Qualität führt zum Erfolg im Kino
Nicht nur die französische Komödie "Ziemlich beste Freunde", über die ich hier kürzlich berichtet hatte, hat eine schöne Botschaft: Der für knapp zehn Millionen Euro produzierte Streifen, in dem ein farbiger Kleinkrimineller einen gelähmten Aristokraten pflegt, avisiert zum Blockbuster, den bundesweit bereits mehr als drei Millionen Kinogänger goutiert haben. Die Berliner Senator Entertainment AG, die den Streifen in Deutschland verleiht, kalkuliert mittlerweile mit bis zu sechs Millionen Besuchern.
Der Grund: In Frankreich haben den Streifen bereits 19 Millionen Menschen gesehen, womit "Ziemlich beste Freunde" nur noch knapp hinter dem bisherigen Knüller Titanic (20,7 Mio.) liegt. Und auch in Deutschland stößt der Film quer durch alle Generationen nur auf Zustimmung. Dabei hatte AG-Vorstand Helge Sasse im Frühjahr 2011 mit allenfalls 0,5 Mio. Besuchern gerechnet, nachdem er das Drehbuch gelesen hatte, und hatte im Herbst auf 1 Mio. erhöht, nachdem er den Rohentwurf des Films gesehen hatte.
Bei Mitbewerber TMG (Tele-München-Gruppe) ärgert man sich, nicht selbst zugegriffen zu haben, zumal es bei den Verleihrechten laut Handelsblatt nur um wenige 1o0.000 Euro ging. Doch bisher standen französische Filme nie für Kassenknüller. Dieses Mal scheint alles anders zu sein. Und die 1979 gegründete Senator Entertainment, von 2004 bis 2006 sogar einmal in der Insolvenz, saniert sich durch den Film, der allein in Frankreich 150 Mio. Euro einspielte.
So hat Sasse, Mitbegründer des Musiksenders Viva und Großaktionär der Entertainment AG, kürzlich einen Vertrag mit der Produktionsgesellschaft Relativity Media in Los Angeles abgeschlossen, der dem Verleiher bis zu zwölf Kinofilme pro Jahr sichert. Das schöne an dem Beispiel: Qualität führt zu unternehmerischem Erfolg - allen Unkenrufen zum Trotz. Ich gönne den Aktionären den Kursanstieg.
Umsatzzahlen und Transparenz
"Andere Firmen unserer Größe nennen ihren Umsatz auch nicht" oder "Wenn unsere Kunden lesen, dass wir zwei Millionen Euro umsetzen, denke die, wir bräuchten ihre Aufträge nicht mehr." Bedenken wir diese höre ich im Dialog mit neuen Kunden fast immer. Vor allem, wenn es Betriebe mit zehn, 20 oder 30 Mitarbeitern sind. Und tatsächlich liest man über Firmen dieser Größe fast nie. Der Grund: Wer Ross und Reiter nicht nennt, langweilt.
Bei meinen Kunden liest man den Umsatz immer. Der Bäcker, der mit zwei Filialen 300.000 Euro Umsatz macht; der Dachdecker, der mit 30 Leuten auf drei Millionen kommt; oder das Ingenieurbüro, das mit zwölf Leuten 1,3 Millionen Euro umsetzt. Wir machten übrigens 2011 gut 0,5 Mio. zu fünft. Für Insider sind diese Zahlen immer schlüssig und Outsider bekommen durch Lektüre meiner Berichte mehr Wissen, was ja der Sinn des Zeitunglesens ist.
Meinen Kunden gewöhnen sich durch mein geduldiges Argumentieren ab, darüber zu spekulieren, was ein Leser denken könnte, wenn er die Fakten liest. Meine Faustformel: Lass die Fakten sprechen und überlaß dem mündigen Leser, welche Schlüsse er daraus zieht. Wenn ich bspw. lese, dass jemand täglich 500 Bretzeln verkauft, denke ich primär, die müssen gut und frisch sein. Und sollte jemand so neidisch sein, dass er denkt, dieser Bäcker verdient zuviel, soll er woanders kaufen.
