Kraft der Worte: Filmbeleg Anonymus
Sehr beeindruckt hat mich der jüngste Film von Erfolgsregisseur Roland Emmerich, der seit 13. Oktober im Kino läuft. Dass "Anonymus" im Mutterland der Dichter und Denker allerdings nur in ausgewählten Häusern zu sehen ist und auch dort meist nur in kleinen Sälen vor wenigen Besuchern, stimmt mich nachdenklich. Denn die Spekulation darüber, dass William Shakespeare um 1600 gar nicht existierte, ist gleichermaßen keck wie faszinierend.
Acht Jahre hat Emmerich an dem Film gearbeitet, in dem er die Geschichte des vermutlich wahren Autors der 37 Bühnenstücke wie "Hamlet" oder "Romeo und Julia" erzählt. Demnach handelte es sich um einen Adeligen, der sogar eine Affäre mit der Königin hatte (Filmfoto), der sich nach Wahrhaftigkeit und Ästhetik sehnte statt nach Macht und Erfolg. In der Tarnung von Komödien handeln seine Stücke von Hofintrigen, Inzucht und Ausbeutung des Volkes.
Entsprechend muss sich der Adelige im Hintergrund halten und seine Stücke einfachen Komödianten zuspielen, die diese dann auf den Bretterbühnen des ungebildeten Volkes aufführen. Dort dienen diese zur politischen Bildung und öffnen den Analphabeten die Augen für die wahren Zusammenhänge. Vor allem der Satz "Worte werden die Welt mehr verändern als Kanonen", bringen die Geisteshaltung des wahren Autors auf den Punkt.
Seine Überzeugung teile ich und bin deshalb stolz, Journalist geworden zu sein, der seinen Unterhalt gleichermaßen mit der Kraft der wahrhaftigen Worte verdient. Und wie Anonymus erlebe ich all die Eitelkeiten, den Neid und die Intrigen, also die vielen kleinen Geschichten, die sich unterhalb der großen Geschichten abspielen, weil mancher Akteur nur seine eigene kleine und oft armselige Geschichte sieht. Meine Zuversicht aber: Gott sieht alles, auch die wahren Autoren.
Buchtipp: “Die letzte Flucht”
Der Stuttgarter Autor Wolfgang Schorlau, mit dessen Bruder Detlev ich gelegentlich Skat spiele, hat mit "Die letzte Flucht" einen sehr brisanten Krimi herausgebracht, der schonungslos die mafiösen Praktiken der Pharmabranche offenlegt. Faktenreich recherchiert und teils mit echten Firmennamen belegt, zeugt der sechste Krimi Schorlaus gleichermaßen von Mut und Akribie. Denn angesichts der Vorwürfe dürften die Betroffenen prozessieren, sofern sie auch nur ansatzweise eine Chance auf Erfolg sehen.
Im Kern thematisiert der jüngere Schorlau hier, was nicht zuletzt Spiegel-Redakteur Markus Grill in seinem Buch "Kranke Geschäfte - wie die Pharmaindustrie uns manipuluiert" bereits publiziert hat. Der Vorwurf: Die Hälfte der deutschen Ärzte lässt sich letztlich von den Pharmaherstellern bestechen und bonifizieren, damit sie deren Medikamente verschreiben. Das können demnach 5000 Euro und mehr im Monat sein.
Auch die Rolle des Marketings wird kritisch beleuchtet. So werden Versprechen kreiert, ein neues Medikamente verlängere das Leben von Krebspatienten um mehr als ein Jahr. Verschwiegen wird, dass bereits Vorgängerpräparate das Leben um rund zehn Monate verlängert haben - und dass die gewonnene Mehrzeit auf Grund schlimmster Nebenwirkungen für die Patienten qualvoll sei.
Im Kern, so die These des Buchs, geht es darum, den Pharmakonzernen Renditen von 30 bis 40 Prozent zu ermöglichen (zum Vergleich: Im Lebensmitteleinzelhandel liegt die Rendite teils unter einem Prozent). Schorlau transportiert die Fakten, in dem er einen Konzernboss entführen lässt, der seinem Entführer die ganze Wahrheit über seine Branche erzählt, um zu überleben. Mehr möchte ich zu dem Buch, dessen Nebenstrang sich im Lokalkollorit noch mit Stuttgart 21 befasst, nicht verraten.
