leonhard fromm der medienberater

29Jul/112

Spiegelt die Arbeitskultur: Tour 1962

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Dieser Neun-Minuten-Film gibt einen wundervollen - für heutige Betrachter lustig anmutenden - Eindruck von der Tour de France-Kultur 1962: Fahrer, die am Bistro anhalten, um ein Glas Wein zu trinken, oder die Minuten verlieren, um an einem Gartenschlauch ihre Trinkflaschen aufzufüllen. Begleiter, die auf dem Sozius des Motorrads Zeitung lesen oder eine Filmrolle einlegen. Und Ordensschwestern, die längst zur Rarität geworden sind, die in großer Zahl an der Straße das Peloton bejubeln.

Geradezu gemählich rollt das Feld dahin. Damit spiegelt der Film den Zeitgeist und die damalige Arbeitskultur wieder. Leben und leben lassen. Jeder hatte sein Auskommen. Begriffe wie Leistungsgesellschaft oder Globalisierung waren noch nicht erfunden. Ich kenne noch Redakteure, die in dieser Zeit arbeiteten. Die waren selbst im angetrunkenen Zustand noch Autoritäten für ihre Leser. Und in den Fabriken, wo heute noch vier, fünf Maschinenbediener die Produktion überwachen, standen Arbeiter Schulter an Schulter.

Den Link zum Film hat mir übrigens mein Patenkind Mirijam aus der Schweiz geschickt. Sie weiß, dass ich ein großer Radsportfreund bin (Thomas Musch vom Tour-Magazin weiß das auch). Was mein alter Kumpel Thomas aber nicht weiß: Dass ich von Samstag bis Dienstag (völlig untrainiert) mit meinem Sohn Konrad von Heilbronn nach Buxtehude 650 Kilometer quer durch Deutschland geradelt bin. Ab dem hessischen Wächtersbach begleitete uns - häufig bei Nieselregen und Temperaturen um 12 Grad - mein Freund Andreas. Am Mittwoch saß ich abends wieder am Schreibtisch. Erholt!

11Aug/100

Ungeduld der Schweizer nervt

Nachklapp zur Tour extrem: Jürgen Schweigardt kauft uns allen den Schneid ab: Während wir uns gestern (01.08.) zu Etappenbeginn die restlichen 14 km und knapp 600 Höhenmeter zum Splügenpass (2113 hm) hochschraubten und anschließend den San Bernadino (2065 hm) in Angriff nahmen, raste uns der 51-jährige Ex-Semi-Profi voraus. Denn kurz vor dem Zielort stand noch der Alpe di Neggia auf dem Programm. Da dieser aber eine durchschnittliche Steigung von mehr als zehn Prozent hat, wollte ihn nur der Gochsener Ex-Bahnradfahrer fahren. Das ehemalige Mitglied der Nationalmannschaft (1978 bis 82) war über Sunny (Erik Sanwald) zu der Gruppe gekommen und ist noch heute "drauf wie das Messer".
Wir anderen bevorzugten die Flachetappe am Lago Maggiore entlang, ärgerten uns aber immer wieder über die Ungeduld vieler Schweizer, die hupend und drängelnd das Peloton passierten, oft mit hochgejagtem Motor im dritten Gang. Einer trieb es sogar so weit, zu überholen, sich vor den im Wind tempomachenden Triathleten Marco Glassner (35) zu setzen und uns komplett runterzubremsen. Als aber unser Begleitfahrer Horst Möhrer von hinten die Situation erkannte, rückte er mit seinem Sprinter nach vorne und machte dem Schweizer Druck.
Ärgerlich war auch die Schweizerin, die im Kreisverkehr unseren Konvoi zerschoss, in dem sie - für uns völlig unerwartet - im Kreisel auf ihre Vorfahrt bestand. So hatte sie die zweite Hälfte uneren Zugs plötzlich links, rechts und hinter sich und mancher rief unflätige Worte. Vermutlich war die Frau mit der Situation aber einfach nur überfordert. Im Übrigen setzte uns die Sonne gestern am meisten zu, obwohl wir von Ex-Tour extrem-Fahrer und Oberarzt der Hautklinik in Buxtehude, Andreas Kleinheinz, hinreichend mit Sonnencreme versorgt und in deren Anwendung instruiert waren.
Im Hotel international am Zielort Luino dozierte Tour-Chefredakteur Thomas Musch nach 137 Kilometern einmal mehr in kleiner Runde, wir würden sehr unvernünftig fahren. Denn auch bei leichten Steigungen oder Bodenwellen drücke der Frontmann oft durch oder schalte nicht weit genug herunter, so dass sich von Mal zu Mal Tempo und Puls erhöhen, so dass kein Ausdauertrainingseffekt entstehe. Dass sich seine Sichtweise durchsetzt, belegte der heutige Tag.
Zunächst ging es mit der Fähre über den Lago und der Mottarone (1455 hm) wurde mangels Zeit (und Lust) ausgespart. Entsprechend ging es 126 km weitgehend über Flachetappen im Wind mit einem Schnitt von knapp 34 km/h, bei dem das Feld lang hingezogen den Asphalt unter die schmalen Reifen nahm. Sunny musste wegen massiver Rückenschmerzen leider im Bus Platz nehmen. Er überlegt, die Tour mangels Perspektive abzubrechen. Mehrere Bandscheibenvorfälle haben seine Wahrnehmung geschult.
Um 15 Uhr waren wir heute bereits am Zielort Vercelli. Bei der Ankunft im Hotel Modo sangen wir meinem Sohn Konrad ein Ständchen, da er heute 21 wurde. Für mich ist es selbstverständlich eine wundervolle Sache, diese Tour gemeinsam mit ihm erleben zu dürfen. Daran hatte ich schon gedacht als Andreas Kleinheinz 2004 mit seinem Sohn Konstantin an den Start gegangen war. Horst und Stefan Schmid haben vorher Marco zum Flughafen nach Mailand gebracht. Der Vertriebsmann muss morgen wieder arbeiten, seine Frau Judith fährt aber weiter mit. Morgen geht es 131 km weit nach Bossolasco, wovon die ersten 100 km wieder flach sind.

