leonhard fromm der medienberater

20Jan/120

Perfektionist im Hintergrund: Roland Eitel

Sympathische Begegnung: Gestern hatte ich kurz die Gelegenheit, Roland Eitel persönlich kennenzulernen.

Sympathische Begegnung: Gestern hatte ich kurz die Gelegenheit, Roland Eitel persönlich kennenzulernen.

Gestern hatte ich das Vergnügen, Roland Eitel in Esslinger persönlich zu treffen. Der frühere Sportredakteur der Esslinger Zeitung ist der Intimus von Jürgen Klinsmann, Joachim Löw und anderen Sportgrößen in Sachen Kommunikation und Außenwirkung. Den Strippenzieher im Hintergrund hatte ich vor rund 13 Jahren persönlich kennengelernt als Klinsi die Ehrung als "Regionaut" beim Verband Region Stuttgart bekam und Wolle Kriwanek sein Laudator war. Als Freund und Beobacher der beiden wohnte Eitel der Feier bei. Und seither habe ich auch seine Telefonnummer.

Den neuerlichen Kontakt hat der Salacher PR-Berater Enrico Müller hergestellt, mit dem ich seit Herbst kooperiere und der seinerseits in seiner Zeit im Sportsponsoring bei Mercedes mit Eitel zu tun hatte. So loteten wir gestern im Dreiergespräch aus, wo evtl. Ansatzpunkte für eine Zusammenarbeit bestehen und ob die Chemie zwischen uns allen stimmt. Denn letztlich geht es auch hier um Vertrauen.

Zuvor hatte ich Eitel als Referent erlebt, wie er die Vertriebsleute der AOK Neckar-Fils motivierte. Dabei erzählte der PR-Berater, wie Klinsmann, Löw & Co. seit 2004 die deutsche Fußball-Nationalmannschaft aus der Krise und 2006 zur Weltmeisterschaft im eigenen Land geführt hatten. Unaufgeregt, bescheiden und sachlich zeigte Eitel in vielen Details auf, was den Gesamterfolg ausmacht.

Wie zum Beispiel Klinsmann keinen Konflikt scheute, um immer wieder den Blick aufs Wesentliche zu lenken: Dass zum Beispiel Sponsoren bei Mannschaftsessen etc. ausgeschlossen waren, um das Team auf sich selbst zu fokusieren. Oder wie der Entscheidungs- und anschließende Informationsprozess lief, dass Jens Lehmann vor Oliver Kahn den Vorzug als Torhüter erhielt - gegen vielfältige Interventionen des FC Bayern oder des DFB.

Das gefällt mir an Eitels Arbeitsweise und erinnert mich an die eigene: Dass nicht sofort losgelegt wird (Aktionismus), sondern sehr akribisch alle Details ausgeleuchtet und bedacht werden und alles Seitherige und früher Bewährte auf den Prüfstand kommt. Und zwar unter sachlichen, menschlichen und PR-relevanten Aspekten. Das hat viel mit Psychologie und Wertschätzung zu tun, aber auch mit knallhartem Wissen um Mechanismen, Bereitschaft zum Wandel und damit, dass man sein Handwerk beherrscht.

24Okt/114

Britsch liefert einen großartigen Kampf

Der Boxabend am Samstag in der Ludwigsburger Arena mit 4200 Zuschauern hat sich gelohnt: Nicht so sehr wegen Großmaul und WBO-Weltmeister Marco Huck im Cruisergewicht ("ich schlage alles kurz und klein"); auch nicht wegen der Prügelei im Schwergewicht zwischen einem konditionsschwachen, aber routinierten US-Amerikaner Trevis Walker und einem Bulgaren, dessen Namen ich wegen Belanglosigkeit schon wieder vergessen habe.

Aber unbedingt wegen Dominik Britschs Hauptkampf im Mittelgewicht gegen den unermüdlichen US-Amerikaner Billy Lyell, der es dem 24-Jährigen ermöglichte, an diesem Abend an Reife und Erfahrung zuzulegen. Dieser Fight, in dem der Neckarsulmer erstmals in seinem 26. Profikampf über 12 Runden fighten musste, war das schönste, was ich im Boxen seit vielen Jahren gesehen habe.