Erlaubt sei mir die Anmerkung, dass der zitierte Spiegel-Redakteur Markus Grill Praktikant bei der SchwäPo in Aalen war als ich dort volontierte. Und: Grill und Schorlau für mich gute Beispiele sind, wie Journalisten Wahrheiten ans Licht bringen können statt sich mit seichtem Gelabere durch den Tag zu wursteln. Mit Jürgen Todenhöfers Afghanistan-Recherchen hatte ich im Sommer ein weiteres positives Beispiel in meinem Blog benannt.
Eine Frage der Wahrhaftigkeit
Angesichts der Schuldenkrise frage ich mich, welche Erziehung meine Mitbürger, insbesondere Politiker in Deutschland und der EU, genossen haben. Meine Eltern haben mir beigebracht, maximal soviel Geld auszugeben wie ich habe. Eher sollte ich selbst verzichten und aus Solidarität mit Armen etwas spenden. Und im äußersten Fall konnte man sich auch Geld leihen, z.B. für eine Baufinanzierung. Dann war aber klar, dass die Rückzahlung oberste Priorität genießt.
Diese, meine Mentalität trifft nun auf eine internationale Schuldenkrise, in die ich letztlich mit hineingezogen werde. Und kopfschüttelnd stehe ich vor der Verantwortungslosigkeit meiner Mitbürger, letztlich gegenüber unseren Kindern. Weil Bitterkeit über diese asozialen Zustände (in Griechenland stellen jetzt schon die Bürger Bedingungen, unter denen sie evtl. bereit werden Steuern zu zahlen!!!!) die Situation nicht besser macht, erzähle ich hier eine Geschichte, die ich gelesen habe.
In ein griechisches Dorf kommt ein Tourist, um Hotelzimmer für einen anstehenden Urlaub zu inspizieren. Als Kaution für die Zimmerschlüssel hinterlegt er beim Hotelier 100 Euro. Kaum ist der Tourist auf der Etage, begleicht der Hotelier mit den 100 Euro seine Schulden beim Metzger nebenan. Dieser rennt zum Bauern und bezahlt dort seine Schulden. Der Landwirt wiederum bezahlt bei der Genossenschaft die offene Futterrechnung.
Deren Lagerist rennt zur Kneipe und bezahlt seine ausstehende Zeche. Der Wirt wiederum bezahlt, was er einer Prostituierten noch schuldet. Die Hure eilt mit den 100 Euro ins Hotel und begleicht dort ihre Außenstände fürs Zimmer. Als der Tourist eben von der Zimmerbesichtigung kommt und die Schlüssel zurückbringt, händigt der Hotelier ihm die hinterlegte Kaution wieder aus. Und alle scheinen glücklich zu sein.
So ähnlich funktioniert das internationale Banken und Finanzierungssystem. Nur, dass dabei niemand etwas produziert oder leistet. Der Denkfehler in der Geschichte: Jeder hat nicht nur Schulden in die eine Richtung, sondern auch Forderungen in die andere. Somit sind zwar in der Erzählung am Ende alle quitt, aber auch gleichermaßen arm. Der Unterschied zur Realität: Griechenland hat nur diese Schulden, denen aber keine Forderungen gegenüber stehen.
Anders würde die Situation aussehen, wenn das Land bspw. konsequent seine Steuern eintreiben würde, die Menschen bis 65 Jahre (produktiv) arbeiten - oder zumindest nicht schon mit 55 Jahren öffentliche Leistungen beziehen. Statt dessen streiken jetzt aber auch noch die, die bisher gearbeitet haben. Mit 80 Prozent ist die Immobilienbesitzerquote in Griechenland übrigens EU-weit einmalig hoch. Substanz wäre also schon da.
Weil aber niemand konsequent handelt, entstehen Schattenwirtschaften im grenznahen Bulgarien und junge Leistungsträger wie Ärzte oder Ingenieure überlegen zunehmend, ihre Zukunft im Ausland zu suchen. Deutschland gilt auf Grund der Zuwanderungsbewegung aus den 60er/70er Jahren als erste Wahl. Dieses Mal kämen aber keine Bauern, sondern Akademiker. Herzlich willkommen.
