leonhard fromm der medienberater

27Jan/120

Es gibt Wichtigeres als sportlichen Erfolg

Klar habe ich mich geärgert über das Aus unserer Handball-Nationalmannschaft bei der EM in Serbien. Und dann las ich von der libyschen Fußball-Nationalmannschaft und deren Qualifikation für den Afrika-Cup. Denn was ich nicht wußte und worüber ich mir auch keine Gedanken gemacht hatte: Die Spieler sind oder waren Teil der Diktatur Gaddafis, die gestürzt wurde.

Und tatsächlich haben sich viele Spieler während der kritischen Phase ins Ausland abgesetzt oder sogar die Kickstiefel zeitweilig gegen Waffen eingetauscht, um den Despoten zu stürzen. Einige wurden auch verletzt oder verloren während der Revolution Angehörige. Das verändert den Blick. In den Stuttgarter Nachrichten habe ich gelesen, dass Freiheitskämpfer einen Nationalspieler nicht an die Front lassen wollten, um sein Leben nicht zu gefährden, oder ihm spontan ihre Schutzwesten überließen, um seine Unversehrheit zu gewährleisten.

Vielleicht war es diese patriotische Erfahrung von Solidarität, die die Spieler in der Qualifikation beflügelt hat. Auch mein Tag begann heute mit der Mail eines Bekannten, den ich gerne in die Presse gebracht hätte. Darin lässt er mir ausrichten, zum selber Schreiben ist er offenbar nicht mehr in der Lage, dass es andere gibt, die größere Vorbilder - und Charakterköpfe - seien als er. Und: Er habe nicht mehr lange zu leben und müsse sich nun auf das Wesentliche konzentrieren.

Das ist starker Tobak an einem Arbeitstag, den ich kurz nach 6 Uhr begann, weil scheinbar so viel Wichtiges anlag, dass ich allein schon aus innerer Unruhe ab 5 Uhr hellwach im Bett lag. Dem Bekannten schrieb ich als erstes zurück, dass ich ihm nun alles Gute wünsche auf der letzten Wegstrecke, die noch vor ihm liegt. Und mit einer anderen Haltung bin ich dann in meinen Tag - dankbar, dass ich gesund bin und zu tun habe.

9Dez/110

Magazin-Projekt weckt neue Nachfrage

001 Cover Kundenmagazin 100 Jahre

Für die Dach Werkstatt Küpper GmbH haben wir in den vergangenen Monaten zum 100jährigen Jubiläum ein 16seitiges Kunden-Magazin produziert. Mein Anspruch: Der Leser sollte bei der Lektüre und beim Betrachten der Fotos die Seele dieser Firma  erspüren, die in den vergangenen zehn Jahren rasant auf 30 Mitarbeiter und drei Millionen Euro Umsatz gewachsen ist. Und: Mitarbeiter und Kunden sollten zu Wort kommen, damit sich nicht ständig der Chef selber lobt.

Entsprechend aufwändig waren die Recherchen: Welcher Kunde repräsentiert welches Geschäftsfeld? Welcher Mitarbeiter steht für welches Thema? "Herr Fromm, können wir den Umsatz nicht doch besser weglassen?" oder "das hat doch in einem öffentlichen Text nicht zu interessieren" waren immer wieder Bedenken, die es auszuräumen galt. Ich war mir sicher, dass das Endergebnis in seiner Gesamtkomposition allen Aufwand rechtfertigen würde.

Heute um 7.30 Uhr haben Ludger Küpper und ich der Belegschaft vor Arbeitsbeginn die ersten Exemplare überreicht und den Mitarbeitern ein wenig von der Entstehungsgeschichte erzählt, damit sie eingebunden sind in das Ganze. Denn ab sofort werden sie sicher in ihrem Bekanntenkreis auf die Broschüre angesprochen, in der auch das Team und einzelne Mitarbeiter zu sehen sind. Das stiftet Identifikation.

