge Menschen focusiert, was potentielle Käufer ausgrenze. Eines ist aber auch klar: In Sachen Eigenwerbung war die Automarken-Studie der Nürnberger genial. Wie sonst hätten sie es sonst mit mehrspaltigen Artikeln in Deutschlands Tageszeitungen geschafft. Themen die PR-technisch auch funktionieren dürften, wären Biersorten und -marken, Attraktivität bei Mann und Frau oder ähnliche "Consumer-Themen". Hauptsache, alle können mitreden. Dann ist das Thema auch für die Presse, meist im Ressort "Blick in die Welt", interessant. Die Seiten werden ohnehin am meisten gelesen, weil sie so schön entertainig sind. Gute Unterhaltung!

5Apr/080

Pressearbeit und Schreibwerkstatt

Das IHK-Bildungshaus in Grunbach (Region Stuttgart) veranstaltet mit mir ein zweiteiliges Seminar über Pressearbeit. Mittelständler lernen dort viel über Strategie, Pressearbeit und wie sie in die Zeitung kommen. Im Kern wird das Presseseminar eine Schreibwerkstatt sein, um vor allem das Texten zu lernen. Dabei geht es nicht um die Aneinanderreihung von Subjekt, Prädikat, Objekt, sondern "Fakten, Fakten, Fakten - und immer an die Leser denken." (Focus-Chefredakteur Helmut Markwort).
Termine montags, 15.09. und 22.09., je ab 17.45 Uhr. Anmeldung Tel. 07151/7095-16 oder www.ihk-bildungshaus.de

4Apr/080

Strategische Pressearbeit

Dass sich an meiner Person die Geister scheiden, weiß ich. Im Kern geht es aber um erfolgreiche Pressearbeit, die mit klarer Strategie in die Zeitung führt. Wie ich arbeite und was ich anderen empfehle, zu tun, vermittle ich am Mittwoch, 7. Mai, von 9 bis 17 Uhr in Stuttgart in einem Presseseminar. Veranstalter ist der Immobilienverband Deutschland. Melden Sie sich an, wenn Sie zu Pressearbeit und Strategie binnen eines Tages viel lernen wollen unter www.ivd-sued.net, Tel. 0711/814738-0.