Zehn Punkte für Zivilcourage
Unter Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse gibt es eine Kampagne "Augen Auf Zivilcourage zeigen", die sich dafür einsetzt, Menschen beizustehen, die in der Öffentlichkeit wegen ihrer Hautfarbe, Religion oder sonstwegen attackiert werden. Der Leipziger Pfarrer Christian Führer nannte kürzlich in einem Gottesdienst, den ich in Schorndorf sonntags besuchte, deren zehn Punkte.
Nachdem erst gestern wieder U-Bahn-Schläger verurteilt wurden und am Wochenende ein erneuter Vorfall bekannt wurde, möchte ich hier die Punkte auszugsweise kommunizieren. Denn erster Punkt des Thesenpapiers lautet auch "Seien Sie vorbereitet". Über eine solche Situation und wie Sie sich darin verhalten würden, denken Sie nun eher nach, wenn Sie diese Zeilen lesen.
"Bleiben Sie ruhig", lassen Sie sich also nicht von Gefühlen wie Angst oder Ärger ablenken. "Handeln Sie sofort", weil jedes Zögern die Situation verschärft. "Holen Sie Hilfe", in dem Sie konkret den Busfahrer ansprechen, per Handy die Polizei verständigen oder Passanten ("Sie, mit der braunen Lederjacke, kommen Sie bitte her!") gezielt ansprechen.
Verunsichern Sie den Täter, in dem Sie laut schreien. Nehmen Sie Blickkontakt zum Opfer auf und sprechen Sie es persönlich an ("Ich helfe Ihnen!"). Wenden Sie keine Gewalt an, fassen Sie den Täter nicht an und Siezen Sie ihn, wenn sie sein Verhalten kritisieren (aber nicht seine Person). Vermeiden Sie aber seinen Blickkontakt, weil das seine Aggression steigern könnte. Merken Sie sich Gesichter, Kleidung und Fluchtwege der Täter, um eine verwertbare Zeugenaussage machen zu können, und zeigen Sie die Täter bei der Polizei an.
PR-Rat kritisiert mangelnde Transparenz
Die PR-Idee war klasse, doch leider krankte sie in einem wesentlichen Detail: Im Winter 2010 trampt Aktionskünstler Stefan Gbureck durch Europa, lässt sich aber nur von Mercedesfahrern mitnehmen und dokumentiert seine Erlebnisse in einem Blog, auf Youtube und in Facebook. Das ist witzig und originell.
Unter "Tramp-a-Benz" gewinnt die Kampagne deshalb den Goldenen Löwen, eine Auszeichnung, die in der Branche besonders kreative Lösungen würdigt. Stück für Stück werden aber mehr Zusammenhänge der Aktion deutlich, so dass die Jury des Deutschen Rats für Public Relations (DRPR) die Auszeichnung nun wieder aberkannte.
Denn Gbureck, der zunächst jede Unterstützung weit von sich wies, räumte später ein, dass die Hamburger Agentur Jung von Matt während seiner Tour seinen Blog betreute, so dass er nur Texte und Fotos liefern musste. Und Mercedes-Benz war letztlich Geld- und Auftraggeber. Damit, so der DRPR, habe das Trio klar gegen die Regel der "Transparenz und Absenderklarheit der PR-Maßnahme" verstoßen.
Mich stört prinzipiell diese Kooperation nicht, weil ich es nicht für verwerflich halte, dass sich ein Performance-Künstler bezahlen lässt. Wovon sollte er denn sonst leben und seine Altersvorsorge bestreiten, wenn er in Mercedes-Karossen durch halb Europa fährt? Ich hätte mich allerdings nicht um den Preis beworben.
In der Tagliste meines Blogs sind Schlagworte wie Ehrlichkeit, Transparenz und Wahrhaftigkeit die größten. Ich sehe diese Werte als ethischen Selbstanspruch und marketingmäßig als Differenzierungschance. Das beschriebene Beispiel zeigt, dass diese Werte ebenso wichtig sind wie die Kreativität (oder Marktmacht) einer Agentur. Und exzellente Ideen haben wir auch.
