leonhard fromm der medienberater

30Dez/110

Künstler räumt mit der Kunst auf

Eine Bekannte aus Berlin hat mir kürzlich von Ursus Wehrli erzählt. Der Schweizer Künstler zerschneidet bspw. Drucke berühmter Künstler wie Kadinsky oder Dix und sortiert diese Bilder dann nach Farben. Durch diese Verfremdung zeigt er, wohin Ordnungssinn führt, wenn er zum Zwang wird. Ein entsprechender Kunstband seiner Arbeiten wurde offenbar zum Bestseller.

Das Beispiel zeigt, wie sich Kunst und Kreativität immer neue Bahnen brechen und Neues schaffen, was uns Menschen zum Denken und Reflektieren anregt. Spontan kam mir beim gemeinsamen Spaziergang durch ein Wohngebiet die Idee, die hier - wild durcheinander - geparkten Autos nach Farben, Marken oder Kennzeichen neu zu sortieren. Oder die Anwohner nach Geschlecht, Alter, Familienstand, Beruf, politischer Gesinnung etc.

Sofort merkte ich (mal wieder), dass alle Betrachtungen eine Frage der Perspektive sind. Dass es aber auch eine Frage der Stringenz ist, neue Gesetzmäßigkeiten (Sortierkriterien) zu schaffen, wie dies bspw. Steve Jobs in der IT-Branche mit Apple gelungen ist. Es ist gut, dass Künstler wie Ursus Wehrli, Unternehmer wie Steve Jobs oder andere Provokateure uns immer wieder neue Blickwinkel zumuten. Die Botschaft: Es geht auch anders.

Das weitet den Horizont, macht staunend, ermöglicht neue Einsichten und erweitert letztlich die Handlungsklaviatur. Ich bin auch in meiner Arbeit bemüht, immer weniger das Handeln anderer zu bewerten, sondern mich eher zu wundern, dass man eben auch anders handeln, reagieren oder empfinden kann als ich es tue. So werde ich einerseits toleranter und flexibler, andererseits lerne ich immer besser, mich so zu artikulieren, dass beim anderen ankommt, was ich ihm vermitteln will.

11Nov/110

PR-Berater als Steuermann

Selbstvertrauen und Weitsicht: Mit Wonne steuert Leonhard Fromm die "Ambulant" auf der Nordsee. FOTO: Weinreich

Selbstvertrauen und Weitsicht: Mit Wonne steuert Leonhard Fromm die "Ambulant" auf der Nordsee zwischen den grünen und roten Bojen durch. FOTO: Weinreich

Vorige Woche hatte ich das Vergnügen, bei bis zu 18 Grad und strahlendem Sonnenschein, mit der "Ambulant" durch die Nordsee zu segeln. Der 1904 gebaute Zweimaster ist ein Lastensegler, der in der 70er-Jahren umgebaut wurde, so dass seither bis zu 26 Personen in den zehn Zweier- und Vierer-Kajüten Platz haben. Vor allem Jugendgruppen, Chöre, Lehrer und Sozialarbeiter nutzen das Schiff üblicherweise zur Teamentwicklung.

Denn das Leben auf engstem Raum (2 WCs, 2 Duschen, 1 Speiseraum samt Kochnische) unter teils widrigen Bedingungen (Regen, Nebel, hoher Seegang), das gemeinsame Kraftanstrengungen erfordert (Segel hissen, Anker einholen, Planen spannen), stellt den Einzelnen und die Gruppe vor neue Herausforderungen. Neudeutsch heißt das Ganze Erlebnispädagogik, weil man sich und andere in nicht alltagsüblichen Zusammenhängen erlebt.

Unsere Gruppe bestand zur Hälfte aus meiner Verwandtschaft, zur Hälfte aus Freunden meiner Geschwister. Das Alterspektrum reichte von 12 bis 71 Jahren. Initiiert hatte die Fahrt meine Schwester, die als Lehrerin diese Erfahrung 2010 mit 20 Kolleginnen auf demselben Schiff geteilt hatte und davon begeistert war. Interessant war, dass auch hier die Charakteren deutlich sichtbar wurden.

Die Alphamänner drängelten sich regelrecht bei allen Kraftarbeiten und hatten auch in der Kombüse stets lockere Sprüche auf den Lippen (während oft die anderen arbeiteten). Die Ruhigeren beobachteten die Szenerie eher und die Ängstlichen waren schon stolz, sich zu dem Tripp überhaupt angemeldet zu haben. Ich selbst genoß es, mich eher zurückzuhalten und mich in der kuscheligen Kajüte bei manchem Mittagschlaf auch bestens zu erholen.