9Aug/100

Tour extrem 2010 ist bereits Geschichte

Es ist 21:38 Uhr. Um 5 Uhr sind Konrad und ich mit Heidi und Horst im Sprinter in Nizza losgefahren, nachdem am Vorabend dort große Strandparty mit Tänzerinnen und Feuerschlucker war. Mit im Auto - 13 Rennräder. Wolfgang, Jürgen, Stephan und Erhard waren bereits am Sonntag geflogen, die anderen heute um 14:15 Uhr. Gegen 17 Uhr treffen alle parallel in Eislingen vor Thomas' Haus ein. Ich bringe Konrad in Göppingen auf den Bahnhof, wo er den nächsten Zug nach Heilbronn nimmt.

Nun habe ich meine Mails und die Post gecheckt und gönne mir zum Abschluß diesen Blogeintrag. Sehr gerne hätte ich chronologisch die Tour dokumentiert, doch leider hatten wir unterwegs kein Internet oder nur analog sehr langsam. Vermutlich gibt es einen tieferen Zusammenhang zwischen stimmungsvoller Bergwelt und IT-Ferne. Immerhin habe ich in Vercelli schon mal zwei längere Passagen über die Etappen durch die Schweiz auf dem Laptop verfasst, die Texte aber nicht ins Netz gekriegt.

Die elfstündige Rückfahrt durch massive Gebirgszüge ließ nochmals nachklingen, was unser elfköpfiges Peloton geleistet hat. Denn auf der Karte war gut sichtbar, dass wir oft nur 30, 40 Kilometer von der Autobahn entfernt, durch dieselben Landschaften geradelt sind. Es ist schon faszinierend, was man mit dem eigenen Körper zu leisten vermag und welche Kraft in ihm (und welcher Wille im Kopf) steckt. Diese Erinnerung bleibt, wenn der Alltag und uns wieder zerreiben will: Unsere Kraftquellen sind stärker und tiefer.

6Jan/100

3. Tour extrem mit prominenten Fahrern

Das Highlight 2010: Am 28. Juli startet die dritte Tour-extrem, die wir alle drei Jahre im radsportbegeisterten Freundeskreis gestalten. Das Motiv entstand 2007 auf dem Tourmalet.

Das Highlight 2010: Am 28. Juli startet die dritte Tour-extrem, die wir alle drei Jahre im radsportbegeisterten Freundeskreis gestalten. Das Motiv entstand 2007 auf dem Tourmalet.


Nach 2004 und 2007 findet vom 28. Juli bis 7. August die dritte Tour extrem statt, die wir im Freundeskreis gemeinsam bestreiten. Dieses Jahr führt uns die Tour, zu der sich elf Fahrer angemeldet haben, über zahlreiche Alpenpässe nach Nizza. Neben dem Direktor der Bereitschaftspolizei Baden-Württemberg, Thomas Mürder, den man getrost als "Vater der Tour" titulieren darf, begleiten uns dieses Jahr erstmals zwei Männer, die mir besonders wichtig sind.

Da ist zum einen mein Sohn Konrad, der während der Tour 21 wird. Erste Radsporterfahrung hat er im Sommer 2009 gesammelt als er mit mir durch den Schwarzwald in die Schweiz fuhr. Bereits im Mai waren wir zusammen in Heilbronn den halben Trollinger-Marathon gelaufen. Und mein alter Pfadfinderfreund Thomas Musch fährt erstmals mit, der interessanterweise von Beruf Chefredakteur des Tour Magazins ist, das in München erscheint.

Und weil ich meinem Sohn zu Weihnachten mein bisheriges Rennrad geschenkt habe, kaufe ich in den kommenden Wochen ein Stevens Vuelta mit Ultegra-Schaltung und Kompaktkurbel. Ich hoffe, zusammen mit der Tour extrem dann dieses Jahr auf 5000 Trainingskilometer zu kommen. Das wäre ein schöner Ausgleich zum Beruf, in dem es 2010 auf Grund der Medien- und Anzeigenkrise sicher hart wird, für unsere Kunden die Presseveröffentlichungen zu erzielen, die ihnen helfen, sich im Wettbewerb zu positionieren. Aber wird werden uns wieder ins Zeug legen - Kondition haben wir ja!