Das Duell belegte, dass ein guter Boxer einen guten Gegner braucht, um einen hochwertigen Kampf zeigen zu können. Lyell, der sehr wohl auch variantenreicher boxen kann, suchte sein Heil über lange zwölf Runden einzig im Vorwärtsgang. Was man ihm über längstens sieben, acht Runden zugetraut hätte, zog der besttrainierte Techniker über zwölf Runden durch. Für Britsch war dies eine große Herausforderung. Über die ersten sieben, acht Runden zog er wie ein Stratege sein Konzept durch.

Britsch boxt filigran. Mit dem Kopf. Während jeder dreiminütigen Runde lauert er hinter einer kompakten Doppeldeckung auf seine Chance, pendelt, weicht zurück und kommt dann überfallartig meist zweimal pro Runde (das zweite Mal kurz vor dem Gong) mit einem Schlaghagel aus der Deckung und setzt dabei an Kopf wie Körper des Gegners Wirkungstreffer. Das sieht leicht, durchdacht und souverän aus, ist aber schwere Arbeit und fordert ein hohes Maß an Disziplin.

Dass diese Strategie gegen Ende des Kampfes immer weniger aufging, war offenbar der fehlenden Konzentration geschuldet, die Britsch noch nicht über zwölf Runden halten kann. Sie war aber auch dem bienenfleißigen Gegner geschuldet, der trotz aller erhaltenen Treffer immer weiter giftige Attacken ritt. Was mir aber auch gefiel: Wie blitztartig schnell Britsch ansaußenden Fäusten ausweichen kann, die er kommen sieht, und dessen Schlaghagel fast immer aus anderen Kombinationen bestehen, was wunderbar anzuschauen ist.

Dass ich am Sonntag, der normalerweise der Tag mit den schlechtesten Blog-Zugriffen ist, erstmals 200 Klicks hatte, war Dominik Britsch geschuldet. Die allermeisten wollten lesen, was ich über ihn so schreibe. Der Junge wird also mehr und mehr zur Marke und auch sein Trainer Ulli Wegner lobte ihn in den höchsten Tönen. Huck dagegen hätte ich an diesem Abend Firat Arslan, der auch am Ring saß, als Gegner gewünscht. Vielleicht hätte er dann nicht vom Aufstieg ins Schwergewicht gequatscht, sondern sich in Bescheidenheit geübt. Das wäre sympathischer gewesen. Neben ihm aber wirkt der drei Jahre jüngere Britsch wie eine Lichtgestalt für den deutschen Boxsport.

14Sep/110

Hartmann-exact war erster Sponsor

This video was embedded using the YouTuber plugin by Roy Tanck. Adobe Flash Player is required to view the video.Die erste sportliche Station von Sven Ulreich war als Neunjähriger der TSV Schornbach, wo der heutige VfB-Torwart den Kasten hütete. Auf dem Trikot damals: Die Hartmann-exact GmbH aus demselben Schorndorfer Stadtteil. Am Freitag, 28. Oktober, feiert der Sensorik-Zulieferer für die Automobilindustrie sein 75-jähriges Bestehen.

Vermutlich wird neben Festredner Prof. Willi Dietz vom Geislinger Institut für Automobilwirtschaft IFA auch Ulreich an diesem Abend unter den geladenen Gästen sein. Den Festakt werde ich moderieren, da unsere PR-Agentur für Hartmann-exact seit einem halben Jahr die Pressearbeit macht und ich deshalb das Unternehmen kenne.

Witzigerweise ist meine Partnerin, die aus Schorndorf stammt und heute wieder hier lebt, auch noch ehemalige Mitschülerin von Ulreichs Mutter Ute, die sehr früh Witwe war. Die beiden Frauen treffen sich gelegentlich. Am 20. August war der VfB-Torhüter übrigens nach der unglücklichen Niederlage gegen Leverkusen Gast im Aktuellen Sportstudio des ZDF.

Gegen Ende des knapp 13-minütigen Interviews wird dem Moderator ein Päckchen hereingereicht, in dem sich Ulreichs Schornbacher Trikot befindet. Er packt es aus und zeigt es unter dem Applaus der Zuschauer in die Kamera. Dabei ist der mächtige Schriftzug des damaligen Trikotsponsors prominent sichtbar.

24Aug/110

Britsch boxt am Samstag in Erfurt

Steigt am Samstag zum 25. Mal in den Ring: Dominik Britsch, der auch als Werbepartner viele Vorzüge bietet.

Steigt am Samstag zum 25. Mal in den Ring: Dominik Britsch, der auch als Werbepartner viele Vorzüge bietet.