Zudem sind es die Mitarbeiter auf jeder einzelnen Baustelle, die das halten müssen, was meine Texte versprochen haben. Deshalb stehen sie im Mittelpunkt, nicht ich, der Schreibtischtyp. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass diese Mitarbeiter auch in zwei und zehn Jahren noch sichere Arbeitsplätze haben, weil ich Küpper befähige, sein Image besser auf dem Markt zu transportieren.

Innerhalb seiner Innung scheint mir das zumindest für meine Agentur schon gelungen zu sein. Gestern Abend präsentierte ich meine Ideen und Konzepte dem Vorstand in Stuttgart, der immerhin 81 Betriebe repräsentiert. Küpper war dort mein Kronzeuge für wahrhaftige PR, die nicht in erster Linie mich reicher machen, sondern den Innungsbetrieben bei ihrer Aquisitionsarbeit helfen soll. Ich glaube, das haben mir die zwölf Männer abgenommen. So geht es also auch auf dieser Spur wohl 2012 weiter.

26Okt/110

Polizeiführer Manske und die Demo-Kultur

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Das Video von der Demonstration in Berlin gegen die anonyme Börsenwelt und den globalen Kapitalismus, die vor Wochen unter "Occupy Wall Street" in New York ihren Anfang nahm, möchte ich meinen Lesern unbedingt zeigen. Denn hier zeigt sich das sympathische und menschliche Anlitz unserer Gesellschaft. Die Occupy-Bewegung, die sich quer durch die internationale, bürgerliche Gesellschaft zieht, hat nämlich auch eine eigene, sehr demokratische Kommunikationskultur hervorgebracht.

Auch viele Unternehmer, die ich persönlich kenne, sind sehr verärgert darüber, dass die Finanzwelt längst nicht mehr die reale Ökonomie abbildet. Selbst Investmentbanker, die Teil dieses Börsensystems von Derivaten, Optionsscheinen und Private Equity sind, mischen sich in ihrer Mittagspause unter die Demonstranten. Für diese Protestkultur würde ich mir gerne Zeit nehmen und einmal wöchentlich nach Stuttgart fahren.

Auch Polizeiführer Manske, so legt das Video nahe, hegt Sympathie für die Protestler. Kein Wunder, ist doch auch er Teil der Gesellschaft und des  Finanzsystems. Wie auch ich. Schließlich ist meine monatliche private Altersvorsorge in Form einer Lebensversicherung (Presseversorgungswerk) und einer Sparrate in Aktien- und Rentenfonds Teil der gigantischen Finanzströme, die auf der Suche nach Rendite um den Globus jagen.

Mir persönlich war dabei schon immer Werterhalt wichtiger als Rendite, weil Gier frisst Hirn (und Charakter). Und in erster Linie auch nur deshalb, weil ich im Alter niemandem Kosten verursachen möchte. So gesehen würde ich am liebsten direkt - unter Umgehung des Presseversorgungswerks und der Fonds - in Menschen (und Firmen) investieren, die dann ihrerseits im Alter mich unterstützen.

Ich mag den modernen Kapitalmarkt nicht, den ich ohnehin - trotz Bildung und rascher Auffassungsgabe - kaum mehr verstehe. Mir sind überschaubare Genossenschaften, die etwa in regenerative Energien oder Wohnbausanierung investieren, zehnmal lieber. Gottvertrauen und soziale Netzwerke geben gleichfalls viel wärmer als viel Geld in einem einsamen, von Inflationsängsten geplagten Alter. Occupy also Wall Street - ich bin dabei!

22Okt/110

Coole Begegnung mit Manfred Gotta

Ein inspirierender Abend mit erfolgreichen Menschen (v.l.): Industriedesigner und Gasgeber Jürgen R. Schmid, Manfred Gotta, Leonhard Fromm und SWR-Moderator Markus Brock. FOTO: SCHMIDT

Ein inspirierender Abend mit erfolgreichen Menschen (v.l.): Industriedesigner und Gastgeber Jürgen R. Schmid, Stargast Manfred Gotta, PR-Berater Leonhard Fromm und SWR-Moderator Markus Brock (hinten). FOTO: SCHMIDT

