leonhard fromm der medienberater

23Nov/110

Kraft der Worte: Filmbeleg Anonymus

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Sehr beeindruckt hat mich der jüngste Film von Erfolgsregisseur Roland Emmerich, der seit 13. Oktober im Kino läuft. Dass "Anonymus" im Mutterland der Dichter und Denker allerdings nur in ausgewählten Häusern zu sehen ist und auch dort meist nur in kleinen Sälen vor wenigen Besuchern, stimmt mich nachdenklich. Denn die Spekulation darüber, dass William Shakespeare um 1600 gar nicht existierte, ist gleichermaßen keck wie faszinierend.

Acht Jahre hat Emmerich an dem Film gearbeitet, in dem er die Geschichte des vermutlich wahren Autors der 37 Bühnenstücke wie "Hamlet" oder "Romeo und Julia" erzählt. Demnach handelte es sich um einen Adeligen, der sogar eine Affäre mit der Königin hatte (Filmfoto), der sich nach Wahrhaftigkeit und Ästhetik sehnte statt nach Macht und Erfolg. In der Tarnung von Komödien handeln seine Stücke von Hofintrigen, Inzucht und Ausbeutung des Volkes.

Entsprechend muss sich der Adelige im Hintergrund halten und seine Stücke einfachen Komödianten zuspielen, die diese dann auf den Bretterbühnen des ungebildeten Volkes aufführen. Dort dienen diese zur politischen Bildung und öffnen den Analphabeten die Augen für die wahren Zusammenhänge. Vor allem der Satz "Worte werden die Welt mehr verändern als Kanonen", bringen die Geisteshaltung des wahren Autors auf den Punkt.

Seine Überzeugung teile ich und bin deshalb stolz, Journalist geworden zu sein, der seinen Unterhalt gleichermaßen mit der Kraft der wahrhaftigen Worte verdient. Und wie Anonymus erlebe ich all die Eitelkeiten, den Neid und die Intrigen, also die vielen kleinen Geschichten, die sich unterhalb der großen Geschichten abspielen, weil mancher Akteur nur seine eigene kleine und oft armselige Geschichte sieht. Meine Zuversicht aber: Gott sieht alles, auch die wahren Autoren.

17Nov/110

Buchtipp: “Die letzte Flucht”

Der Stuttgarter Autor Wolfgang Schorlau, mit dessen Bruder Detlev ich gelegentlich Skat spiele, hat mit "Die letzte Flucht" einen sehr brisanten Krimi herausgebracht, der schonungslos die mafiösen Praktiken der Pharmabranche offenlegt. Faktenreich recherchiert und teils mit echten Firmennamen belegt, zeugt der sechste Krimi Schorlaus gleichermaßen von Mut und Akribie. Denn angesichts der Vorwürfe dürften die Betroffenen prozessieren, sofern sie auch nur ansatzweise eine Chance auf Erfolg sehen.

Im Kern thematisiert der jüngere Schorlau hier, was nicht zuletzt Spiegel-Redakteur Markus Grill in seinem Buch "Kranke Geschäfte - wie die Pharmaindustrie uns manipuluiert" bereits publiziert hat. Der Vorwurf: Die Hälfte der deutschen Ärzte lässt sich letztlich von den Pharmaherstellern bestechen und bonifizieren, damit sie deren Medikamente verschreiben. Das können demnach 5000 Euro und mehr im Monat sein.

Auch die Rolle des Marketings wird kritisch beleuchtet. So werden Versprechen kreiert, ein neues Medikamente verlängere das Leben von Krebspatienten um mehr als ein Jahr. Verschwiegen wird, dass bereits Vorgängerpräparate das Leben um rund zehn Monate verlängert haben - und dass die gewonnene Mehrzeit auf Grund schlimmster Nebenwirkungen für die Patienten qualvoll sei.