Presseangriff auf fleißigen Rektor
Kaum mache ich den Mund in Sachen Jörg Kachelmann zu, wird schon die nächste Sau durch's Dorf getrieben. Und dieses Mal nicht von Bild oder Bunte, sondern der Stuttgarter Zeitung: Rektor Bernhard Schwarz wird in der heutigen Ausgabe als "Ein Rektor als Reizfigur" wortgewaltig vorgeführt, wie ich das als Volontär vor 20 Jahren auch gelernt und anschließend teils etliche Male selbst praktiziert habe: Andeuten ("wirtschaftliche Verflechtungen"), Zitatspuren verwischen ("heißt es in Hochschulkreisen"), Gewicht verleihen ("doch damit stehen die Kritiker nicht allein").
Und der engagierte Schwarz, der meines Wissens maßgeblich geholfen hat, seit 1990 den Standort Göppingen mit heute mehr als 1000 Studierenden aufzubauen und ihm ein mechatronisches Profil zu verleihen, steht wie ein machtversessener Despot da. Die Inszenierung mit dem Foto ist ja gut gelungen, wenn man das Ziel verfolgt, ihn so als Zielscheibe aufzustellen. Und wer in Verantwortung steht, bei dem findet man immer einen (oder zwei), die ihn als unnahbar oder autoritär charakterisieren. Diese werden dann nach obigem Formulierungsmuster ("und das ist nur eine Stimme von vielen", "die Spatzen pfeifen es von den Dächern") nebulös vermehrt etc.
Ich finde diese Art von Journalismus fies und im konkreten Fall zudem schlecht gemacht: Denn eigentlich blitzt immer nur derselbe Kronzeuge durch, der Wissenschaftler, der als Kompromisslösung Dekan der betriebswirtschaftlichen Fakultät wurde. Und weil genau diese von Esslingen nach Göppingen verlegt werden soll, ist dieser Professor Helmut Kohlert doppelt involviert.
Ein Beitrag, der diese Verlegung inhaltlich begründet oder Kohlert zu Wort kommen lässt, wie er sich als Kompromisskandidat fühlt, wäre der Sache sicher dienlicher gewesen. Aber es liest sich nicht so flott. Denn tatsächlich, für das bißchen Substanz plätschert der Beitrag - dank Überschrift und Foto - doch recht flüssig dahin. Als PR-Berater hätte ich mir gewünscht, dabei gewesen zu sein als der Dekan gewählt, die Standortverlegung beschlossen oder der TZM-Verkauf an Eberspächer abgewickelt wurde. Dort hätte man die Klarheit kommunizieren können, die nun allem Nebel seinen "Heißluftraum" genommen hätte.
Korrespondenz mit einem Redakteur
Seit gestern Morgen habe ich binnen 28 Stunden 13 Mal (6x er, 7x ich) mit einem leitenden Redakteur eines bundesweit erscheinenden Business-Titels per Mail korrespondiert. Auslöser war sein Interview, das er einem christlichen Newsletter über Wahrhaftigkeit gegeben hatte. In Auszügen möchte ich hier unseren Schriftverkehr, der teils im Zehn-Minuten-Takt erfolgt, anonymisiert wiedergeben.
"Hallo Herr XXX, via dieses Netzwerk erfahre ich eben, dass Sie auch "christlich" sind. Könnten wir diesbzgl. mal telefonieren (habe Sie eben nicht erreicht)? Als Ex-Wirtschaftsredakteur (Südwest Presse) und Theologe mache ich seit zehn Jahren PR für Firmen, u.a. Prof. Knoblauch und den christlichen www.fuehrungskraeftekongress.de. Deshalb kenne ich viele ethisch ausgerichte Mittelständler, die auch Ihnen evtl. als Beispielpool dienen könnten. Freue mich auf Ihre Rückmeldung. Beste Grüße, Leonhard Fromm."