Aktuell bin ich am Limit: Am Freitag lag ich völlig verschwitzt mit Halsschmerzen, Kopfweh und Husten im Bett. Aber nachdem um 16.30 Uhr die SMS von Cherry Gehring (PUR-Keyboarder) kam, er freue sich, dass ich am Abend zu seiner Backblech-Vorstellung ins Scala nach Ludwigsburg käme, war klar, dass ich mich wieder berappe. Ganz nebenbei: Die hintergründige Musik-Comedy des Trios zu Mann-Frau-Themen ist ein brilliantes Feuerwerk an Esprit, Virtuosität und Selbsterkennung.

Die ganze Woche über bekam ich Rückmeldungen von Menschen, die mich wegen des Kachelmann-Termins auf RTL gesehen hatten oder die wußten, dass ich für Aton-Solar arbeite und mir deshalb Berichte und Links aus der gesamten Republik zusandten, wo über den Wettermoderator berichtet wurde, der nun mit dem kleinen, schwäbischen Photovoltaik-Großhändler sein Comeback inszeniere.

Manche Berichte thematisierten sogar meine Person als den PR-Mann, der den Deal eingefädelt hat. Umso schöner, dass die meisten Redakteure das Engagement wahlweise als mutig oder clever auffassen. Ich sage, mein Kunde ist beides: mutig und clever. Mit solchen Typen kann auch ich mein kreatives Potential entfalten. Etwas dreist war schon fast, dass ich mich beim Kachelmann-Date am Montag als erster verabschieden musste.

Der Grund: Bei Design Tech stand das Highlight des Jahres an, der Promintententalk mit Manfred Gotta, moderiert von SWR-Mann Markus Brock. Einerseits musste ich von dort berichten, zum anderen war ich auf den 64-Jährigen gespannt, dessen Biographie soviele Parallel zu meiner aufweist. Wobei ich mein Studium abgeschlossen habe! Aber auch dem Namenserfinder war klar, seine Dienstleistung würden clevere Betriebe brauchen.

Sehr sympathisch fand ich, wie der Namensgeber von "Twingo" oder "Targobank" erzählte, dass ihm die Schweißperlen auf der Stirn standen als er vor dem Opel-Vorstand in Rüsselsheim seinen "Vectra"-Namen präentierte. Mit diesem Kunstwort schaffte der gebürtige Hesse seinerzeit den Durchbruch. A propos Durchbruch: Diesen erlebe ich auch nach zehn Jahren noch nicht. Aber es scheint kontinuierlich aufwärts zu gehen. Heute Abend bin ich übrigens mit 20 Kunden und Freunden beim Boxen in Ludwigsburg. Denn Mittelgewichtler Dominik Britsch steht definitiv vor dem Durchbruch.

12Sep/110

Arbeitnehmer benoten Unternehmer

Vor Jahren habe ich Pressearbeit für einen Hausverwalter gemacht, der allen ausziehenden Mietern ein Zeugnis ausstellte. Der Grund: Häufig fragten später neue Vermieter an, wie deren Verhalten gewesen sei, oder der Betroffene wollte das Attest gleich als Referenz. Als guter Demokrat bot der Verwalter den Mietern beim Auszug an, auch sein Unternehmen, dessen Mitarbeiter und Services zu bewerten.

Schon damals dachte ich mir, dass die künftige (Arbeits-)Welt immer transparenter werde. Umso weniger habe ich mich kürzlich gewundert als ich erstmals auf die Internetplattform "Kununu" stieß. Hier können ehemalige Mitarbeiter ihren früheren Arbeitgeber bewerten. Bislang haben hier gut 150.000 Ex-Mitarbeiter 58.000 Unternehmen bewertet, wobei fünf (sehr gut) bis null (sehr schlecht) Sterne vergeben werden können und Begründungen in Textfenstern möglich sind.