In der Regel sind solche Kunden ohnehin Querulanten, die einem gute Energie rauben, die man aber braucht für das harte tägliche Business. Man muss auch die Kraft haben, schlechte Kunden loszulassen. Die binden dann die Ressourcen von Mitbewerbern (!!!). Und auch diese dürfen übrigens ruhig wissen, wie es um diesen Bäcker steht, zumal über Rendite, Eigenkapitalquote oder Mietkosten für die Filiale noch nichts gesagt ist. Was soll schlecht an Erfolg sein? Unsere Gesellschaft braucht Vorbilder.
Ich glaube - und die Erfahrungen mit bald 100 (kleineren) Kunden in mehr als zehn PR-Beraterjahren geben mir Recht - dass durch solche Artikel Leser neugierig auf die Bretzeln "meines" Bäckers werden. Das sorgt für Interesse und Nachfrage. Und wenn die Bretzel dann hält, was meine Zeilen versprechen, wird der Bäcker im Jahr darauf vielleicht 50 mehr pro Tag verkaufen oder eine dritte Filiale aufgemacht haben. Aus solchen (messbaren) Veränderungen entstehen Nachrichten.
Und: Der Bäcker verhält sich durch die öffentliche Wahrnehmung unternehmerischer und strategischer, um auch tatsächlich das nächste Ziel zu erreichen. Vielleicht wird aber auch ein Bäcker oder eine Verkäuferin auf den Handwerker aufmerksam, weil sie gelesen haben, dass bei ihm etwas vorwärtsgeht. Denn nicht alle Menschen wollen Stillstand und Dynamiker ziehen Dynamiker an. Aus dieser Ecke kann ich viele Erfolgsgeschichten erzählen. Nicht zuletzt meine eigene, die damit begann, dass ich nicht mehr in verkrusteten Strukturen arbeiten wollte, die ich nicht ändern durfte.
Was an Transparenz und Zahlen aber auch wichtig ist: Sie machen mir bundesweit (und international) gegenüber Redakteuren die Arbeit leichter. Denn aus unserem Büro erhalten sie Berichte, journalistisch verfasst, die einen Nachrichtenwert haben. Das entlastet die Redakteure, erhöht die Chance auf Veröffentlichung zum Wohl meiner Kunden und fördert das Standing unserer Agentur, mit der immer mehr Verlage vertrauensvoll kooperieren.
Stéphane Hessel: Empört euch!
Eindringlich ruft der 94-jährige Stéphane Hessel in seiner Streitschrift "Empört euch!" zum friedlichen Widerstand gegen die Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft auf: Gegen die Diktatur des Finanzkapitalismus, gegen die Unterdrückung von Minderheiten und gegen die Umweltzerstörung unseres Planeten. Gelesen habe ich die 14-seitige Streitschrift des Überlebenden des KZs von Buchenwald zu Beginn des Jahres.
Hessel, der während des Dritten Reiches in der französischen Résistance gegen die Nazis sein Leben riskierte, war 1948 Mitautor der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen. Ab Oktober 1945 vertrat der gebürtige Berliner, der als Siebenjähriger mit seinen Eltern nach Paris zog und 1937 französischer Staatsbürger wurde, als Diplomat Frankreich bei der UN. Im KZ hatte Hessel dem Publizisten Eugen Kogon ("Der SS-Staat") das Leben gerettet, in dem er ihm zu einer neuen Identität verhalf.
Hessels Broschüre passt in meine derzeitige Verfassung, wonach ich seit Sommer u.a. wegen S 21, des Afghanistankriegs und der Eurokrise der Überzeugung bin, wieder politischer werden zu müssen, um das Feld nicht den anderen zu überlassen. Das armselige Agieren des Bundespräsidenten Christian Wulff in eigener Sache bestätigt mich einmal mehr darin, dass eine radikale Neuorientierung, personell wie inhaltlich, erforderlich ist, die Herausforderungen dieses Jahrhunderts zu meistern. Persönliche Eitelkeiten und finanzielle Interessen sind da völlig kontraproduktiv.