Im Kern, so die These des Buchs, geht es darum, den Pharmakonzernen Renditen von 30 bis 40 Prozent zu ermöglichen (zum Vergleich: Im Lebensmitteleinzelhandel liegt die Rendite teils unter einem Prozent). Schorlau transportiert die Fakten, in dem er einen Konzernboss entführen lässt, der seinem Entführer die ganze Wahrheit über seine Branche erzählt, um zu überleben. Mehr möchte ich zu dem Buch, dessen Nebenstrang sich im Lokalkollorit noch mit Stuttgart 21 befasst, nicht verraten.

Erlaubt sei mir die Anmerkung, dass der zitierte Spiegel-Redakteur Markus Grill Praktikant bei der SchwäPo in Aalen war als ich dort volontierte. Und: Grill und Schorlau für mich gute Beispiele sind, wie Journalisten Wahrheiten ans Licht bringen können statt sich mit seichtem Gelabere durch den Tag zu wursteln. Mit Jürgen Todenhöfers Afghanistan-Recherchen hatte ich im Sommer ein weiteres positives Beispiel in meinem Blog benannt.

11Nov/110

PR-Berater als Steuermann

Selbstvertrauen und Weitsicht: Mit Wonne steuert Leonhard Fromm die "Ambulant" auf der Nordsee. FOTO: Weinreich

Selbstvertrauen und Weitsicht: Mit Wonne steuert Leonhard Fromm die "Ambulant" auf der Nordsee zwischen den grünen und roten Bojen durch. FOTO: Weinreich

Vorige Woche hatte ich das Vergnügen, bei bis zu 18 Grad und strahlendem Sonnenschein, mit der "Ambulant" durch die Nordsee zu segeln. Der 1904 gebaute Zweimaster ist ein Lastensegler, der in der 70er-Jahren umgebaut wurde, so dass seither bis zu 26 Personen in den zehn Zweier- und Vierer-Kajüten Platz haben. Vor allem Jugendgruppen, Chöre, Lehrer und Sozialarbeiter nutzen das Schiff üblicherweise zur Teamentwicklung.

Denn das Leben auf engstem Raum (2 WCs, 2 Duschen, 1 Speiseraum samt Kochnische) unter teils widrigen Bedingungen (Regen, Nebel, hoher Seegang), das gemeinsame Kraftanstrengungen erfordert (Segel hissen, Anker einholen, Planen spannen), stellt den Einzelnen und die Gruppe vor neue Herausforderungen. Neudeutsch heißt das Ganze Erlebnispädagogik, weil man sich und andere in nicht alltagsüblichen Zusammenhängen erlebt.

Unsere Gruppe bestand zur Hälfte aus meiner Verwandtschaft, zur Hälfte aus Freunden meiner Geschwister. Das Alterspektrum reichte von 12 bis 71 Jahren. Initiiert hatte die Fahrt meine Schwester, die als Lehrerin diese Erfahrung 2010 mit 20 Kolleginnen auf demselben Schiff geteilt hatte und davon begeistert war. Interessant war, dass auch hier die Charakteren deutlich sichtbar wurden.

Die Alphamänner drängelten sich regelrecht bei allen Kraftarbeiten und hatten auch in der Kombüse stets lockere Sprüche auf den Lippen (während oft die anderen arbeiteten). Die Ruhigeren beobachteten die Szenerie eher und die Ängstlichen waren schon stolz, sich zu dem Tripp überhaupt angemeldet zu haben. Ich selbst genoß es, mich eher zurückzuhalten und mich in der kuscheligen Kajüte bei manchem Mittagschlaf auch bestens zu erholen.

Fasziniert war ich allerdings vom Steuern des Seglers. Und am vierten Tag bat ich den Kaptain, mich an das Ruder zu lassen. Sofort spürte ich die Verantwortung für das gesamte Schiff und bemerkte, dass man von hier hinten einen guten Überblick über sämtliche Aktivitäten an Deck hat. Und während die meisten Arbeiten an Bord Teamaufgaben sind, kann das Steuern immer nur einer übernehmen. Eine Funktion, die mich immer reizt.

Und der Eine braucht eine ruhige Hand, um nicht in Hektik zu verfallen. Denn der behäbige Zweimaster reagiert nur recht zeitverzögert, so dass es Geduld und Weitsicht braucht, das Schiff zu manövrieren. Schon nach kurzer Zeit machte sich mein Perfektionismus einen Spaß daraus, jeweils möglichst dicht an den grünen Bojen zu unserer Rechten vorbeizufahren, was Kaptain Jauke allerdings etwas nervös machte.