Neben dem aktuellen Marktführer gibt es Jobvoting, MeinPraktikum.de und Kelzen.com, die nach demselben Strickmuster Personalchefs Schweißperlen auf die Stirn treiben können, zumal die Bewertung anonym erfolgt und das Personalrecruiting immer schwieriger wird. Folglich sollten Chefs den Spieß umdrehen, zumal negative Kritik achtmal häufiger kommuniziert wird als positive.

Warum also nicht die Mitarbeiter bitten, dort ihre Meinung über das Unternehmen einzustellen bzw. die Firma erstmal anzulegen, damit sie überhaupt stattfindet. Und: Diese Portale im Blick behalten und negative Kritik kommentieren oder dazu aufrufen, auch Positives zu sagen. Jüngst hatte ich im Kundenkreis einen ähnlichen Fall: In der Presse hatten wir geschrieben, dass die Firma seit Jahren alle Azubis übernimmt.

Ein Ex-Azubi thematisierte diese Aussage bei Facebook mit der Bemerkung, das sei gelogen. Tatsächlich war dieser Lehrling nicht übernommen worden (und mein Kunde hatte mir dies nicht gesagt), weil er offensichtlich stinkfaul und nicht teamfähig war. Meinem Kunden riet ich dazu, dies zunächst nicht zu kommentieren, im Auge zu behalten und mir künftig solche Details nicht zu unterschlagen. Denn dann kann ich im Einzelfall schreiben "leistungsbereite Azubis werden immer übernommen."

22Aug/110

PR-Rat kritisiert mangelnde Transparenz

Die PR-Idee war klasse, doch leider krankte sie in einem wesentlichen Detail: Im Winter 2010 trampt Aktionskünstler Stefan Gbureck durch Europa, lässt sich aber nur von Mercedesfahrern mitnehmen und dokumentiert seine Erlebnisse in einem Blog, auf Youtube und in Facebook. Das ist witzig und originell.

Unter "Tramp-a-Benz" gewinnt die Kampagne deshalb den Goldenen Löwen, eine Auszeichnung, die in der Branche besonders kreative Lösungen würdigt. Stück für Stück werden aber mehr Zusammenhänge der Aktion deutlich, so dass die Jury des Deutschen Rats für Public Relations (DRPR) die Auszeichnung nun wieder aberkannte.

Denn Gbureck, der zunächst jede Unterstützung weit von sich wies, räumte später ein, dass die Hamburger Agentur Jung von Matt während seiner Tour seinen Blog betreute, so dass er nur Texte und Fotos liefern musste. Und Mercedes-Benz war letztlich Geld- und Auftraggeber. Damit, so der DRPR, habe das Trio klar gegen die Regel der "Transparenz und Absenderklarheit der PR-Maßnahme" verstoßen.

Mich stört prinzipiell diese Kooperation nicht, weil ich es nicht für verwerflich halte, dass sich ein Performance-Künstler bezahlen lässt. Wovon sollte er denn sonst leben und seine Altersvorsorge bestreiten, wenn er in Mercedes-Karossen durch halb Europa fährt? Ich hätte mich allerdings nicht um den Preis beworben.

In der Tagliste meines Blogs sind Schlagworte wie Ehrlichkeit, Transparenz und Wahrhaftigkeit die größten. Ich sehe diese Werte als ethischen Selbstanspruch und marketingmäßig als Differenzierungschance. Das beschriebene Beispiel zeigt, dass diese Werte ebenso wichtig sind wie die Kreativität (oder Marktmacht) einer Agentur. Und exzellente Ideen haben wir auch.

15Aug/110

Politisches Bewußtsein reift im Urlaub

Urlaub und politische Bildung: Todenhöfers Buch über irakische Widerstandskämpfer macht mich nachdenklich.

Urlaub und politische Bildung: Todenhöfers Buch über irakische Widerstandskämpfer macht mich nachdenklich.