Mein Expertenstatus festigt sich
Mit großer Genugtuung habe ich eben nach meiner Rückkehr aus einer gestaltpädagogischen Weiterbildung auf Markos Medien-Podcast das leicht gekürzte Interview angehört, das ich dem Münchner Hörfunkredakteur Marko Schlichting am Dienstag gegeben hatte. Offenbar muss es in einer Version von 2:33 Minuten in 17 privaten Hörfunkkanälen in Bayern und Baden-Württemberg gelaufen sein, wie ich einer Mail und einem lobenden Facebookeintrag eben nach meiner Rückkehr entnehme.
Ich danke dem Redakteur, der quasi ein überregionales Mantelprogramm für regionale Privatsender prozuziert, dass er mir die Chance gegeben hat, meine Position zu entfalten. Im Idealfall wird auf diese Weise ein öffentlich-rechtlicher Sender im Bereich TV oder Radio, oder auch ein privates Talk-Format auf mich aufmerksam und prüft, ob man den Mann mit dem schwäbischen Idiom und den glasklaren Ansichten vor ein Mikrofon setzen kann.
Klar wäre das gut für meine Publicitiy und meine Ansichten. Aber auch den Sendern würde es mal guttun, unverbrauchte Köpfe und Stimmen zu Wort kommen zu lassen statt immer wieder Christdemokrat Heiner Geißler für alles, den Philosophen Richard David Precht für die Befindlichkeit und Ex-Verbandsfunktionär Heinz Olaf Henkel für die Interessen der Wirtschaft zum Gequassel zu bitten.
Es geht mir hier nicht um meine Person, aber um das Prinzip. Es fehlt überall an Mut, mal etwas Neues zu machen. Meine Idee, Wulff könne seine Bezüge nach all diesem Herumgeeiere auf Dauer zur Hälfte spenden, hielte ich unbedingt für ein Signal, das ihn in die Herzen der Bürger (zurück-)brächte und eine Haltung sichtbar machen würde, die uns an Margot Käßmann im Frühjahr 2010 so gut gefallen hatte. Es ist doch wirklich nicht so schwer.
Bundespräsident. Retten durch Teilen
Mein Blogeintrag von vor Weihnachten bzgl. Bundespräsident Christian Wulff und seiner unsäglichen Agitation in der Affäre um seine Privathausfinanzierung hat mir heute den Anruf eines Redakteurs vom Radiodienst, Deutschlands größter Nachrichtenagentur für Hörfunk eingebracht. Marco Schlichting hatte meinen Beitrag per Google gefunden und mich als Berater für Krisen-PR für interessant genug befunden für seine Kunden und deren Hörer.
Das völlig spontan am Telefon geführte Interview dauerte rund 15 Minuten. Ohnehin wollte ich heute über die jüngste Enthüllung schreiben, dass Wulff nicht mehr tragbar sei, nachdem nun heraus kam, dass er bei Springer-Verlag und Bild-Chefredaktion versucht hatte, die Recherchen um seine Hausfinanzierung zu unterbinden. Daraufhin fragte mich Schlichting, was ich Wulff als PR-Berater in der akuten Situation empfehlen würde.
Spontan antwortete ich, er solle sich öffentlich für seine charakterliche Inkompetenz entschuldigen und - im Amt bleiben. Denn sonst müsse das Volk auch ihm noch jährlich auf Lebenszeit 200.000 Euro Pension zahlen. Akzeptabel sei evtl., wenn er dem deutschen Volk vor versammelter Presse anbiete, im Amt zu bleiben, sich ab sofort Mühe zu geben und die Hälfte seiner Bezüge dauerhaft für einen sozialen Zweck zu spenden.
Diese Geste müsse aber sofort und von ihm (oder seinem Berater) kommen und nicht erst, wenn 20 Journalistenkollegen meine im Privatrundfunk publizierte Position in der Breite postulierten. Denn dann zeige Wulff wieder, dass er nicht macht, was der Anstand gebietet, sondern was die Medien fordern. Insgesamt redete ich mich in dem Interview ziemlich in Rage, weil die Sitten überall - auch im Journalismus - verlottern und alles nur noch auf Wirkung ausgerichtet ist und nicht mehr auf eine ethische Grundhaltung.
