Mechanismen der Medienindustrie
Dieser Werbespot von VW wurde bei Youtube bis heute mehr als 26,5 Mio. Mal angeklickt. Gestern war in den Stuttgarter Nachrichten dazu ein Artikel. Der Hauptdarsteller, der Sechsjährige US-Amerikaner Max Page, ist demnach ein routinierter Werbeprofi. Der arme Junge leidet an einem angeborenen Herzfehler. Hat einen Schrittmacher und musste schon einige Male operiert werden, ist da zu lesen.
Ein Schelm, wer nun denkt, dass das alles reiner Zufall ist: Ein Spot, der eigens für das Super-Bowl-Finale produziert wurde (100 Mio. Zuschauer) - sogar in China wurde der Spot angeschaut. Sicher wurde der Junge gezielt ausgewählt. Denn nur so läuft parallel die Story durch die Gazetten, dass der Junge eigentlich todkrank ist. So erfährt er eine weltweite Beachtung. Mit ihm natürlich geradezu zwangsläufig die neue Limousine des deutschen Autobauers.
Immer wieder fragen uns Kunden, wie sie es ins Fernsehen schaffen. Mancher wäre sogar bereit, Positionen zu beziehen, die kantig sind, wie die eines Thilo Sarrazin. Dabei kann PR doch so einfach sein: Rühre die Herzen an und du bist ein Youtube-Star. Aktuell wäre zum Beispiel noch Samuel Koch frei, der mittlerweile querschnittgelähmte Wettkandidat aus der ZDF-Show vom Dezember.
Vor diesem Hintergrund arbeiten wir weiter wahrhaftig und versuchen jeden Tag Inhalte zu liefern, die den jeweiligen Titel des Redakteurs oder dessen TV-Format lesens- und sehenswerter macht. Erfolg um jeden Preis wollen wir nicht. Wir sind ja auch nicht käuflich - aber bezahlbar.
Web ist, was man nicht weiß
Was ist das Wesen des Internets - schnell verfügbare Fakten? Neue Kontakte? Pustekuchen! Motor des Mediums ist allein die Vermutung, glaubt Sascha Lobo. Egal ob es sich um User-Kommentare, vermarktete Inhalte oder Postings in sozialen Netzwerken handelt: Immer geht es um Mutmaßung, meint der berühmte Blogger.
In Spiegel-online hat er diese Woche seine These formuliert und begründet. Tatsächlich ist die Vermutung der publizistische, ökonomische und technologische Motor des Internets, schreibt der Berliner Autor und Strategieberater mit dem rot gefärbten Irokesen-Schnitt als Markenzeichen. Was die Evolution für das Leben, sei die Vermutung für das Netz, so der Profi für digitale Kommunikation, dessen Meinung auch bei TV-Talkshows von Anne Will & Co. immer wieder gefragt ist.
Immer neue Ideen: Der schwarze Brad
Ein Beispiel für Kreativität im Zeitalter des Internets ist der schwarze Brad: Der Kölner Werbemann spricht zweimal täglich in seinem Viertel private Glückwünsche, gewerbliche Angebote oder Secondhand-Offerten und Gesuche. Die Idee ist dem "Schwarzen Brett" entlehnt, an das früher Angebote gepint wurden. Je nach Textlänge nimmt der schwarze Brad zehn bis 40 Euro für eine Durchsage.
Das Interessante: Die Beiträge werden gefilmt und auf Youtube gestellt. So lässt zum Beispiel ein Gastronom regelmäßig seine Tageskarte verlesen, entlaufene Katzen werden auf diese Weise gegrüßt oder der Oma wird zum 80. Geburtstag gratuliert. So verschmelzen die Tradition des Dorfbüttels, der Nachrichten ausrief, und das Internet, das Informationen weltweit zugänglich macht, zu einem neuen Projekt.
Vom Ehrensenf-Blog bis zum ZDF-Mittagsmagazin haben Medien bereits über das Kölner Modell berichtet. Der Grund: Es ist gleichermaßen sympathisch wie originell, wie sich der schwarze Brad in Jacket und mit Hut auf eine einfache Holzkiste stellt, mit der er sich seine ganz eigene Bühne schafft, während hinten Kinder durchs Bild gehen oder an einem Marktstand Obst verkauft wird.