Wochenlang lag Jürgen Todenhöfers Sachbuch "Warum tötest Du, Zaid?" auf dem Stapel jener Bücher, die ich lesen wollte. Nun, im Urlaub auf dem Colle all' Asino in der Toscana (04.-13.08. mit Gudrun und Lea), war es endlich so weit. Bei Außentemperaturen von mehr als 30 Grad in einer von der Sonne völlig ausgedörrten Landschaft hatte ich das richtige Feeling, den Schilderungen des früheren CDU-Bundestagsmitglieds zu folgen, der beschreibt, wie er sich 2007 under cover durch die Wüste von Syrien per Taxi in den Irak aufmacht, um Widerstandskämpfer persönlich kennenzulernen.

Schnell zieht mich das Buch mit seinen rund 300 Seiten in seinen Bann, weil es zwischen persönlichen Schilderungen von Irakern, wie aus Studenten, Arbeitern oder Ingenieuren Waffenschmuggler und Terroristen werden, sehr viele Fakten transportiert und kritische Fragen stellt. Etwa danach, warum nicht westliche Journalisten auf die Weise des ehemaligen Bertelsmann-Managers verdeckt bei den Opfern des Krieges recherchieren?

So erfahre ich, dass die USA jährlich 100 Mrd. US-Dollar für die Kriege in Irak und Afghanistan ausgeben und sehe plötzlich deren Staatsverschuldung in nochmals anderem Licht. Oder die persönlichen Schilderungen von Irakern, die durch verängstigte (oder brutalisierte?) US-Soldaten eher zufällig Väter, Töchter oder andere Angehörige verlieren, verdeutlichen, wie aus Opfern Täter werden und machen bewußt, dass westliche Gewalt dort niemals zum Frieden führen kann.

Beschämt lese ich, dass die Alphabetisierungsquote bspw. in Algerien vor der Kolonialisierung bei 40 Prozent lag und bis heute auf 20 Prozent gesunken ist. Es wird mir bewußt, dass der Westen (also die Christen) 200 Jahre Gewalt im Orient (also gegen die Muslime) ausgeübt hat und selbst davor schon die Kreuzzüge diesem Prinzip folgten. Und ich glaube Todenhöfer, dass die Muslime in ihrer absoluten Mehrheit die USA und Demokratie gut finden, unser Verhalten sie aber regelrecht in eine Abgrenzung und Islamisierung drängt.

Und was mir auch auffällt: Ich bin in den vergangenen 20 Jahren nahezu unpolitisch geworden, weil mir mein Arbeitsfleiß keine Zeit mehr ließ, mich um Bildungs-, Energie-, Verkehrs- oder Friedenspolitik zu kümmern, auch weil mir die demokratischen Prozesse zu ineffizient und zu langsam schienen. Im Gegenzug aber finanziere ich mit meinen Steuern (und das dürfte nicht wenig sein) all diese faulen Kompromisse und teilweise Verbrechen an Menschen in armen Ländern oder der Umwelt.

Eine Lösung habe ich noch nicht. Aber ich habe mir dieses Moment bewußt gemacht. Und ich möchte dieses Buch und jegliche Initiative zu muslimisch-christlich-jüdischen Begegnungen jedem empfehlen. Denn wie schreibt Todenhöfer: Hätten doch die GIs und Politiker (oder wenigstens die Reporter) wenigstens einmal die Gastfreundschaft einer islamischen Familie erlebt und mit deren Angehörigen ein Gespräch über Politik, Glauben, Erziehung oder Kopftuch geführt. Wir sind doch alle Menschen, ergänze ich, die in Frieden Gemeinschaft erleben wollen.

18Jun/112

Ehrlicher Blick auf die Arbeit

Vorgestern nahezu die komplette Korrespondenz mit einem Wirtschaftsredakteur in meinen Blog zu stellen, hat mich in gewisser Weise Überwindung gekostet. Denn klar ist der Beitrag viel zu lang. Und klar war der Dialog eigentlich unter vier Augen gedacht. Doch am Ende überwog mein Interesse, Dinge einfach ungefiltert zu zeigen, letztlich meinen Lesern einen ehrlichen Einblick darin zu gewähren, wie bspw. ich als PR-Berater arbeite, aber auch Kollegen auf der anderen Seite des Schreibtisches.