Mehr dazu und von mir auf Google+
Kraft der Worte: Filmbeleg Anonymus
Sehr beeindruckt hat mich der jüngste Film von Erfolgsregisseur Roland Emmerich, der seit 13. Oktober im Kino läuft. Dass "Anonymus" im Mutterland der Dichter und Denker allerdings nur in ausgewählten Häusern zu sehen ist und auch dort meist nur in kleinen Sälen vor wenigen Besuchern, stimmt mich nachdenklich. Denn die Spekulation darüber, dass William Shakespeare um 1600 gar nicht existierte, ist gleichermaßen keck wie faszinierend.
Acht Jahre hat Emmerich an dem Film gearbeitet, in dem er die Geschichte des vermutlich wahren Autors der 37 Bühnenstücke wie "Hamlet" oder "Romeo und Julia" erzählt. Demnach handelte es sich um einen Adeligen, der sogar eine Affäre mit der Königin hatte (Filmfoto), der sich nach Wahrhaftigkeit und Ästhetik sehnte statt nach Macht und Erfolg. In der Tarnung von Komödien handeln seine Stücke von Hofintrigen, Inzucht und Ausbeutung des Volkes.
Entsprechend muss sich der Adelige im Hintergrund halten und seine Stücke einfachen Komödianten zuspielen, die diese dann auf den Bretterbühnen des ungebildeten Volkes aufführen. Dort dienen diese zur politischen Bildung und öffnen den Analphabeten die Augen für die wahren Zusammenhänge. Vor allem der Satz "Worte werden die Welt mehr verändern als Kanonen", bringen die Geisteshaltung des wahren Autors auf den Punkt.
Seine Überzeugung teile ich und bin deshalb stolz, Journalist geworden zu sein, der seinen Unterhalt gleichermaßen mit der Kraft der wahrhaftigen Worte verdient. Und wie Anonymus erlebe ich all die Eitelkeiten, den Neid und die Intrigen, also die vielen kleinen Geschichten, die sich unterhalb der großen Geschichten abspielen, weil mancher Akteur nur seine eigene kleine und oft armselige Geschichte sieht. Meine Zuversicht aber: Gott sieht alles, auch die wahren Autoren.
Buchtipp: “Die letzte Flucht”
Der Stuttgarter Autor Wolfgang Schorlau, mit dessen Bruder Detlev ich gelegentlich Skat spiele, hat mit "Die letzte Flucht" einen sehr brisanten Krimi herausgebracht, der schonungslos die mafiösen Praktiken der Pharmabranche offenlegt. Faktenreich recherchiert und teils mit echten Firmennamen belegt, zeugt der sechste Krimi Schorlaus gleichermaßen von Mut und Akribie. Denn angesichts der Vorwürfe dürften die Betroffenen prozessieren, sofern sie auch nur ansatzweise eine Chance auf Erfolg sehen.
Im Kern thematisiert der jüngere Schorlau hier, was nicht zuletzt Spiegel-Redakteur Markus Grill in seinem Buch "Kranke Geschäfte - wie die Pharmaindustrie uns manipuluiert" bereits publiziert hat. Der Vorwurf: Die Hälfte der deutschen Ärzte lässt sich letztlich von den Pharmaherstellern bestechen und bonifizieren, damit sie deren Medikamente verschreiben. Das können demnach 5000 Euro und mehr im Monat sein.
Auch die Rolle des Marketings wird kritisch beleuchtet. So werden Versprechen kreiert, ein neues Medikamente verlängere das Leben von Krebspatienten um mehr als ein Jahr. Verschwiegen wird, dass bereits Vorgängerpräparate das Leben um rund zehn Monate verlängert haben - und dass die gewonnene Mehrzeit auf Grund schlimmster Nebenwirkungen für die Patienten qualvoll sei.
Im Kern, so die These des Buchs, geht es darum, den Pharmakonzernen Renditen von 30 bis 40 Prozent zu ermöglichen (zum Vergleich: Im Lebensmitteleinzelhandel liegt die Rendite teils unter einem Prozent). Schorlau transportiert die Fakten, in dem er einen Konzernboss entführen lässt, der seinem Entführer die ganze Wahrheit über seine Branche erzählt, um zu überleben. Mehr möchte ich zu dem Buch, dessen Nebenstrang sich im Lokalkollorit noch mit Stuttgart 21 befasst, nicht verraten.