Vielleicht spreche ich meinen (gefilmten) Blog-Beitrag künftig auch von einer Kanzel oder zumindest einer Bank im Oberhofenpark. Überlegungen dazu gibt es seit Juni 2009. Und ich merke immer wieder: Wenn nicht ich meine Ideen realisiere, tun es andere. Mit Peter Flumes Wirtschaftskrimi in zehn Teilen war es ähnlich. Oder ich überweise dem schwarzen Brad 40 Euro, damit er etwas Nettes über die Qualitäten des Medienberaters sagt. Preisgünstiger, origineller und sympathischer kann Werbung nicht sein.
Millionen stimmen in das Halleluja ein
Dieses Video ist ein "Flash Mob", das heißt, Menschen verabreden sich an öffentlichen Plätzen, mischen sich unter die Menschen und beginnen gemeinsam ihre bspw. per Twitter oder e-Mail verabredete Aktion. Das kann eine von Studenten inszenierte Kissenschlacht auf dem Freiburger Münsterplatz sein oder eben die Verabredung eines Chores wie in diesem US-Video in einem Fast Food Restaurant. Entscheidend ist: Die Aktion wird gefilmt, ins Internet gestellt (Youtube) und getwittert etc.
Ich finde diese konkrete Idee und deren Umsetzung so wundervoll, dass ich es mir als Weihnachtsgeschenk für meine Leser aufgehoben habe. Seit ich es vor wenigen Tagen entdeckt habe (lieber Rolf, danke für den Link), kamen weltweit zwei Millionen weitere Besucher hinzu, die das Video gesehen haben. Vielleicht kann ich auf diese Weise zu dessen weiterer Verbreitung beitragen. Denn letztlich geht es um die Verherrlichung Gottes - und unseren Auftrag, an jedem Platz auf dieser Welt in jedem Moment unseren Beitrag zu leisten, dass Gott Mensch wird - und der Mensch immer mehr Ebenbild Gottes, der bspw. der Friede, die Vergebung und die Überwindung des Todes ist. Halleluja.
Knoblauch spitzt seine These zu
Mit der Personalfalle hat Prof. Jörg Knoblauch dieses Jahr einen Bestseller geschrieben und in vielen Zeitungen kamen Interviews und Berichte mit dem Autor über seine Personalauswahlthesen. In dem Buch greift er auch auf seine ältere These von den A-, B- und C-Mitarbeitern zurück, wonach die As den Firmenkarren ziehen, die Bs nebenherlaufen und die Cs sogar auf dem Karren sitzen und sich ziehen lassen.
In obigem Video hat er nun nachgelegt und seine Cs mit dem Ergebnis von Studien in Belegschaften verknüpft. Demnach gibt es bundesweit acht Millionen C-Mitarbeiter. Der Personal- und Managementtrainer aus Giengen/Brenz tritt nun mit seinen Lesern in eine Diskussion, ob es besser sei, den volkswirtschaftlichen Schaden in Kauf zu nehmen, dass acht Millionen C-Menschen als Arbeitslose der Allgemeinheit zur Last fallen. Oder ob der betriebswirtschaftliche Vorteil überwiegt, dass die Firmen durch die Befreiung von den Cs bessere Ergebnisse erzielen.
Der clevere Trainer verbindet sein Diskussionsangebot noch damit, Kommentatoren seinen Bestseller als Hörbuch zuzusenden. Damit schafft er einerseits einen Anreiz, eine Meinung zu artikulieren, was zu besseren Klickraten im Internet führt, zum anderen promotet er damit sein Buch und seine Thesen, was ihm zu höherer Bekanntheit verhilft. Vermutlich sieht so auch der Weg aus, wie man in (Polit-)Talkshows kommt.
Bürokratie reguliert uns bis zum Stillstand
Nach längerer Diskussion mit meinem Kunden Design Tech, dessen Anwalt und Joey Kelly habe ich nach nur drei Wochen unseren Filmbeitrag über den 7. Ammerbucher Design Talk wieder aus dem Netz genommen. Der Grund: In dem dreiminütigen Filmbeitrag hatten wir auch sekundenkurze Sequenzen aus ZDF-, RTL- und anderen TV-Sendungen gezeigt, die Joey Kellys Popularität und Extremsport dokumentierten. Die Sequenzen waren jedoch von der Leinwand abgefilmt und zudem mit unseren Sprecherinformationen unterlegt, so dass der Gesamteindruck die Abendveranstaltung dokumentierte und nicht die TV-Mitschnitte im Vordergrund standen.