Fasziniert war ich allerdings vom Steuern des Seglers. Und am vierten Tag bat ich den Kaptain, mich an das Ruder zu lassen. Sofort spürte ich die Verantwortung für das gesamte Schiff und bemerkte, dass man von hier hinten einen guten Überblick über sämtliche Aktivitäten an Deck hat. Und während die meisten Arbeiten an Bord Teamaufgaben sind, kann das Steuern immer nur einer übernehmen. Eine Funktion, die mich immer reizt.

Und der Eine braucht eine ruhige Hand, um nicht in Hektik zu verfallen. Denn der behäbige Zweimaster reagiert nur recht zeitverzögert, so dass es Geduld und Weitsicht braucht, das Schiff zu manövrieren. Schon nach kurzer Zeit machte sich mein Perfektionismus einen Spaß daraus, jeweils möglichst dicht an den grünen Bojen zu unserer Rechten vorbeizufahren, was Kaptain Jauke allerdings etwas nervös machte.

5Okt/110

Von Benediktinern Wirtschaften lernen

Mit großem Gewinn habe ich kürzlich Anselm Grüns Aufsatz "Das Kloster und seine Finanzen" in der Benediktiner-Zeitschrift "Erbe und Auftrag" gelesen. Deren Quartalsheft 03/2010 hatte das Thema KlosterWirtschaft. Was der Betriebswirt und Mönchspriester Grün hier über die spirituellen Aspekte der Ökonomie schreibt, trifft auch meine Motive, warum ich arbeite und meinen Kunden diene.

Der 66-Jährige nennt vier Gründe, weshalb der Mönch arbeitet: Durch den eigenen Verdienst macht er sich unabhängig. In dem er die Mühe der Arbeit erlebt, teilt er die Wahrnehmung der Menschen in seinem Umfeld. Weil ihn die Arbeit drittens fordert, kreist er nicht nur um sich selbst und schließlich dient er den Menschen durch sein tätiges Handeln.

In einem zweiten Gedankengang führt Grün aus, dass es beim Wirtschaften um die rechte Balance geht: Klöster, die zu reich waren, verarmten meist spirituell. Und die Geschichte des Ordens lehrt auch, dass Klöstern, die zu arm waren, die spirituellen Wurzeln fehlten. Der Umgang mit dem Haben schärfe den Charakter, so der Autor, weil der Mönch lernt, spielerisch mit den Dingen und der eigenen Leistung umzugehen. Denn wenn er wertend vergleicht, spaltet er bereits die Gemeinschaft.

So sieht der prominente Benediktiner, ein Kurskollege meines Freundes Albert Schmid, Abtpräses der Erzabtei St. Martin in Beuron und Schriftleiter von "Erbe und Auftrag", in der Arbeit "das entscheidende Feld, auf dem das Miteinander eingeübt werden kann. Da geht es um eine gute und klare Kommunikation, um Transparenz, um die Bereitschaft, im Team zu arbeiten, miteinander und nicht gegeneinander zu arbeiten." Echte Gemeinschaft verlange immer auch Gütergemeinschaft.

Schmunzeln musste ich über Grüns Fazit: "An der Art und Weise, wie wir arbeiten und wirtschaften, soll Gottes Herrlichkeit sichtbar werden. Wer verbissen arbeitet, der verbreitet Aggressivität und Härte." So, deshalb mache ich jetzt eine Pause, und hole meine Tochter vom Reiten ab. Das Plaudern mit der Zwölfjährigen bringt mich regelmäßig auf andere Gedanken - und relativiert meinen Stress, den ich mir mache, damit meine Kunden mich mögen und Redakteure meine Themen aufgreifen.