Mittelgewichtler Dominik Britsch boxt diesen Samstag (27.08.) in Erfurt. Live in ARD zu sehen ist der WBA-WM-Titelkampf im Schwergewicht zwischen Alexander Povetkin und Ruslan Chagaev. Zwei weitere Titel in Schwer- und Halbschwergewicht werden an dem Abend ausgetragen, während es für den 23-jährigen Neckarsulmer im 25. Profikampf nur darum geht, weiter unbesiegt zu bleiben.

Gegner des Abiturienten, der bereits als 17-Jähriger einen Profi-Vertrag bei Sauerland in Berlin bekam und seit 2009 IBF-Juniorenweltweister ist, ist der frühere Britische Meister und einstige EM-Herausforderer Steven Bendall. Gegen den 37-Jährigen gilt es für Britsch, mit dessen Vater Jürgen ich zur Schule ging, seinen 13. Rang in der Weltliste der International Boxing Federation zu behaupten.

Zuletzt hatte der Schützling von Ulli Wegner am 16. Juli dieses Jahres im Olympia-Eisstadion in München mit einem technischen K.o.-Sieg in der neunten Runde gegen den Amerikaner Ryan Davis die IBF-Intercontinental Meisterschaft errungen. Am liebsten würde der 23-Jährige gleich um die WM boxen, doch wollen Trainer und Manager den brillianten Techniker allmählich aufbauen.

Gegen den amtierenden IBF-Weltmeister Daniel Geale würde sich Britsch gute Chancen ausrechnen. Aber zunächst muss er sich gegen Bendall durchsetzen. Der Engländer ist kein Fallobst, wenngleich der frühere EM-Gegner von Sebastian Sylvester seinen britischen Titel 2009 gegen Darren McDermott verlor. Meinerseits versuche ich aktuell einem Kunden Boxen als Kundenevent schmackhaft zu machen.

Interessant sind meist die Reaktionen: Zunächst Ablehnung. Erzählt man dann aber, dass gute Boxer in erster Linie gegnerische Treffer vermeiden wollen, dafür so hart und vielseitig trainieren wie sonst nur Zehnkämpfer, äußerst diszipliniert leben und der Reiz des Sports in seiner Unmittelbarkeit liegt, bei der neben Kraft und Ausdauer auch Taktik und Psyche eine Rolle spielen, wächst beim Gegenüber die Begeisterung.

Dafür ist auch Britsch ein gutes Beispiel: Denn aus der Mitte der bürgerlichen, schwäbischen Gesellschaft und mit Abitur hätte der Sohn des früheren Deutschen Amateurmeisters Jürgen Britsch viele Alternativen gehabt, sich beruflich zu betätigen. Oder nehmen Sie mich: Mich fasziniert diese Sportart, deren Inszenierung und Vermarktung auch. Vielleicht gerade deshalb, weil sie auf den ersten Blick etwas Brachiales hat. Aber auch etwas Ehrliches.

1Jul/112

Britsch boxt sich im Ranking hoch

Der Neckarsulmer Mittelgewichtler Dominik Britsch boxt am Samstag, 16. Juli, im Münchner Olympia-Eisstadion gegen den US-Amerikaner Ryan Davis um die derzeit vakante IBF-Intercontinental Meisterschaft. „Ich freue mich riesig, dass es endlich so weit ist“, sagt der 23-jährige Britsch, der bisher in 23 Profikämpfen 23 Siege einfuhr.  Mit einem weiteren Sieg käme der Abiturient aus meiner Heimatstadt, mit dessen Vater ich befreundet bin, unter die Top 15 der Weltrangliste.

Mit dem 32-jährigen Davis, der aus 34 Kämpfen 23 Mal als Sieger hervorging (9 k.o.s), steht Britsch erstmals ein erfahrener, ausgereifter Boxer gegenüber. „Andere Sportler waren nicht besser als Dominik, haben aber schon früher um Meisterschaften geboxt“, meint Erfolgscoach Ulli Wegner. Der 69-Jährige, der 2010 das Bundesverdienstkreuz erhielt und zum achten Mal in Folge von den Lesern des Fachmagazins „BoxSport“ zum „Trainer des Jahres“ gewählt wurde, hält große Stücke auf Britsch.

„Dominik kann längst in einem Atemzug mit Boxern wie Felix Sturm oder Sebastian Zbik genannt werden,“ sagt Wegner. Dennoch weiß der Coach um die Gefährlichkeit des Britsch-Kontrahenten. „Er ist ein Kämpfer, einer der Willen hat und alles versuchen wird, um zu siegen." 2007 warf den US-Amerikaner eine Niederlage gegen Zab Judah etwas zurück.