7Nov/110

Das Ende des Kapitalismus naht

Aus einer real ökonomischen Weltwirtschaft von 60 Billionen Dollar und einem täglichen Börsenumsatz von zwei Billionen Dollar hat sich eine Finanzindustrie herausentwickelt - wie ein Krebsgeschwulst, sage ich - von 200 bis 400 Billionen Dollar. Die Zahlen hat Heiner Geißler kürzlich in einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten genannt. Demnach besitzen die 300 reichsten Menschen der Welt auch ebensoviel wie die drei Milliarden ärmsten, nämlich zusammen je eine Billion Dollar.

Aus diesen Missverhältnissen speist sich der Unmut, der derzeit - erfreulicherweise weltweit - in der "Occupy Wall Street"-Bewegung zum Ausdruck kommt. Nach dem konservativen Philosophen Niklas Luhmann hat nämlich nicht der Kapitalismus den Kommunismus besiegt - er hat lediglich länger überlebt. Den Beginn seiner Überwindung, so Geißler, erleben wir derzeit.

Und der 81-jährge Querdenker, der den Euro in keinster Weise gefährdet sieht, führt aus, dass die aktuelle europäische Finanzkrise dazu führen wird, dass die Euro-Länder ihren Konstruktionsfehler beheben, der darin bestand, dass eine gemeinsame Währung ohne gemeinsame Spielregeln, also eine einheitliche oder zentrale Regierung, ins Leben gerufen wurde. Dies werde nun unter dem Leidensdruck der Rettungsschirme und Bürgschaften nachgeholt.

Und ein Zweites führt der frühere Jesuitenschüler aus: Um als Weltgemeinschaft zu überleben, legten die politisch Verantwortlichen dem Kapitaismus als Lehre aus der aktuellen Krise Fesseln an, um ihn zu bändigen. Dies folge dem Prinzip der sozialen Marktwirtschaft, die Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg das Wirtschaftswunder ermöglicht habe. Habe sich Europa erst politisch auf seine Regierung und Standards geeinigt, könne es sich um diese soziale Marktwirtschaft und damit den Weltfrieden kümmern.

Ich halte Geißlers Position für plausibel und will alles in meiner Kraft stehende tun, dazu meinen Beitrag zu leisten. Mögen andere darüber lachen oder noch kurz versuchen, ein letztes Mal ihrem persönlichen Vorteil nachzugeben. Mein Vorbild war schon immer die Ökonomie der Benediktiner, die nachhaltig wirtschaften. Dazu hatte ich vor wenigen Wochen hier schon einmal geschrieben.

26Okt/110

Polizeiführer Manske und die Demo-Kultur

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Das Video von der Demonstration in Berlin gegen die anonyme Börsenwelt und den globalen Kapitalismus, die vor Wochen unter "Occupy Wall Street" in New York ihren Anfang nahm, möchte ich meinen Lesern unbedingt zeigen. Denn hier zeigt sich das sympathische und menschliche Anlitz unserer Gesellschaft. Die Occupy-Bewegung, die sich quer durch die internationale, bürgerliche Gesellschaft zieht, hat nämlich auch eine eigene, sehr demokratische Kommunikationskultur hervorgebracht.

Auch viele Unternehmer, die ich persönlich kenne, sind sehr verärgert darüber, dass die Finanzwelt längst nicht mehr die reale Ökonomie abbildet. Selbst Investmentbanker, die Teil dieses Börsensystems von Derivaten, Optionsscheinen und Private Equity sind, mischen sich in ihrer Mittagspause unter die Demonstranten. Für diese Protestkultur würde ich mir gerne Zeit nehmen und einmal wöchentlich nach Stuttgart fahren.