1Okt/110

PUR-Keyboarder gastiert mit Backblech

Gemeinsame Mittagspause beim Gestaltpädagogikkurs in Untermarchtal: PUR-Keyboarder und -Sänger Cherry Gehring (l.) und PR-Berater Leonhard Fromm. FOTO: Ein PASSANT

Gemeinsame Mittagspause beim Gestaltpädagogikkurs in Untermarchtal: PUR-Keyboarder und -Sänger Cherry Gehring (l.) und PR-Berater Leonhard Fromm. FOTO: Ein PASSANT

Mit PUR-Keyboarder Cherry Gehring macht ein weiterer Freiberufler mit mir die gestaltpädagogische Ausbildung, über die ich bereits mehrfach in meinem Blog geschrieben habe. Was ich bis dahin nicht wußte, bei den Bietigheimern Bandmitglied zu sein, ist kein Fulltime-Job. Denn wenn keine neue CD eingespielt wird und die Band nicht auf Tournee ist, haben auch die Musiker frei, sofern sie nicht wie Hartmut Engler neue Songs komponieren oder die Band als Unternehmen managen.

So wundert es nicht, dass Cherry, der mit bürgerlichem Namen Frank heißt und im Remstal wohnt, noch diverse andere Projekte macht, von denen sein Comedy-Ensemble Backblech vermutlich das bekannteste ist. Das Trio, das vor allem die Beziehungen von Mann und Frau thematisiert und in dem Cherry selbstverständlich auch als Sänger brilliert, gastiert am Freitag, 21. Oktober, im Scala in Ludwigsburg.

Für den Abend habe ich bereits zehn Karten für mich und Freunde gebucht. Auch einige Kolleginnen aus unserem Gestaltpädagogikkurs wollen kommen. Doch keine Sorge: Der Saal fasst 400 Zuschauer. Wenn Sie also auch Cherry mal als hintergründigen und tiefsinnigen Wortakrobaten erleben (oder mich treffen) wollen, dann kommen sie einfach auch. Im Scala gilt freie Platzwahl. Wir können uns also zum Fan-Block formieren. Denn ich habe diesen liebenswerten Sänger mit dem markanten Kontertenor längst in mein Herz (!!!) gelassen.

26Sep/110

Die Verwandlung – Kinofilm zum Lernen

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Mit Ein Sommersandtraum habe ich am Samstag im Kino den skurilsten Film seit langem gesehen: Benno, ein zwanghafter, narzistischer Angestellter, bescheißt seine Kollegen und ist besonders ekelhaft zu seiner Nachbarin Sandra, die abends für einen musikalischen Auftritt probt. Was ihm zu Beginn gar nicht auffällt: Er verliert immer mehr Sand. Je mehr er lügt, desto stärker rieselt der Sand aus ihm heraus.

Mehr noch: Benno verliert an Gewicht, weil er sich mit seiner boshaften, egozentrischen Art immer mehr in Sand auflöst. Am intensivsten passiert es nachts, wenn er erotisch von Sandra träumt, die er tags über als hässlich und "völlig talentfrei" beschimpft. Allmählich dämmert dem perfektionistischen Pedanten, dass seine Selbstauflösung mit Sandra zu tun hat, die sich durch Dünen von Sand zu ihm in seine Wohnung vorkämpft, wo er im Sand fast erstickt.

Geradezu dramatisch aber erlebt der Zuschauer mit, wie Benno in seinen alten Mustern verhaftet bleibt. So wendet sich auch Sandra von ihm ab. Kurz bevor er vom Sand überschüttet ist, seine Beine sind bereits zu Sand geworden, robbt Benno mit letzter Kraft vor Sandras Tür, wo er sich zärtlich flüsternd vollends in ein Sandhäufchen auflöst. Zu spät hat er erkannt, dass nur die Liebe, die hinter die Fassade eines Menschen blicken lässt, das Dasein lebenswert macht.

Bei aller Skurilität und Absurdität ist der Film des Schweizer Regisseurs Peter Luisi gleichermaßen romantisch und lustig. Er erinnert mich im wahrsten Sinn des Wortes an meine gestaltpädagogische Ausbildung, weil hier ein Kotzbrocken die Gestalt von Sand annimmt, da er nicht rechtzeitig sein Wesen ändert. Ein Sommersandtraum ist wunderbar durchgeknallt, erinnert mich von der Handlung her an Franz Kafkas "Verwandlung" und von der Dramaturgie her an Alfred Hitchcocks "Die Vögel."

23Sep/116

Mir ist der Papst willkommen

Eigentlich wollte ich mir das Papstthema verkneifen. Aber nachdem mir nun schon mein evangelischer Freund Christian Pietig aus München den Link zu einem taz-Kommentar geschickt hat mit dem Hinweis "das wird Dir gefallen", greife ich die Kontroverse auf. Kurz: Ich freue mich, dass der Heilige Vater unser kapitalistisches Land besucht. Und: Ich glaube, angesichts der steigenden Rate psychisch Kranker (Ralf Rangnick hat nun auch Burn-out) in unserem so reichen Luxus-Land brauchen wir Erlösung. Denn wie sagt schon Margot Käßmann: "Wir fallen nicht tiefer als in Gottes Hand".