Umso erfreuter war ich, bereits Stunden später die erste (positive) Reaktion zu bekommen - leider nicht als Kommentar in meinem Blog. "Ich habe das komplett mit Interesse gelesen", sagte mein Anrufer, selbst Redakteur. Der Grund: Er kennt diese Situationen aus seinem eigenen Alltag, ständig neu über Themenvorschläge und Begehrlichkeiten entscheiden zu müssen. Ich weiß zwar, wie (unterschiedlich) Redakteure reagieren, weil ich täglich rund zehn selbst kontaktiere. Aber wie andere PR-Akteure agieren, weiß ich in der Regel nicht.

Ermutigt zu soviel unzensierter Dokumentation hatte mich auch, dass es neuerdings einen Trend in den Medien gibt, wieder mehr Authentizität herzustellen. So produziert Kollegin Bauerfeind, bekannt als Assistentin aus Harald Schmidts Latenight-Talk, neuerdings ein Format für ZDF Kultur (glaube ich), in dem sie exakt und nur die ersten 28,5 Minuten eines Interviews sendet, das sie mit einem Menschen führt.

Statt also alles auf die Highlights zusammenzuschneiden und zu verdichten, zeigt sie, wie sich zwei Menschen im Gespräch annähern, begegnen, Nähe herstellen - oder auch nicht. Dieser Blick auf die Arbeit gilt als ehrlicher und aussagekräftiger als die Zusammenfassung. So sieht man oft auch im Sport nur die besten zwei Minuten oder Torszenen eines sonst vielleicht recht langweiligen Kicks und kommt zu völlig falschen Rückschlüssen.

26Apr/110

Kompetenzteam für deutsche Produkte

Gemeinsam für PV-Module aus eutscher Produktion: Uwe Fischer (Heldele), Leonhard Fromm (der Medienberater), Dieter Winkler (Solarwatt), Michael Aigner (Aton-Solar) und Dr. Ronald Lange (Robert Bürkle).

Gemeinsam für PV-Module aus deutscher Produktion (v.l.): Uwe Fischer (Heldele), Leonhard Fromm (der Medienberater), Dieter Winkler (Solarwatt), Michael Aigner (Aton-Solar) und Dr. Ronald Lange (Robert Bürkle).

Großhändler Aton Solar, Modul-Hersteller Solarwatt,  PV-Anlagen-Installateur Heldele und Maschinenbauer Robert Bürkle haben ein Kompetenzteam gegründet. Gemeinsames Ziel: Die weltweit besten Module entwickeln und möglichst viele deutsche Anlagen auf Hallen und Dächern installieren. „Es ist immer gut, wenn Chemiker den Solarteuren über die Schulter schauen und Großhändler den Herstellern“, begründete Ronald Lange beim ersten Treffen an Gründonnerstag in Laichingen das Engagement von Marktführer Robert Bürkle. Die  Freudenstädter bauen bis zu zehnetagige Laminatoren, die das komplette Verfahren in mehreren Stufen und mit unterschiedlichen Folien und Beschichtungen beherrschen.

Zwei dieser weltweit größten Laminatoren laufen bei Solarwatt. 1993 gegründet,  zählen die Dresdener mit mittlerweile 300 Millionen Euro Umsatz pro Jahr zu den Pionieren und Technologieführern der Branche. Auf deren Qualität setzt deshalb seit vier Jahren auch der Laichinger Großhändler Aton-Solar, bei dem bundesweit gut 80 Solarteure fast ausschließlich deutsche Module bestellen.

Aus genau diesem Grund arbeitet die Salacher Heldele GmbH seit kurzem mit Geschäftsführer Michael Aigner zusammen. „Unsere mittelständischen Kunden wollen vor allem Qualität - und dass die Wertschöpfung nicht nach China fließt“, sagt Heldele-Projektleiter Uwe Fischer. Das Unternehmen betreut bundesweit rund 20000 Kunden in den Kernbereichen Bürokommunikation, Gebäude- und Fabrikautomation. Die Nachfrage, die meist sehr großen Dachflächen zur Stromerzeugung zu nutzen, ziehe seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima an. Zudem begünstigt die Bundesregierung seit 2010 den Eigenstromverbrauch.