Auch Polizeiführer Manske, so legt das Video nahe, hegt Sympathie für die Protestler. Kein Wunder, ist doch auch er Teil der Gesellschaft und des  Finanzsystems. Wie auch ich. Schließlich ist meine monatliche private Altersvorsorge in Form einer Lebensversicherung (Presseversorgungswerk) und einer Sparrate in Aktien- und Rentenfonds Teil der gigantischen Finanzströme, die auf der Suche nach Rendite um den Globus jagen.

Mir persönlich war dabei schon immer Werterhalt wichtiger als Rendite, weil Gier frisst Hirn (und Charakter). Und in erster Linie auch nur deshalb, weil ich im Alter niemandem Kosten verursachen möchte. So gesehen würde ich am liebsten direkt - unter Umgehung des Presseversorgungswerks und der Fonds - in Menschen (und Firmen) investieren, die dann ihrerseits im Alter mich unterstützen.

Ich mag den modernen Kapitalmarkt nicht, den ich ohnehin - trotz Bildung und rascher Auffassungsgabe - kaum mehr verstehe. Mir sind überschaubare Genossenschaften, die etwa in regenerative Energien oder Wohnbausanierung investieren, zehnmal lieber. Gottvertrauen und soziale Netzwerke geben gleichfalls viel wärmer als viel Geld in einem einsamen, von Inflationsängsten geplagten Alter. Occupy also Wall Street - ich bin dabei!

28Sep/110

Eine Frage der Wahrhaftigkeit

Angesichts der Schuldenkrise frage ich mich, welche Erziehung meine Mitbürger, insbesondere Politiker in Deutschland und der EU, genossen haben. Meine Eltern haben mir beigebracht, maximal soviel Geld auszugeben wie ich habe. Eher sollte ich selbst verzichten und aus Solidarität mit Armen etwas spenden. Und im äußersten Fall konnte man sich auch Geld leihen, z.B. für eine Baufinanzierung. Dann war aber klar, dass die Rückzahlung oberste Priorität genießt.

Diese, meine Mentalität trifft nun auf eine internationale Schuldenkrise, in die ich letztlich mit hineingezogen werde. Und kopfschüttelnd stehe ich vor der Verantwortungslosigkeit meiner Mitbürger, letztlich gegenüber unseren Kindern. Weil Bitterkeit über diese asozialen Zustände (in Griechenland stellen jetzt schon die Bürger Bedingungen, unter denen sie evtl. bereit werden Steuern zu zahlen!!!!) die Situation nicht besser macht, erzähle ich hier eine Geschichte, die ich gelesen habe.

In ein griechisches Dorf kommt ein Tourist, um Hotelzimmer für einen anstehenden Urlaub zu inspizieren. Als Kaution für die Zimmerschlüssel hinterlegt er beim Hotelier 100 Euro. Kaum ist der Tourist auf der Etage, begleicht der Hotelier mit den 100 Euro seine Schulden beim Metzger nebenan. Dieser rennt zum Bauern und bezahlt dort seine Schulden. Der Landwirt wiederum bezahlt bei der Genossenschaft die offene Futterrechnung.

Deren Lagerist rennt zur Kneipe und bezahlt seine ausstehende Zeche. Der Wirt wiederum bezahlt, was er einer Prostituierten noch schuldet. Die Hure eilt mit den 100 Euro ins Hotel und begleicht dort ihre Außenstände fürs Zimmer. Als der Tourist eben von der Zimmerbesichtigung kommt und die Schlüssel zurückbringt, händigt der Hotelier ihm die hinterlegte Kaution wieder aus. Und alle scheinen glücklich zu sein.

So ähnlich funktioniert das internationale Banken und Finanzierungssystem. Nur, dass dabei niemand etwas produziert oder leistet. Der Denkfehler in der Geschichte: Jeder hat nicht nur Schulden in die eine Richtung, sondern auch Forderungen in die andere. Somit sind zwar in der Erzählung am Ende alle quitt, aber auch gleichermaßen arm. Der Unterschied zur Realität: Griechenland hat nur diese Schulden, denen aber keine Forderungen gegenüber stehen.