Seine Antwort: "Hallo Herr Fromm, Sie machen mich neugierig: Was gibt es denn telefonisch zu besprechen? Haben
Sie schon ein konkretes Thema, über das wir uns unterhalten können/sollten? Da mein Terminkalender sehr eng getaktet ist, würde ich mich hier über ein konkretes Stichwort freuen... Herzliche Grüße, xxx"
Meine Antwort: "Hallo Herr XXX, ich vermute, Themen haben Sie genug. Ich würde Ihnen gerne den Pool "meiner"
20 bis 40 Firmen anbieten, um "Ihre" Themen mit konkreten Beispielen zu belegen. In der Regel sind es Markt- und Technologieführer quer durch alle Branchen (Maschinenbau, Logistik, Automotive, regenerative Energien,
Finance, IT, Services) mit 250 bis 1200 Mitarbeitern, die sich in den vergangenen 40 Jahren differenziert haben....."
Seine Antwort: "Hallo Herr Fromm, tja, hm, derlei Anrufe bekomme ich zuhauf - PR-Leute, die mir ihre
Kundenstorys verkaufen wollen. Nicht böse sein: Aber das kickt mich nicht... Ich finde Klasse statt Masse erbaulicher. Also nicht 100 Storys, die Sie mir anbieten können, wie alle anderen auch - sondern die eine Top-Story, die man
JETZT in .... lesen muss und will und die noch nirgendwo gestanden hat. Wenn Sie die haben, können wir gerne telefonieren. Die muss aber dann wirklich TOP sein. Ich betone das deshalb, weil auch das jeder behauptet -
und hinterher ists doch nur heiße Luft. Da bin ich aber sehr nachtragend: Wer viel Wirbel macht, muss auch halten, was er verspricht. Windmaschinen hab ich umgekehrt schon zuhauf an der Strippe...Ich bin also gespannt...."
Meine Antwort: "...die TOP-Story habe ich nicht. Die machen in der Regel Macher wie Sie aus dem, was passiert oder angeboten wird. Ich habe keine Masse zu bieten, sondern Macher, die sich täglich aufs Neue den A. aufreißen, um genügend Aufträge zu auskömmlichen Preisen ins Unternehmen zu holen und dabei Mitarbeiter, Finanzamt, Behörden etc. bei Laune zu halten. Dort geht es immer primär ums Überleben (unter dem Preisdruck der Konzerne und dem Schnäppchenwahn der Verbraucher), wobei diese Typen ein enormes Maß an Kreativität und Leidensfähigkeit entwickeln. Für mich sind das die Helden der Marktwirtschaft.
Seit Jesus - und über die Christen in der Wirtschaft bin ich auf Sie aufmerksam geworden - ist mir nichts Bahnbrechendes mehr über den Weg gelaufen. Aber mit viel Neugierde, Kreativität und Menschenliebe habe ich
immer wieder im Detail das Besondere, wenn Sie möchten " das Jesuanische" gefunden und daraus spannende Themen für die Zeitung gemacht. So ist auch mein Selbstverständnis, primär Ihnen dienen zu wollen statt etwas (für mich) verkaufen zu wollen. Das Leben hat mich gelehrt, dass es die TOP-Story so wenig gibt wie die Traumfrau. Aber es gibt viele "Helden der Marktwirtschaft", für die ich meine 14 Monatsgehälter und 30 Tage Urlaub 2001 an den Nagel gehängt habe, um ihnen Gehör bei Leuten wie Ihnen zu verschaffen...."
Seine Antwort: "...immerhin sagen Sie ehrlich, dass Sie keine Top-Story haben. Ich darf Sie aber neugierig darauf machen: Es gibt diese Storys. Sie werden allerdings nur von wenigen angeboten. Aber genau das zeichnet diese ja dann auch aus. Und Macher, die sich den Allerwertesten aufreißen, kennen wir leider auch schon genug. Aber: Wir könnten ja mal klein anfangen. Ich denke zurzeit über das Thema Perfektionismus nach und suche daher Leute, die sich von dieser "Religion" abgewendet haben und heute sagen: "80% sind eigentlich auch schon ganz gut." Oder: "Erst mal mit der Beta-Version starten, dann kann die Alpha immer noch kommen..." Kennen Sie solche Leute - die das auch mit vollem Namen in ... sagen? Bin gespannt, ob Sie hier das Jesuanische finden..."