Von Fragen wie Qualitätsmessung und Wirkungsgradverlust über Brandschutz und bauen mit Solarmodulen bis hin zur Verbesserung der CO2-Bilanz von PV-Anlagen und deren Recycling in 20 bis 30 Jahren reichte das Themenspektrum beim ersten Treffen. Dabei zeigte sich, dass die geballte Kompetenz und kontroverse Diskussionen in kurzer Zeit zu neuen Erkenntnissen und Prioritäten führt, PV-Anlagen aus deutscher Produktion zu fördern.

Die Idee für die Kooperation entlang der PV-Wertschöpfungskette hatte ich. Und da wir bereits für Bürkle, Heldele und Aton-Solar arbeiten, war es relativ leicht, die Partner für ein solches Team zu gewinnen. Und rasch war klar, dass wir als Hersteller Solarwatt mit im Boot haben wollen, die auch spontan die Perspektive meiner Kooperation saßen. In der Pressearbeit werden nun viele Synergien entstehen, weil Texte mit mehreren Recherchequellen gewichtiger sind.

22Apr/110

Neuer Kunde ab Mai mit 553 Mitarbeitern

Ein echter Macher: Hans-Günther Mack.

Ein echter Macher: Hans-Günther Mack beliefert auch den FC Bayern.

Hans-Günther Mack passt wundervoll in unser Kundenprofil: Mit 553 Mitarbeitern und 40 Filialen in Ostwürttemberg und darüber hinaus hat seine Bäckerei mit Sitz in Westhausen die ideale Größe für unsere Agentur. Und dass er bis Heiligendamm bundesweit elf 5-Sterne-Häuser, den FC Bayern und sämtliche ICE-Fernzüge mit Brot und Brötchen beliefert, macht ihn interessant für uns (und damit für die Medien).

Mehrmals bereits hat der 52-Jährige Papst Benedikt in Rom mit Brot beschenkt und 2010 verkaufte der Macher in Chicago, dem weltweit größten Weihnachtsmarkt, Zimtsterne und Früchtebrot, um sich in den USA neue Vertriebswege zu erschließen. Soviel unternehmerische Dynamik gefällt mir. Dabei setzt der gelernte Bäckermeister ganz auf traditionelle Handwerksfertigkeiten und regionale Produkte reinster Güte.

Mehr noch: An der ersten Mail, die ich von ihm erhielt, hing folgender Nachspann: "Du kannst die Welt mit jedem Bissen verändern. Du kannst dreimal täglich abstimmen. Kauf' Produkte von Firmen, die Arbeiter, Tiere und die Umwelt mit Respekt behandeln. Wähle Lebensmittel, die Saison haben. Kauf' biologische Lebensmittel. Erkundige Dich nach Herkunft und Zutaten. Lies das Kleingedruckte auf den Etiketten. Kauf' Nahrungsmittel aus der Umgebung. Kauf' auf Märkten. Leg' einen Garten an, sei er auch noch so klein. Koch' mit Deiner Familie und esst zusammen. Setz' Dich an Deiner Schule für gesundes Essen ein. Erkundige Dich bei Politikern nach den Sicherheitsstandards für Lebensmittel. Wenn Du betest, bitte um Speisen, die uns und den Planeten gesund erhalten. Du kannst die Welt verändern. Jeder Biss hat Folgen." (offenbar zitiert nach Michael Pollan)

Ab Mai ist Mack unser neuer Premium-Kunde. Er ist dann der 20., der es uns mit einer monatlichen Pauschale ermöglicht, mittlerweile zu fünft nach ethischen Prinzipien unserer Arbeit nachzugehen, um auch ihn, seine Produkte und Arbeitsprinzipien bekannter zu machen. Damit er nämlich auch morgen noch den Umsatz hat, den er braucht, seinen Mitarbeitern, Kunden und Werten gerecht zu werden. Brot ist ein wunderbares - auch biblisches - Produkt. Auf gute Zusammenarbeit, lieber Herr Mack.