Anders würde die Situation aussehen, wenn das Land bspw. konsequent seine Steuern eintreiben würde, die Menschen bis 65 Jahre (produktiv) arbeiten - oder zumindest nicht schon mit 55 Jahren öffentliche Leistungen beziehen. Statt dessen streiken jetzt aber auch noch die, die bisher gearbeitet haben. Mit 80 Prozent ist die Immobilienbesitzerquote in Griechenland übrigens EU-weit einmalig hoch. Substanz wäre also schon da.

Weil aber niemand konsequent handelt, entstehen Schattenwirtschaften im grenznahen Bulgarien und junge Leistungsträger wie Ärzte oder Ingenieure überlegen zunehmend, ihre Zukunft im Ausland zu suchen. Deutschland gilt auf Grund der Zuwanderungsbewegung aus den 60er/70er Jahren als erste Wahl. Dieses Mal kämen aber keine Bauern, sondern Akademiker. Herzlich willkommen.

23Sep/116

Mir ist der Papst willkommen

Eigentlich wollte ich mir das Papstthema verkneifen. Aber nachdem mir nun schon mein evangelischer Freund Christian Pietig aus München den Link zu einem taz-Kommentar geschickt hat mit dem Hinweis "das wird Dir gefallen", greife ich die Kontroverse auf. Kurz: Ich freue mich, dass der Heilige Vater unser kapitalistisches Land besucht. Und: Ich glaube, angesichts der steigenden Rate psychisch Kranker (Ralf Rangnick hat nun auch Burn-out) in unserem so reichen Luxus-Land brauchen wir Erlösung. Denn wie sagt schon Margot Käßmann: "Wir fallen nicht tiefer als in Gottes Hand".

Doch statt solche spirituellen Mysterien zu begreifen, bedienen wir unsere journalistischen Reflexe. Und die gesamte TV-Talker-Fraktion quatscht seit Sonntag über nichts anderes als Homosexuelle, Kondome, sexuellen Missbrauch, (Zwangs-)Zölibat und staatliche Kosten für den Papst-Besuch. Und damit die hysterische Rechnung (Quote) aufgeht, lässt man kirchliche Würdenträger mit Römerkragen in der illustren Runde mit ehemaligen Mißbrauchsopfern, Atheisten und Homosexuellen diskutieren.

Mir fallen dazu zwei Dinge ein und das erste deckt sich mit dem taz-Kolumnisten: Klar ist Kirche all das Schlimme (und Hexenverbrennung und Kreuzzüge auch!!!), aber gerade dieser Papst und sein Vorgänger sind auch Mahner für die Bewahrung der Schöpfung (neudeutsch: Umweltschutz), Erhalt des Weltfriedens (z.B. gegen Rassismus, Ausbeutung der "Dritten Welt"), für faires Wirtschaften (Bildung statt Kinderarbeit, gerechte Löhne, keine - sexuelle - Ausbeutung der Frau etc.) und Autonomie des Menschen (weil er Ebenbild Gottes ist).

Zum zweiten: Wenn wir immer in unseren alten Klischees und vertrauten Mustern (z.B. von der bösen Kirche) bleiben, weitet sich nicht unser Horizont. Der Papstbesuch gibt uns die Chance, darauf zu schauen, was die Kirche auch ist oder sein kann: Ein Ort des Ergriffenwerdens von einer höheren Macht, die uns zumindest für Stunden zu Brüdern und Schwestern macht. Ähnliche Erfahrungen kann man bei (guten) Rockkonzerten machen, doch mangels Transzendenz hält deren Wirkung nicht an. Der Anspruch der Geschwisterlichkeit aber bleibt selbst im Streit (das ist dann Gottesferne).

Subsumieren möchte ich unter diesen Punkt die persönliche Entwicklung. Klar musste ich mich emanzipieren von den katholischen Repressalien meines Elternhauses (und hätte darüber auch psychisch kank werden können). Diese Kirche hat mir als Ministrant, in der Jugendarbeit, im Theologiestudium, bei internationalen Begegnungen, in der Kirchengemeinde und letztlich wohl auch in den Sakramenten viele Entwicklungsspielräume und Entfaltungsmöglichkeiten geboten, die ich genutzt und mittlerweile auch als Unternehmer kultiviert habe.