Zuletzt hat er sich aber wieder berappelt. Solch einen Gegner dürfe nicht unterschätzen werden, so der Trainer. Dominik aber sei "der kommende Mann. Da erwarte ich natürlich, dass er am Ende siegt. Wenn er sich im Training weiter so reinkniet und konzentriert bleibt, ist er für mich in der Favoritenrolle.“ Deshalb sei es an dieser Stelle nochmals gesagt: Für Sponsorenanfragen ist der Neckarsulmer offen. Der Zeitpunkt ist günstig.  Rufen Sie mich an unter Tel. 07161/918942.

6Jun/110

Firat boxt am 15. Juli in Göppingen

Gegen den Tschechen Lubos Suda (35)  hatte Firat Arslan (Foto) 2003 eine seiner bisher fünf Niederlagen (nach Punkten in zwölf Runden) in 36 Profikämpfen einstecken müssen. Am Freitag, 15. Juli, kommt es nun in der Göppinger EWS-Arena zur Revanche. Der mittlerweile 40-jährige Ex-Weltmeister im Cruisergewicht boxt dabei um den Interkontinental-Titel der WBA, d.h. der Sieger fordert anschließend den Weltmeister.

Eigentlich hätte der Deutschtürke aus Süßen gerne gegen den Franzosen Steve Herelius gefightet, dem er im Juli vorigen Jahres in der "Hitzeschlacht von Stuttgart" nur wegen Dehydrierung nach der elften Runde unterlag. Bis dahin hatte Arslan, der zuvor verletzungsbedingt mehr als ein Jahr nicht im Ring stand, den Gegner klar dominiert. Nun aber musste Herelius, angeblich wegen einer Verletzung, passen.

Hallenmanager Andreas Schweickert, der den Modellathleten 2005 erstmals in seinem Heimatlandkreis - damals noch  der Hohenstaufenhalle - präsentiert hatte, hatte nun erneut ein feines Händchen, gegen den "Löwen" einen früheren Bezwinger aufzubieten. Und nachdem sich dessen Boxstall Universum ohne ZDF-Vertrag nahezu aufgelöst hat, managt sich Arslan nun selbst, kooperiert aber eng mit dem Arena-Boxstall von Ahmet Öner, der in der Branche allerdings als enfant terrible gilt, das sich nicht einmal bei Pressekonferenzen benehmen kann.

Auch meine Versuche, diesen Unternehmer zu kontaktieren, sind bisher nicht an meiner Professionalität gescheitert. Vermutlich aus steuerlichen Gründen hat der Macher, der das Juli-Event ursprünglich in Duisburg ausrichten wollte, seinen Firmensitz von Hamburg nach Zürich verlegt und eine Telefonnummer findet sich auf seiner Homepage seither überhaupt nicht mehr.

Immerhin: Öner liefert auch die anderen Box-Paarungen für das Event, das auf Eurosport übertragen wird. Und Arslan, der enge Freund von Schwergewichtler Luan Krasniqi, sorgt für volle Ränge in der EWS-Arena. Für Oktober hat das Duo Arslan/Öner bereits einen weiteren Box-Abend geplant, dann in der Stuttgarter Porsche-Arena. Tatsächlich werden die Fights von Zugpferd Arslan immer kostbarer - am 28. September wird er 41.

23Mai/110

Boxer Britsch besiegt auch 23. Gegner

Eigentlich sind es zwei schlechte und nur eine gute Nachricht. Fangen wir beim Besten an: Mittelgewichtsboxer Dominik Britsch hat in Los Angeles auch seinen 23. Gegner, den US-Amerikaner Delray Raines, durch technischen k.o. in der fünften Runde klar besiegt. Zuvor war Raines nach schweren Treffern dreimal angezählt worden.

Doch während der 23-jährige Neckarsulmer mal wieder nur im Vorprogramm boxte, unterlag Hauptkämpfer Artur Abraham auch im dritten Fight des Super-Six-Turniers. Dieses Mal besiegte ihn WBA-Weltmeister Andre Ward sehr überzeugend, nachdem der gebürtige Armenier und Ex-Weltmeister 2010 bereits  beide Kämpfe im Rahmen des Turniers verloren hatte, dessen Sieger 20 Millionen Euro Siegprämie winken.