Meine Antwort: "...danke für Ihre souveräne Reaktion. Ich denke darüber nach. Vielleicht bin ich auch nur bescheiden, weil nach 20 Jahren im Beruf bin ich recht stolz auf das Portfolio meiner Kunden (und rund 1000 Veröffentlichungen pro Jahr u.a. in Handelsblatt, vdi Nachrichten, FTD etc.), die unser Quintett hier "reißt". Und olle Kamellen wollte ich Ihnen nicht neu als Knaller, die sie teils waren, andienen. Evtl. wird es mit der interaktiven Stromtankstelle (e-Mobility) etwas, die via Handy mit dem Fahrer kommuniziert, via ec-Karte mit der Bank und dann
auch noch dem Stromanbieter. Der Pilot wird derzeit designt und der Markt über Parkhausbetreiber und Kaufhausketten vorbereitet. Und mein Bäcker (620 Jobs, 42 Filialen) beliefert zwar schon seit 2006 alle
ICEs der Bahn, den FC Bayern München und aktuell international 240 Hotels (etliche Steigenberger, Grandhotel Heiligendamm etc.), aber geschrieben hat das in der Systematik noch keiner (für den arbeite ich erst seit April)..."
Seine Antwort: "...versuchen wir es doch erst einmal mit den ehemaligen Perfektionisten..."
Meine Antwort: "..was wäre also der nächste Schritt?"
Seine Antwort am nächsten Morgen: "...hmm, war das so undeutlich? Ich schrieb: Ich denke zurzeit über das Thema Perfektionismus nach und suche daher Leute, die sich von dieser "Religion" abgewendet haben und heute sagen: "80% sind eigentlich auch schon ganz gut." Oder: "Erst mal mit der Beta-Version starten, dann kann die Alpha immer noch kommen..." Kennen Sie solche Leute - die das auch in .... sagen? Bin gespannt, ob Sie hier das Jesuanische finden...
Also: Können Sie mir solche Leute vermitteln?"
Meine Antwort: "Dann muss ich wirklich passen. Wie gesagt (und ich sage nur, was ich halten kann) arbeite ich nur für Markt- und Technologieführer und da müssen die Firmen – zum Beispiel in der Luftfahrt oder Medizintechnik – annähernd 100 Prozent bringen. Aber das ist normal – und deshalb wohl für Sie (und Ihre Leser?) zu banal. Mich „kickt“ es sehr wohl, wie Unternehmer über längere Zeiträume diese Spitzenleistungen bringen. Und dann schaue ich mir die „Prozesse“ an, wie sie mit Menschen („das Jesuanische“) umgehen, neugierig sind, geduldig, beharrlich und Methoden, Strukturen, Strategien entwickeln. Alles nicht neu, wie bspw. Verzeihen, und doch immer neu spannend und ermutigend, wenn es passiert.
Zwar kenne ich auch Firmen, die 80 Prozent bringen, doch erfahrungsgemäß gehen solche Firmen demnächst pleite oder werden von Firmen wie meinen Kunden übernommen (auch wenn die Inhaber nette Menschen sein mögen). Die Tragik unseres Wirtschaftens besteht für mich darin, dass schon 80 % angesichts der Komplexität eine enorme Leistung sind, diese aber längst nicht mehr reichen am Markt. Dafür habe ich schon zu viele Insolvenzen gesehen und als Redakteur früher hartnäckig recherchiert. Die Griechen machen uns das aktuell eindrucksvoll vor. Die mögen zwar psychisch noch 100 % gesund sein, aber im ökonomischen Rating sind sie CCC – und kriegen jetzt auch Schlafstörungen. Lassen Sie mich also wissen, in welchem Heft dieser Beitrag über Beta-Versionen erscheint. Ich werde es kaufen, weil mich die Beispiele interessieren."
Seine Antwort: "...dafür, dass Sie sich eingangs als jemand positioniert haben, der mit viel Kreativität und großem Netzwerk das "Jesuanische" finden kann, passen Sie aber erstaunlich schnell. Sie hätten ja mal kreativ in ihr Netzwerk reinhorchen können. Es bleibt der Eindruck von viel Wind um nichts. Schade. Beste Grüße."