Mir ist der alte Mann willkommen. Ich lasse seine Botschaften in mein Herz. Ich glaube, dass er Gottes Stellvertreter auf Erden ist und vermute, dass das eine sehr schwierige Aufgabe ist. Und ich halte es mit Jesus, der gesagt hat, dass nicht jede Saat aufgehen wird und mit Papst Johannes XXIII, der gesagt hat "Giovanni, nimm' Dich nicht so wichtig!"

22Aug/110

PR-Rat kritisiert mangelnde Transparenz

Die PR-Idee war klasse, doch leider krankte sie in einem wesentlichen Detail: Im Winter 2010 trampt Aktionskünstler Stefan Gbureck durch Europa, lässt sich aber nur von Mercedesfahrern mitnehmen und dokumentiert seine Erlebnisse in einem Blog, auf Youtube und in Facebook. Das ist witzig und originell.

Unter "Tramp-a-Benz" gewinnt die Kampagne deshalb den Goldenen Löwen, eine Auszeichnung, die in der Branche besonders kreative Lösungen würdigt. Stück für Stück werden aber mehr Zusammenhänge der Aktion deutlich, so dass die Jury des Deutschen Rats für Public Relations (DRPR) die Auszeichnung nun wieder aberkannte.

Denn Gbureck, der zunächst jede Unterstützung weit von sich wies, räumte später ein, dass die Hamburger Agentur Jung von Matt während seiner Tour seinen Blog betreute, so dass er nur Texte und Fotos liefern musste. Und Mercedes-Benz war letztlich Geld- und Auftraggeber. Damit, so der DRPR, habe das Trio klar gegen die Regel der "Transparenz und Absenderklarheit der PR-Maßnahme" verstoßen.

Mich stört prinzipiell diese Kooperation nicht, weil ich es nicht für verwerflich halte, dass sich ein Performance-Künstler bezahlen lässt. Wovon sollte er denn sonst leben und seine Altersvorsorge bestreiten, wenn er in Mercedes-Karossen durch halb Europa fährt? Ich hätte mich allerdings nicht um den Preis beworben.

In der Tagliste meines Blogs sind Schlagworte wie Ehrlichkeit, Transparenz und Wahrhaftigkeit die größten. Ich sehe diese Werte als ethischen Selbstanspruch und marketingmäßig als Differenzierungschance. Das beschriebene Beispiel zeigt, dass diese Werte ebenso wichtig sind wie die Kreativität (oder Marktmacht) einer Agentur. Und exzellente Ideen haben wir auch.

17Aug/110

Spendenhöhe und Firmenimage

Es ist schon interessant, wie sich manche Themen häufen: Ein Kunde hatte kürzlich Familientag. Für den guten Zweck kamen rund 250 Euro zusammen, die der Kunde auf 1000 aufrundete und fragte, ob die Spendenübergabe ein Pressethema sei. Da das Unternehmen weit über 20 Millionen Euro Umsatz macht, rieten wir davon ab.

Ein anderer hatte auch Familientag und sammelte spontan 1000 Euro für die aktuell Hungernden in Somalia, die er nun auf 5000 aufstockt. Letzteres ist ein Pressethema, zumal dort täglich Tausende sterben, sodass jede Veröffentlichung (auch im Lokalteil) die Chance bietet, dass andere spontan dem Spendervorbild folgen.

Ähnlich verhält es sich beim Sponsoring: Ein Kunde will einen Preis stiften, einen Wettbewerb ausloben oder "halt irgendwas in der Art machen" (das sind dann typische Impulse, die ich in ein strategisches Konzept gieße, das auch PR-tauglich ist), dafür im ersten Schritt aber nur zwei-, dreitausend Euro ausgeben. Weil der Unternehmer mehr als 500 Leute beschäftigt, warne ich ihn, dass er als geizig wahrgenommen werde, wenn der Betrag öffentlich bekannt wird (und ich bin für Transparenz. Lieber erkläre ich Lesern dann auch noch, dass Umsatz nicht gleich Ertrag ist).