Die schlechteste Nachricht für den deutschen Boxsport insgesamt war vorige Woche in der Süddeutschen nachzulesen. Demnach wird die ARD den 54 Millionen Euro schweren TV-Vertrag mit Box-Promoter Winfried Sauerland, mit dessen Berliner Boxstall Britsch seit der elften Klasse einen Profivertrag hat, vermutlich nicht über 2013 hinaus verlängern. Der Grund: Der mächtige WDR-Verwaltungsrat lehnt den Deal ab. Laut Südeutsche einerseits, weil er im Boxen keinen öffentlichen Auftrag sieht, vor allem aber, weil Programmchef Volker Herres allzu eigenmächtig die Verlängerung bis 2015 bereits in Aussicht gestellt habe.

Pikant an der Sache: WDR-Intendantin Monika Priel, derzeit amtierende ARD-Vorsitzende, hatte dem Deal im Februar 2010 bereits zugestimmt. Demnach handelt es sich nun um einen Aufstand des Verwaltungsrats, der die Interessen der Gebührenzahler (ehrenamtlich) vertritt, gegen die professionellen Programmmacher und deren Ehrgeiz. Bereits im Sommer 2010 hatte das ZDF die Zusammenarbeit mit dem Hamburger Boxstall Universum, wo bis dahin Firat Arslan unter Vertrag stand, beendet. Arslan arbeitet nun punktuell mit Mehmet Önder zusammen.

12Mai/112

Mit eiserner Faust zu mehr Disziplin

Bei Goldblau finden vor allem Migrantenkinder Anschluss an die deutsche Gesellschaft - durch Boxen.

Bei Goldblau finden vor allem Migrantenkinder Anschluss an die deutsche Gesellschaft - durch Boxen.

Weil Boxen immer wieder als primitiv diskreditiert wird und sich Menschen wundern, dass mich der Faustsport fasziniert, möchte ich heute über das Jugendprojekt "Cool Sports" des Stuttgarter Sportvereins Goldblau Stuttgart berichten, der am Pragsattel im Stadtteil Feuerbach sein Box-Gym hat. Bis zu 20 unter 18-Jährige trainieren dort täglich ab 18 Uhr parallel unter Leitung von Landestrainer Alexander Geier.

Angelockt werden die jungen Leute, oft Migranten ohne Schulabschluss, durch gelegentlich öffentliches Schautraining etwa auf dem Schloßplatz in Stuttgart. Das erzeugt Aufmerksamkeit unter den jungen Leuten, die oft gelangweilt herumhängen. Sie können dann einen Monat kostenlos trainieren und auch Angebote wie Judo, Aikido oder Sambo, eine russische Kampfsportart mit japanischen Wurzeln, ausprobieren.

Die Erfahrung der Verantwortlichen ist immer wieder dieselbe: Über das gemeinsame Training finden die Teilnehmer Freunde und steigern ihr Selbstbewußtsein. Und wer kaum Deutsch spricht, fällt nicht auf, weil das meiste mit dem Körper geht und ohnehin immer jemand da ist, der übersetzen kann. Die Sprachkompetenz kommt dann mit der Zeit. Überhaupt hängen im Gym dutzende Flaggen, die für alle Länder stehen, aus denen die Vereinsmitglieder kommen.

Wer zum Schnuppern kommt, merkt schnell, dass das Boxen viel spannender ist als jedes Computerspiel und interaktiver. Und weil Goldblau auch fünf deutsche Meister und mehrere Bundeskaderathleten in seinen Reihen hat, ist der Aufstieg zum Leistungssport fließend. So verbinden sich soziales Engagement und Leistungsbereitschaft zu einer guten Mischung, die den jungen Leuten auch außerhalb des Vereins weiterhilft.

Aufmerksam auf dieses Beispiel bin ich durch einen Artikel in den Stuttgarter Nachrichten geworden. Demnach trainieren dort auch die Brüder Aznauer (18 ) und Ansor (15) Gasanov, die als Kinder mit ihren Eltern aus dem zerstörten Nordkaukasus gekommen waren. 2009 wurde Aznauer internationaler deutscher Vizemeister im Mittelgewicht. Ansor wurde im Weltergewicht bei den U15 deutscher Meister. Und Goldblau ist nur ein Beispiel, wie Boxen beim Sozialisieren hilft.