Doch statt solche spirituellen Mysterien zu begreifen, bedienen wir unsere journalistischen Reflexe. Und die gesamte TV-Talker-Fraktion quatscht seit Sonntag über nichts anderes als Homosexuelle, Kondome, sexuellen Missbrauch, (Zwangs-)Zölibat und staatliche Kosten für den Papst-Besuch. Und damit die hysterische Rechnung (Quote) aufgeht, lässt man kirchliche Würdenträger mit Römerkragen in der illustren Runde mit ehemaligen Mißbrauchsopfern, Atheisten und Homosexuellen diskutieren.

Mir fallen dazu zwei Dinge ein und das erste deckt sich mit dem taz-Kolumnisten: Klar ist Kirche all das Schlimme (und Hexenverbrennung und Kreuzzüge auch!!!), aber gerade dieser Papst und sein Vorgänger sind auch Mahner für die Bewahrung der Schöpfung (neudeutsch: Umweltschutz), Erhalt des Weltfriedens (z.B. gegen Rassismus, Ausbeutung der "Dritten Welt"), für faires Wirtschaften (Bildung statt Kinderarbeit, gerechte Löhne, keine - sexuelle - Ausbeutung der Frau etc.) und Autonomie des Menschen (weil er Ebenbild Gottes ist).

Zum zweiten: Wenn wir immer in unseren alten Klischees und vertrauten Mustern (z.B. von der bösen Kirche) bleiben, weitet sich nicht unser Horizont. Der Papstbesuch gibt uns die Chance, darauf zu schauen, was die Kirche auch ist oder sein kann: Ein Ort des Ergriffenwerdens von einer höheren Macht, die uns zumindest für Stunden zu Brüdern und Schwestern macht. Ähnliche Erfahrungen kann man bei (guten) Rockkonzerten machen, doch mangels Transzendenz hält deren Wirkung nicht an. Der Anspruch der Geschwisterlichkeit aber bleibt selbst im Streit (das ist dann Gottesferne).

Subsumieren möchte ich unter diesen Punkt die persönliche Entwicklung. Klar musste ich mich emanzipieren von den katholischen Repressalien meines Elternhauses (und hätte darüber auch psychisch kank werden können). Diese Kirche hat mir als Ministrant, in der Jugendarbeit, im Theologiestudium, bei internationalen Begegnungen, in der Kirchengemeinde und letztlich wohl auch in den Sakramenten viele Entwicklungsspielräume und Entfaltungsmöglichkeiten geboten, die ich genutzt und mittlerweile auch als Unternehmer kultiviert habe.

Mir ist der alte Mann willkommen. Ich lasse seine Botschaften in mein Herz. Ich glaube, dass er Gottes Stellvertreter auf Erden ist und vermute, dass das eine sehr schwierige Aufgabe ist. Und ich halte es mit Jesus, der gesagt hat, dass nicht jede Saat aufgehen wird und mit Papst Johannes XXIII, der gesagt hat "Giovanni, nimm' Dich nicht so wichtig!"

9Sep/1110

Ton sagt mehr als tausend Worte

Blind getöpfert, weil unser Körper mehr weiß als der Kopf: Im Plenum arbeitet unser Trainer und Gestalttherapeut Robert Michor mit jedem einzelnen von uns.

Blind getöpfert, weil unser Körper mehr weiß als der Kopf: Im Plenum arbeitet unser Trainer und Gestalttherapeut Robert Michor mit jedem einzelnen von uns und dessen Skulptur.

Haben Sie schon mal getöpfert? Blind? Während der fünften Kurseinheit meiner zweijährigen Ausbildung in Gestaltpädagogik habe ich genau dies am Montag getan. Mit einer Binde über den Augen, am Boden knieend zusammen mit den 31 anderen Teilnehmern meines Kurses, komme ich mir zunächst vor wie ein Guantanamo-Gefangener. Doch der Kopf mit seinem ewigen Hirnen und seinem "Wissen" ist nach wenigen Minuten abgeschaltet.