Der Unternehmer pflichtet mir bei und ich empfehle ihm, sich mit Steuerberater oder Ehefrau zu beratschlagen, welchen Betrag er setzen will (und kann), um als Regionalfürst auch in dieser Kategorie durchgängig sein Selbstverständnis zu kommunizieren. Insgeheim hoffe ich, er kommt auf 50.000 Euro. Wenige Tage später ruft er an und fragt: "Sind 100.000 Euro genug?" Ich schlage ihm vor, mit der Hälfte zu beginnen.

Ein anderer Kunde von uns liebäugelt damit, einen Prominenten in den Markenauftritt einzubinden, weiß aber nicht, "was des koschtet". Auch ihm sage ich, dass er letztlich unter 50.000 Euro nichts anfangen braucht, was Hand und Fuß hat. Allein schon, um nicht den potentiellen Werbeträger zu irritieren. Viel spannender sei ja, was man für den Betrag bekommt und wie man den Aufwand für den Prominenten so begrenzt, dass dieser im besten Fall wirklich nur wenige Stunden investieren muss, weil man hinterher mit Bildrechten etc. eigenständig weiterarbeiten kann.

Auch beim Thema Sponsoring/öffentliches Spenden bleibe ich bei meiner These, dass Marketing nicht primär etwas mit Geld zu tun hat in den Kategorien teuer oder billig, sondern sehr viel mit Intelligenz und Kreativität in den Kategorien Wirkung und Effekte. Vor diesem Hintergrund sind übrigens auch unsere Honorare tendenziell Schnäppchen, wenngleich ich in Göppingen als "teuer bis unbezahlbar gelte", wie mir immer wieder zugetragen wird. Ich dementiere dieses (falsche) Image nicht, fragen so doch schon nicht die Falschen bei mir an und die Richtigen macht es neugierig, mich kennenzulernen.

27Jul/110

Kachelmann, der kreative Fighter

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Wie sich Jörg Kachelmann wieder in die Position des Meterologen zurückkämpft, in der der Wetterentertainer seine größten Erfolge feierte, bewundere ich sehr. Mehr noch: Als PR-Berater möchte ich ihn hier als mustergültiges Beispiel für clevere Krisen-PR thematisieren. Scheinbar unberührt von den Klischees, in die die Medien ihn wieder und wieder pressen wollen, macht er deren eigene Spielregeln der Sensationslust und des Auflagendrucks transparent. Die, die ihn vorführen wollen, führt er selbst vor.

Doch was soll ich hier groß über Kachelmanns Wortgewalt, Sprachwitz oder Intellekt fabulieren, mit dem er den meisten Redakteuren ohnehin überlegen ist: Schauen Sie einfach selbst die beiden Videos an. Das erste bei seinem ersten öffentlichen Medienauftritt vor wenigen Wochen, das zweite aktuell, wie er auf Youtube mit einfachsten Mitteln wieder das macht, was er am besten kann: Das Wetter erklären.

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Ganz nebenbei liefert sich Kachelmann derzeit in den Medien, unter anderem im Publikumstitel Stern, einen Streit mit seinem Berufskollegen Dominik Jung (den kannte ich gar nicht bis er sich in den Zusammenhang mit Kachelmann brachte! Merken Sie etwas?). Dieser wollte ihm die Fachkompetenz absprechen, nur weil er wegen des mittlerweile widerlegten Vorwurfs der Vergewaltigung mehr als ein Jahr in Untersuchungshaft saß. Vom "Ex-Meteorologen Kachelmann" ist da die Rede.

Mir haben meine Eltern beigebracht, dass man nicht auf die tritt, die am Boden liegen. Ich habe aber auch in meinem (unternehmerischen) Umfeld in den vergangenen Monaten die Erfahrung gemacht, dass auch für gebildete Leute nicht entscheidend war, was ist (oder eben nicht war), sondern wie die (selbstgerechte BILD-)Zeitung darüber redet. Zwei Sätze weiter aber würde von denen jeder sagen, "haja, was in der Bild steht, darfsch eh net glaube". Aber ganz subtil hat die Dosis offenbar gewirkt.