Mit dieser Position hätte ich sicher auch einen Rechtsstreit gewonnen, zumal unsererseits mindestens 20 Stunden Arbeit in dem Film steckten. Design Tech, der mein Kunde ist, und JoeyKelly, der dessen Gast war, teilten meine Auffassung aber leider nicht. Ich schreibe hier darüber, weil Presse- und Urheberrecht bei unserer täglichen Arbeit fast immer eine Rolle spielen. Auch darin drückt sich unsere Kompetenz aus, selbst wenn ihr am Ende einmal nicht vertraut wird.
Und weil wir gerade bei Rechtsfragen sind: Der neue Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, der zum 1. Januar in Kraft treten soll und zuvor noch von den Landesparlamenten ratifiziert werden muss, betrifft auch Blogs wie meinen, weil sie im Internet frei zugänglich sind. Ziel ist, den Jugendschutz im Netz zu stärken. Konkret sollen aber alle Inhalteanbieter im deutschen Internet ihre sämtlichen Inhalte nach Alterstufen (ab 0, 6, 12, 16 oder 18 Jahren) klassifzieren. Dies gilt vom kleinen Blog bis zur Firmenhomepage. Ausgenommen sind lediglich Nachrichtensendungen und -seiten.
Strittig ist nun wiederum, ob ich eine redaktionelle Nachrichtenseite betreibe, oder? Klassifiziert werden müssen nämlich auch alle alten, aber noch zugänglichen Inhalte. Alternativ zu einer Klassifzierung ist eine technische Schranke mit Volljährigkeitskontrolle oder das Abschalten des Angebots vor 23 Uhr möglich. Außer dass eine solche Kennzeichnung vom kleinen Blogbetreiber einerseits wegen des hohen Aufwand und andererseits, weil es ihm an der entsprechenden Kompetenz mangelt, fast nicht zu machen ist, ist die gesamte Regelung realitätsfremd.
Wann gehen die Parlamentarier endlich wieder vom Weltbild des mündigen Bürgers aus? Diejenigen mit der kriminellen Energie finden immer illegale Wege oder streuen ihr perfides Geistesgut vom Ausland aus. Wann lässt uns die Politik endlich in Ruhe, damit wir das Geld verdienen können, mit dem wir unsere Steuer bezahlen, mit der all dieser Schwachsinn finanziert wird? Nein, heute ist Nikolaustag, da rege ich mich nicht auf.
Imagefilme werden immer beliebter
Vorige Woche habe ich die Meldung gelesen, das Internet werde das Fernsehen immer mehr verdrängen bzw. deren Programme auf Spartensender zuspitzen, die dann wiederum Blogs immer ähnlicher werden, die sich schon heute rund um Themen entwickeln. In meinem Umfeld kann ich auch regelrecht messen, wie die digitale Kommunikation zunimmt und auch meine Kunden immer stärker auf Filme setzen, insbesondere wenn sie Jüngere erreichen wollen, die lieber sehen als zu lesen.
Jüngstes Beispiel ist der Imagefilm unseres Recycling-Kunden Du: Willkommen in der Umwelt, der seinen virtuellen Firmenrundgang in eine kleine Handlung verpackt hat. Gelungen finde ich dabei, wie das Firmensymbol des Indianers clever in die bewegten Bilder eingesponnen ist. Das Beispiel zeigt auch, wie aufwändig der Umgang mit dem Medium Film ist. Schauen Sie mal rein, ich wünsche Ihnen dabei gute Unterhaltung.
Design Tech im Messe-Talk auf Youtube
Dass digitale Medien immer mehr an Bedeutung gewinnen, zeigt sich auch auf den Messen quer durch die Republik. Immer häufiger werden Filme gedreht und online gestellt, wo vor einigen Jahren noch Fotos und Berichte für Print-Medien genügten. Deshalb haben auch wir bereits Filme über die Messebesuche einzelner unserer Kunden gedreht, ob für Ventzki von der Motek 2009 in Stuttgart oder Carl Stahl auf der diesjährigen Bauma in München.
Die hohe Kunst ist es, diese Filme über Homepages, Blogs und andere digitale Plattformen so zu verlinken, dass sie auch gefunden, angeklickt und angeschaut werden. Jürgen R. Schmid von Design Tech in Ammerbuch hat mir dieser Tage den Link zu diesem Filmbeitrag geschickt, in dem er beim "Mechatronik-Talk" auf der diesjährigen Motek dazu interviewt wurde, wie Wege zum Erfolg aussehen.