Als meine Hände mit dem feucht-kühlen Lehmklotz in Kontakt kommen, bleibt ein letztes Gefühl von "in Kunst war ich schon immer schlecht" und "das wird doch eh nix Vernünftiges". Und während ich den Ton knete und meine Handwärme ihn geschmeidig macht, beginne ich intuitiv zu formen. Meine Hände werden eins mit dem Ton, meine "Arbeit" kommt in Fluss. Ich fühle mich gut. Sehr gut.

Für weitere Details ist mir dieses Forum zu intim. Fakt ist, dass ich am Ende eine Skulptur geschaffen habe, die meine Kollegen tags darauf in der Gruppenarbeit an "Aufbruch" und "Häutung" erinnert. Und tätsächlich wird mir in diesen vier sehr intensiven Tagen mittels Tonen, Tanzen, Singen, Berühren und Hören (eben nicht nur Kopf und Ratio) bewusst, dass ich meinen Krieger (Durchsetzen) und meinen König (Regeln halten) häufiger ausruhen lassen kann und dafür den Liebenden (Mitfühlen, beim andern sein) und den Magier (Experimentieren) in mir stärker kultiviere.

So werde ich in der Begegnung mit Menschen und Sachverhalten flexibler und letztlich "effizienter". Am letzten Kursabend probiere ich es aus: Vier Bilder liegen im Saal aus. Es geht um Fritz Riemans "Grundformen der Angst". Spontan sollen wir uns zuordnen. In den vergangenen 20, 30 Jahren bin ich in solchen Situationen zu dem Bild, das mir am meisten sagt. Und war sogar stolz, dies so genau und rasch zu wissen.

An diesem Abend gehe ich zögerlich zu dem Bild, das mir am wenigsten sagt. Ich fühle mich gut, erstmals mein Muster durchbrochen zu haben. Von den Frauen, die mit mir bei diesem Bild stehen, das den meisten vertraut ist, erfahre ich interessante Aspekte. Und: Ich sehe plötzlich auch in diesem Motiv, das mich an einen wehrlosen Embryo erinnert, Züge von mir selbst: Er will sich entwickeln. Und wenn ich genau hinschaue, sehe ich ihn lachen. Humor ist auch mir vertraut und wichtig.

Beglückt und um viele Erfahrungen und Erkenntnisse reicher, bin ich gestern an meinen Schreibtisch zurückgekehrt. Nun gilt es, das Neue in meinen Alltag zu integrieren, wach zu halten und immer wieder mal auszuprobieren. Mein Team jedenfalls ist ganz neugierig, was geht, was ich erzähle und wie ich mich verändere. Vom 3. bis 7. Januar geht es weiter. Dann heißt das Thema "Trommeln und Masken."

31Aug/110

Freude am Erfolg unserer Kunden

Handwerksbäckerei Mack: Klare Anweisung und sympathische Firmenkultur.

Handwerksbäckerei Mack: Klare Anweisung und sympathische Firmenkultur.

Beim Rundgang durch die Produktion meines Westhausener Kunden Mack fiel mir der riesige Kistenstapel mit dem handgeschriebenen Zettel (Foto) auf. Der Grund: Die erste Botschaft "Finger weg" weist darauf hin, dass hier in der Produktion samt Versand, wo rund 120 Menschen arbeiten, ein rauer Umgangston herrscht. Hier wird verbal nicht lange herumgeeiert, sondern in klaren Worten gesprochen. Es geht aber weiter. Die zweite Botschaft lautet "abgezehlt". Der Mitarbeiter also, der auf den ersten Blick seine Kollegen so anherrscht (und dessen Kernkompetenz nicht in deutscher Rechtschreibung liegt), begründet seinen Imperativ auch, so dass andere in der riesigen Halle sich nicht seiner Willkür ausgesetzt fühlen. Denn tatsächlich befinden sich in den Plastikboxen Backwaren in unterschiedlicher Zahl, abhängig vom Bestimmungsort, der auch auf jeder Kiste prangt.

In der dritten Zeile aber kommt, was vermutlich den eigentlichen Erfolg der Bäckerei Mack (630 Jobs, 42 Filialen, 25 Mio. Euro Umsatz) ausmacht: "Danke". Der Autor dieser Zeilen, der offenbar im Unternehmen auf unterer Ebene Verantwortung trägt, kostet nicht seinen Status aus, sondern bedankt sich bei seinen Kollegen, dass sie seinem Anliegen folgen. Vermutlich gefällt mir das Beispiel so gut, weil ich selbst so ticke: Klare Ansage - Begründung (beides Sachebene) - Wertschätzung (Beziehungsebene). Mit diesem Dreischritt (ein anderer lautet Sehen - Urteilen - Handeln) ist Erfolg geradezu vorprogrammiert.