Erlaubt sei mir die Anmerkung, dass der zitierte Spiegel-Redakteur Markus Grill Praktikant bei der SchwäPo in Aalen war als ich dort volontierte. Und: Grill und Schorlau für mich gute Beispiele sind, wie Journalisten Wahrheiten ans Licht bringen können statt sich mit seichtem Gelabere durch den Tag zu wursteln. Mit Jürgen Todenhöfers Afghanistan-Recherchen hatte ich im Sommer ein weiteres positives Beispiel in meinem Blog benannt.
Eine Frage der Wahrhaftigkeit
Angesichts der Schuldenkrise frage ich mich, welche Erziehung meine Mitbürger, insbesondere Politiker in Deutschland und der EU, genossen haben. Meine Eltern haben mir beigebracht, maximal soviel Geld auszugeben wie ich habe. Eher sollte ich selbst verzichten und aus Solidarität mit Armen etwas spenden. Und im äußersten Fall konnte man sich auch Geld leihen, z.B. für eine Baufinanzierung. Dann war aber klar, dass die Rückzahlung oberste Priorität genießt.
Diese, meine Mentalität trifft nun auf eine internationale Schuldenkrise, in die ich letztlich mit hineingezogen werde. Und kopfschüttelnd stehe ich vor der Verantwortungslosigkeit meiner Mitbürger, letztlich gegenüber unseren Kindern. Weil Bitterkeit über diese asozialen Zustände (in Griechenland stellen jetzt schon die Bürger Bedingungen, unter denen sie evtl. bereit werden Steuern zu zahlen!!!!) die Situation nicht besser macht, erzähle ich hier eine Geschichte, die ich gelesen habe.
In ein griechisches Dorf kommt ein Tourist, um Hotelzimmer für einen anstehenden Urlaub zu inspizieren. Als Kaution für die Zimmerschlüssel hinterlegt er beim Hotelier 100 Euro. Kaum ist der Tourist auf der Etage, begleicht der Hotelier mit den 100 Euro seine Schulden beim Metzger nebenan. Dieser rennt zum Bauern und bezahlt dort seine Schulden. Der Landwirt wiederum bezahlt bei der Genossenschaft die offene Futterrechnung.
Deren Lagerist rennt zur Kneipe und bezahlt seine ausstehende Zeche. Der Wirt wiederum bezahlt, was er einer Prostituierten noch schuldet. Die Hure eilt mit den 100 Euro ins Hotel und begleicht dort ihre Außenstände fürs Zimmer. Als der Tourist eben von der Zimmerbesichtigung kommt und die Schlüssel zurückbringt, händigt der Hotelier ihm die hinterlegte Kaution wieder aus. Und alle scheinen glücklich zu sein.
So ähnlich funktioniert das internationale Banken und Finanzierungssystem. Nur, dass dabei niemand etwas produziert oder leistet. Der Denkfehler in der Geschichte: Jeder hat nicht nur Schulden in die eine Richtung, sondern auch Forderungen in die andere. Somit sind zwar in der Erzählung am Ende alle quitt, aber auch gleichermaßen arm. Der Unterschied zur Realität: Griechenland hat nur diese Schulden, denen aber keine Forderungen gegenüber stehen.
Anders würde die Situation aussehen, wenn das Land bspw. konsequent seine Steuern eintreiben würde, die Menschen bis 65 Jahre (produktiv) arbeiten - oder zumindest nicht schon mit 55 Jahren öffentliche Leistungen beziehen. Statt dessen streiken jetzt aber auch noch die, die bisher gearbeitet haben. Mit 80 Prozent ist die Immobilienbesitzerquote in Griechenland übrigens EU-weit einmalig hoch. Substanz wäre also schon da.
Weil aber niemand konsequent handelt, entstehen Schattenwirtschaften im grenznahen Bulgarien und junge Leistungsträger wie Ärzte oder Ingenieure überlegen zunehmend, ihre Zukunft im Ausland zu suchen. Deutschland gilt auf Grund der Zuwanderungsbewegung aus den 60er/70er Jahren als erste Wahl. Dieses Mal kämen aber keine Bauern, sondern Akademiker. Herzlich willkommen.