Meine Antwort: "Ich wollte keine Erwartungen wecken, weil ich nicht aktiv suche, wo ich keine (zahlenden) Kunden habe. Selbstverständlich war aber mein Ehrgeiz geweckt, es Ihnen doch evtl. zu zeigen (und Ihnen zu dienen). Spontan bin ich in meinem Netzwerk fündig geworden (nenne nun eine Firma samt Begründung und Kontaktdaten). Vielleicht taugt XXX für Ihre Recherche. Würde mich freuen. Und so kurz nach Pfingsten ist bei mir „Wind“ noch positiv belegt…."
Diktate über Sterben und Tod
Bereits zum wiederholten Mal habe ich die Aufzeichnungen von Peter Noll "Diktate über Sterben und Tod" gelesen. Der 1926 in Basel geborene Professor für Strafrecht erfuhr im Alter von 56 Jahren im Dezember 1981, dass er Blasenkrebs hat. Der mit Max Frisch befreundete Jurist entschied sich gegen eine lebensverlängernde Operation und dokumentierte und reflektierte statt dessen seinen Prozess des (bewußten) Sterbens, der im Oktober 1982 mit seinem Tod endete.
Entsprechend reflektiert Noll in seinem Buch Begriffe wie Lebensqualität, Gerechtigkeit oder Leistung. Ab einem gewissen Punkt des persönlichen Aufstiegs, so der Autor, komme es nicht mehr auf die persönliche Leistung an, sondern darauf, diejenigen für sich zu beanspruchen, die ihrerseits im Machtgefüge weiter nach oben wollen. So könne von 100 Prokuristen nur einer zum Generaldirektor aufsteigen, aber alle schafften wie verrückt für den Generaldirektor, um diesen Mal beerben zu können.
"Damit verstärken sie dessen Macht , gegen das Entgeld eines winzigen Schimmers von Hoffnung, selbst auch einmal mächtig zu werden und nichts mehr leisten zu müssen", schreibt Noll. So gehe es, bspw. in der Politik und öffentlichen Ämtern, zunehmend um Geschicklichkeit, sich anzupassen, und nicht mehr um Leistung. Persönlich will ich ergänzen, dass die "Leistung" zunehmend darin besteht, den Mainstream zu erfassen, den Medien zu gefallen etc.
Und ich möchte differenzieren, dass Nolls These für den Manager gilt, der andere benutzt. Der Macher (oder Unternehmer) aber, so meine Erfahrung, will die anderen (Mitarbeiter und Kunden) überzeugen, begeistern und seine Visionen mit ihnen teilen. Sein Gewinn liegt demnach nicht primär im Materiellen, sondern darin, ob ihm diese Überzeugungsarbeit gelingt.
Positiv-Magazin findet seine Leser

Verbreitet nur gute Nachrichten: Gertrud E. Warnecke.
Nachdem vorige Woche in der AHGZ (Allgemeine Hotel- und Gaststättenzeitung) mein Porträt des Ritz Charlton-Gründers Horst Schulze erschienen war, der mit christlichen Werten seine Hotelkette zu einem internationalen Luxus-Imperium ausgebaut hatte, rief mich heute Gertud E. Warnecke an. Die mittlerweile 67-jährige Kollegin aus Königstein bat mich, meinen Beitrag in ihrem Online-Portal Positiv-Magazin veröffentlichen zu dürfen.
Darf sie selbstverständlich. Wir kamen ins Gespräch und dabei stellte sich heraus, dass die frühere PR-Frau zum Valentinstag 2010 beschlossen hat, ein Online-Magazin zu etablieren, das nur positive Nachrichten verbreitet, um damit Menschen Mut zu machen. Seither veröffentlicht die frühere Mitarbeiterin der internationalemn Werbeagentur J. Walter Thompson und PR-Leiterin mehrerer Firmen, die sich 1987 selbstständig gemacht hatte, täglich drei gute Nachrichten.