5Mai/110

Britsch boxt erneut in den USA

Allmählich wird es Zeit, dass der 23-jährige Mittelgewichtler Dominik Britsch (Foto) als Hauptkämpfer einen Boxabend bestreitet. Am Samstag, 14. Mai, in seinem 23. Profikampf sicher aber noch nicht. Denn der findet in Los Angelas statt im Rahmenprogramm von Arthur Abrahams "Final six"-Turnier. Am 1. Mai flogen die beiden mit Sauerland-Trainer Ulli Wegner und Physiotherapeut in die USA, wo sie unter anderem in Las Vegas einem Kampfabend beiwohnen.

Mit seinem klaren Sieg über den Ungarn Joszef Matolcsi in seinem 22. Kampf hat sich der Neckarsulmer Abiturient in der Weltrangliste weiter nach vorne gearbeitet. In Europa gehört der bislang unbesiegte Britsch, der seine Karriere als Elftklässler startete, nun zu den Topp Ten und ist um eine Erfahrung reicher: Denn in der sechsten Runde traf ihn ein linker Haken Matolcsis so schwer, dass er - erstmals in seiner Karriere - kurz zu Boden ging.

Pädagogisch war der Niederschlag, der in der ARD-Zusammenfassung zu sehen war, lehrreich: Denn nun hat Britsch die Praxiserfahrung, wie es sich im Kampf für ihn anfühlt, so hart getroffen zu werden. Aus dem Konzept brachte ihn der Treffer nämlich nicht. Er dominierte seinen Gegner klar über die komplette Distanz und schickte den Routinier in der ersten und fünften Runde seinerseits mit einer Kombination und einem Haken auf die Bretter.

31Mrz/110

Endlich: Arslan boxt morgen in Berlin

Nachdem Firat Arslan (auf dem Foto in Stuttgart gegen Wilson Darnell) bei seinem Comeback im Juli bis zur 11. Runde gegen Steve Herelius klar in Führung lag, verlor er den Kampf in der "Hitzeschlacht der Stuttgarter Porsche-Arena", weil er völlig dehydriert und kampfunfähig war. Der Sieg hätte dem mittlerweile 40-jährigen Ex-Weltmeister im Cruisergewicht die Chance auf einen erneuten WM-Fight der WBA ermöglicht. Der Kampf war der letzte, den sein Hamburger Boxstall Universum live im ZDF übertrug.

Und seit Universum keinen TV-Partner mehr hat und Promoter Klaus-Peter Kohl damit die Kohle ausging, löste sich der Boxstall immer mehr auf. Zuletzt boxte Schwergewichtler Sascha Dimitrenko in einer Turnhalle vor 500 Zuschauern und auf Bild.de wurde der Kampf übertragen. Auch Luan Krasniqi und Firat Arslan haben sich deshalb von den Hamburgern gelöst und gehen seither eigene (Vermarktungs-)Wege.

So richtet Firats morgigen Fight der relativ neue Boxstall Arena in der Halle des Pferdesportparks in Berlin-Karlshorst aus. Medienpartner bei Firats Duell über acht Runden gegen den Tschechen Michal Bilak ist der TV-Sender Eurosport. Immerhin. Arena-Boss Ahmet Öner hat früher selbst geboxt. Ihm eilt ein zweifelhafter Ruf vorraus, doch versucht er nun die Lücke zu füllen, die die frühere Nummer Eins, Klaus-Peter Kohl, hinterlässt.

Arslans Gegner gilt allerdings als Außenseiter: Der 34-Jährige hat eine Bilanz von 19 Siegen, aber auch 15 Niederlagen, während der Löwe Firat 29 Siege, fünf Niederlagen und ein Unentschieden vorzuweisen hat. Und: Die jüngste Niederlage war einzig den 50 oder 60 Grad Hitze im Ring geschuldet. Herelius wurde seinerzeit kurz nach seinem Sieg wegen des k.o. auch bewußtlos, weil sein Körper gleichfalls nicht mehr genug Flüssigkeit hatte.

Wenn also morgen alles klappt, wird der Deutsch-Türke aus Süßen, mit dem ich seit 2005 befreundet bin, Anfang Juli in Stuttgart gegen einen Titelträger oder um einen vakanten Titel boxen. Und zum Jahresende könnte dann ein Kampf in der Göppinger EWS-Arena folgen wie seinerzeit 2005 gegen Carlos Cruzat. Für Boxfans sind das wunderbare Aussichten. Nun wünsche ich Firat für morgen alles Gute und - schalten Sie ein.