Zehn Punkte für Zivilcourage
Unter Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse gibt es eine Kampagne "Augen Auf Zivilcourage zeigen", die sich dafür einsetzt, Menschen beizustehen, die in der Öffentlichkeit wegen ihrer Hautfarbe, Religion oder sonstwegen attackiert werden. Der Leipziger Pfarrer Christian Führer nannte kürzlich in einem Gottesdienst, den ich in Schorndorf sonntags besuchte, deren zehn Punkte.
Nachdem erst gestern wieder U-Bahn-Schläger verurteilt wurden und am Wochenende ein erneuter Vorfall bekannt wurde, möchte ich hier die Punkte auszugsweise kommunizieren. Denn erster Punkt des Thesenpapiers lautet auch "Seien Sie vorbereitet". Über eine solche Situation und wie Sie sich darin verhalten würden, denken Sie nun eher nach, wenn Sie diese Zeilen lesen.
"Bleiben Sie ruhig", lassen Sie sich also nicht von Gefühlen wie Angst oder Ärger ablenken. "Handeln Sie sofort", weil jedes Zögern die Situation verschärft. "Holen Sie Hilfe", in dem Sie konkret den Busfahrer ansprechen, per Handy die Polizei verständigen oder Passanten ("Sie, mit der braunen Lederjacke, kommen Sie bitte her!") gezielt ansprechen.
Verunsichern Sie den Täter, in dem Sie laut schreien. Nehmen Sie Blickkontakt zum Opfer auf und sprechen Sie es persönlich an ("Ich helfe Ihnen!"). Wenden Sie keine Gewalt an, fassen Sie den Täter nicht an und Siezen Sie ihn, wenn sie sein Verhalten kritisieren (aber nicht seine Person). Vermeiden Sie aber seinen Blickkontakt, weil das seine Aggression steigern könnte. Merken Sie sich Gesichter, Kleidung und Fluchtwege der Täter, um eine verwertbare Zeugenaussage machen zu können, und zeigen Sie die Täter bei der Polizei an.
PR-Rat kritisiert mangelnde Transparenz
Die PR-Idee war klasse, doch leider krankte sie in einem wesentlichen Detail: Im Winter 2010 trampt Aktionskünstler Stefan Gbureck durch Europa, lässt sich aber nur von Mercedesfahrern mitnehmen und dokumentiert seine Erlebnisse in einem Blog, auf Youtube und in Facebook. Das ist witzig und originell.
Unter "Tramp-a-Benz" gewinnt die Kampagne deshalb den Goldenen Löwen, eine Auszeichnung, die in der Branche besonders kreative Lösungen würdigt. Stück für Stück werden aber mehr Zusammenhänge der Aktion deutlich, so dass die Jury des Deutschen Rats für Public Relations (DRPR) die Auszeichnung nun wieder aberkannte.
Denn Gbureck, der zunächst jede Unterstützung weit von sich wies, räumte später ein, dass die Hamburger Agentur Jung von Matt während seiner Tour seinen Blog betreute, so dass er nur Texte und Fotos liefern musste. Und Mercedes-Benz war letztlich Geld- und Auftraggeber. Damit, so der DRPR, habe das Trio klar gegen die Regel der "Transparenz und Absenderklarheit der PR-Maßnahme" verstoßen.
Mich stört prinzipiell diese Kooperation nicht, weil ich es nicht für verwerflich halte, dass sich ein Performance-Künstler bezahlen lässt. Wovon sollte er denn sonst leben und seine Altersvorsorge bestreiten, wenn er in Mercedes-Karossen durch halb Europa fährt? Ich hätte mich allerdings nicht um den Preis beworben.
In der Tagliste meines Blogs sind Schlagworte wie Ehrlichkeit, Transparenz und Wahrhaftigkeit die größten. Ich sehe diese Werte als ethischen Selbstanspruch und marketingmäßig als Differenzierungschance. Das beschriebene Beispiel zeigt, dass diese Werte ebenso wichtig sind wie die Kreativität (oder Marktmacht) einer Agentur. Und exzellente Ideen haben wir auch.