Eine der nächsten soll mein Porträt von Horst Schulze sein. Ihr Portal umfasst rund 20 Ressorts wie Sport, Touristik, Wirtschaft oder Genuß & Lebensart und hat täglich im Schnitt offenbar 1500 Leser (zum Vergleich: ich habe gut 50). Diese hohen Zugriffszahlen verdankt Warnecke diversen Presseberichten etwa in Bild, Focus, Spiegel oder Stern, in denen die "Gutfrau" vorgestellt wurde, die ihren Lesern täglich Mut machen will.
Nachdem ich letztlich nach demselben Prinzip lebe und arbeite, werde ich der renommierten Kollegen noch manchen Artikel aus meinem Arbeitsumfeld mailen können. Denn auch meine Philosophie besteht ja darin, wie auf meiner Firmen-Homepage seit Gründung 2000 nachzulesen ist, den fleißigen Schaffern in unserer Mediengesellschaft Gehör zu verschaffen. In dieser Hinsicht war auch dieser Arbeitstag wieder recht erfolgreich. Gott sei Dank.
Kompetenzteam für deutsche Produkte

Gemeinsam für PV-Module aus deutscher Produktion (v.l.): Uwe Fischer (Heldele), Leonhard Fromm (der Medienberater), Dieter Winkler (Solarwatt), Michael Aigner (Aton-Solar) und Dr. Ronald Lange (Robert Bürkle).
Großhändler Aton Solar, Modul-Hersteller Solarwatt, PV-Anlagen-Installateur Heldele und Maschinenbauer Robert Bürkle haben ein Kompetenzteam gegründet. Gemeinsames Ziel: Die weltweit besten Module entwickeln und möglichst viele deutsche Anlagen auf Hallen und Dächern installieren. „Es ist immer gut, wenn Chemiker den Solarteuren über die Schulter schauen und Großhändler den Herstellern“, begründete Ronald Lange beim ersten Treffen an Gründonnerstag in Laichingen das Engagement von Marktführer Robert Bürkle. Die Freudenstädter bauen bis zu zehnetagige Laminatoren, die das komplette Verfahren in mehreren Stufen und mit unterschiedlichen Folien und Beschichtungen beherrschen.
Zwei dieser weltweit größten Laminatoren laufen bei Solarwatt. 1993 gegründet, zählen die Dresdener mit mittlerweile 300 Millionen Euro Umsatz pro Jahr zu den Pionieren und Technologieführern der Branche. Auf deren Qualität setzt deshalb seit vier Jahren auch der Laichinger Großhändler Aton-Solar, bei dem bundesweit gut 80 Solarteure fast ausschließlich deutsche Module bestellen.
Aus genau diesem Grund arbeitet die Salacher Heldele GmbH seit kurzem mit Geschäftsführer Michael Aigner zusammen. „Unsere mittelständischen Kunden wollen vor allem Qualität - und dass die Wertschöpfung nicht nach China fließt“, sagt Heldele-Projektleiter Uwe Fischer. Das Unternehmen betreut bundesweit rund 20000 Kunden in den Kernbereichen Bürokommunikation, Gebäude- und Fabrikautomation. Die Nachfrage, die meist sehr großen Dachflächen zur Stromerzeugung zu nutzen, ziehe seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima an. Zudem begünstigt die Bundesregierung seit 2010 den Eigenstromverbrauch.
Von Fragen wie Qualitätsmessung und Wirkungsgradverlust über Brandschutz und bauen mit Solarmodulen bis hin zur Verbesserung der CO2-Bilanz von PV-Anlagen und deren Recycling in 20 bis 30 Jahren reichte das Themenspektrum beim ersten Treffen. Dabei zeigte sich, dass die geballte Kompetenz und kontroverse Diskussionen in kurzer Zeit zu neuen Erkenntnissen und Prioritäten führt, PV-Anlagen aus deutscher Produktion zu fördern.
Die Idee für die Kooperation entlang der PV-Wertschöpfungskette hatte ich. Und da wir bereits für Bürkle, Heldele und Aton-Solar arbeiten, war es relativ leicht, die Partner für ein solches Team zu gewinnen. Und rasch war klar, dass wir als Hersteller Solarwatt mit im Boot haben wollen, die auch spontan die Perspektive meiner Kooperation saßen. In der Pressearbeit werden nun viele Synergien entstehen, weil Texte mit mehreren Recherchequellen gewichtiger sind.