A propos Erfolg: Unsere Kooperation mit Wettermoderator Jörg Kachelmann, die wir für unseren Photovoltaik-Großhändler Aton-Solar so dezent begonnen haben, um uns bis November zu steigern, ist auch schon von positiver Internetresonanz gekrönt. Nachzulesen auf der Online-Plattform Photovoltaik-Guide. Na da kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen.

29Aug/110

Wie schön könnte Zusammenleben sein

Derzeit habe ich etliche Ideen, worüber ich im Blog schreiben könnte. Das meiste hat beruflichen Kontext. Zum Beispiel auch das heutige Kachelmannwetter mit Aton-Solar-Bezug aus einem Passbild-Selbstbedienungsautomaten heraus finde ich sehr kultig. Und dennoch möchte ich dieses Video in den Mittelpunkt stellen, das schon mehr als 1,7 Millionen User angeklickt haben:

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Das dreiminütige Filmchen bestätigt mein Weltbild, dass nämlich eigentlich - egal welche Religion, Rasse oder Kultur - die Menschen überall friedliche, neugierige und witzige Wesen sind, die sich und anderen nur das Beste wünschen. Gerade, wenn man weiß, wieviel Unheil die amerikanische Außen- und Kriegspolitik über die Welt bringt (und zu deren Verschuldungskrise beiträgt), tut es gut, US-Amerikaner auch in diesem sympathischen Zusammenhang zu sehen.

Übrigens: Afghanen, Iraker oder Libyer würden sich sicher in derselben Situation ähnlich verhalten: Friedlich, neugierig und witzig. In diesem Sinne: Gute Unterhaltung und seien sie vorsichtig, wenn Menschen Ihnen gegenüber pauschal von der Islam, die Amerikaner oder das Christentum reden. Es gibt immer alles - und das meiste ist gut.

20Jul/110

Meine Mutter ist, wo die Musik spielt

Habe viel von meiner Mutter: Elisabeth Fromm hat gestern ihren 90. Geburtstag gefeiert.

Habe viel von meiner Mutter: Elisabeth Fromm hat gestern ihren 90. Geburtstag gefeiert.

Meine Mutter hat gestern ihren 90. Geburtstag gefeiert. Sehr gefreut habe ich mich, dass die Neckarsulmerin auch ihrer Heimatzeitung Heilbronner Stimme noch eine lange Meldung mit Foto wert war, die ihre Nachfolgerinnen in diversen Ehrenämtern dankenswerter Weise veranlasst hatten. Unsere Mutter war in ihrer aktiven Zeit oft in der Presse. Sie konnte mit Redakteuren und hatte etwas zu sagen.

Vor Ort kaufte ich mir gestern die Zeitung, um die Laudatio zu lesen und sie meinen Kindern mitzubringen. Mit der Heilbronner Stimme war ich schon als Kind groß geworden. Im Internat in Bad Mergentheim verband sie mich mit zu Hause. Beim gestrigen Lesen der Würdigung unserer Mutter wurde mir nochmals deutlich, wie vielfältig diese einfache Hausfrau über Jahrzehnte in Kirche, Verband und Gesellschaft engagiert war.

Ein Teil der Wahrheit ist, dass ich als jüngstes von fünf Geschwistern in den 70er-Jahren zu kurz kam, weil ja meine Mutter ständig außer Haus war, um anderenorts Menschen zu dienen oder sie zu begeistern. Deutlich ist mir aber auch, dass wenn ich heute unternehmerisch Erfolg habe, es mit den Menschen kann, wahrhaftig bin und Klartext rede, dann sind das viele Gaben, die ich von meiner Mutter (und dem lieben Gott) empfangen habe.

In diesem Sinne widme ich meinen heutigen Blogeintrag meiner Mutter, mit der ich es wahrlich nicht immer leicht hatte. Schließlich war sie stets so dominant, wie ich es noch heute bin. Gestern im Altenheim mit all den Mitbewohnerinnen meiner Mutter eine Stunde lang Volkslieder zu singen (meine Schwester Maja spielte Gitarre), hat mich tief bewegt. Und auf der Heimfahrt dachte ich mir, unsere Mutter ist bis zum Schluß dort, wo die Musik spielt.