Design Tech im Messe-Talk auf Youtube
Dass digitale Medien immer mehr an Bedeutung gewinnen, zeigt sich auch auf den Messen quer durch die Republik. Immer häufiger werden Filme gedreht und online gestellt, wo vor einigen Jahren noch Fotos und Berichte für Print-Medien genügten. Deshalb haben auch wir bereits Filme über die Messebesuche einzelner unserer Kunden gedreht, ob für Ventzki von der Motek 2009 in Stuttgart oder Carl Stahl auf der diesjährigen Bauma in München.
Die hohe Kunst ist es, diese Filme über Homepages, Blogs und andere digitale Plattformen so zu verlinken, dass sie auch gefunden, angeklickt und angeschaut werden. Jürgen R. Schmid von Design Tech in Ammerbuch hat mir dieser Tage den Link zu diesem Filmbeitrag geschickt, in dem er beim "Mechatronik-Talk" auf der diesjährigen Motek dazu interviewt wurde, wie Wege zum Erfolg aussehen.
Täglich eine Milliarde Viewer
Auf Youtube werden aktuell täglich eine Milliarde Videos angeklickt und -gesehen. Der Grund: Bewegte Bilder sind in der Regel "leichte Kost", die sich gut konsumieren lässt, sie unterhält, informiert, emotionalisiert und kann mehr vermitteln als ein reiner Text - samt Foto. Die Folge: Das Videomarketing boomt.
Auch immer mehr Kleinbetriebe und Freiberufler nutzen das Medium, um auf Youtube und anderen Plattformen für sich zu werden und über sich zu informieren. Der FOMA-Trendmonitor 2010 der Fachgruppe Online-Mediaagenturen (FOMA) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. hat diese Entwicklung untersucht, nachzulesen unter www.business-wissen.de.
Unsere Agentur hat diesen Trend frühzeitig erkannt. Seit 2008 kooperieren wir mit externen Filmern, 2009 haben wir ein eigenes Equipment gekauft und uns fortgebildet und einige Kunden von uns setzen das Medium Video inzwischen systematisch ein. Über Peter Flumes Filmprojekt, das darüber noch weit hinausgeht, habe ich an dieser Sztelle ja bereits kürzlich geschrieben.
Social Media: Buhlen um Aufmerksamkeit
Im Frühjahr hatte mich eine Studentin der Hochschule für Wirtschaft und Technik in Dresden angemailt, mit der Bitte, an einer Umfrage über die Bedeutung von Social Media für PR-Agenturen teilzunehmen. Denn Karin Rösler, so ihr Name, wollte im Studiengang International Business ihre Bachelorarbeit über "Social Media als Geschäftsfeld für PR-Agenturen" schreiben.
Freundlicherweise ließ mir Karin nun das Gesamtergebnis ihrer Umfrage zukommen, an der sich offenbar 210 Agenturen beteiligt hatten. Das spricht einerseits für ihren Fleiß, andererseits aber auch für die Aussagekraft ihrer Ergebnisse - und die Konkurrenz, die in unserer Branche herrscht.
Was mir dabei runter geht wie Öl: 67 Prozent aller Agenturen nennen Public Relations, also Pressearbeit, als wichtigste Aufgabe von Social Media, gefolgt von Dialog mit potentiellen Kunden (49 %) und Monitoring (35 %), also im Internet verfolgen, was über das Unternehmen kommuniziert wird. Und wir machen ja fast ausschließlich Pressearbeit auf hohem journalistischem Niveau!
Interessant auch: Ein Viertel aller Agenturen gibt an, mittlerweile regelmäßig bis häufig bzgl. Social Media-Dienstleistungen angefragt zu werden - und zwar überwiegend von Firmen mit 51 bis 250 Mitarbeitern. Und: Drei Viertel aller Agenturen haben einen solchen Service erst seit ein bis drei Jahren im Angebot (wir zum Beispiel) und erweitern diesen ständig, zum Beispiel um Krisen-PR oder die Beschaffung von Belegen.
Da ist es nur logisch, dass die Hälfte aller Agenturen, die geantwortet haben, Social Media als wichtig bis sehr wichtig für die Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen einschätzen und Netzwerke wie Twitter oder Facebook, zielgruppenorientierte Blogs und Foren für deren wichtigste Instrumente erachten. Entsprechend geben 85 Prozent der Agenturen an, ihr Spektrum in diese Richtung zu erweitern.
All diese Einschätzungen kann ich nur unterstreichen und doch stelle ich parallel fest, dass etliche unserer Kunden verstärkt auf gedruckte Mitarbeiter-, Kundenzeitungen oder Newsletter setzen, um sich eben letztlich von der Fülle digitaler Informationsmöglichkeiten abzugrenzen. Und: Sie setzen dabei auf hochwertige Recherchen und journalistisch inszenierte Fotos unsererseits, um ihren potentiellen Lesern möglichst weit entgegegen zu kommen. Fazit: Beim Buhlen um die Aufmerksamkeit potentieller Kunden braucht es immer mehr Feintuning in den Details. Der Aufwand steigt qualitativ (Journalismus) wie quantitativ (print + Social Media).
Zukunft des Journalismus
Der Berliner Blogger Felix von Leitner hat die gestrige Medienberichterstattung über die Wikileaks, ein Netzwerk von Bloggern, Journalisten und Experten rund um den Afghanistan-Krieg, zum Anlass genommen, über die Zukunft des Journalismus nachzudenken. Seine Einschätzung: Redaktionen müssten Links setzen, die so interessant sind, dass man sich immer weiter durch das Netz klickt, um noch mehr Infos zu bekommen.
Da gebe ich ihm grundsätzlich recht. Allerdings schreibt er selbst recht flapsig, stellt Behauptungen auf und begründet diese nicht einmal. Auch nennt er keine Quelle, wenn er sagt, er werde gelegentlich nach der Zukunft des Journalismus gefragt. Da würde ich schon gerne wissen, wer ihn fragt und warum. Welche Kompetenz bringt er mit, diese Zukunft einzuschätzen?
Mir fällt auf, dass das Problem im Internet darin besteht, dass der, der etwas weiß (oder glaubt zu wissen), dann auch selbst schreibt. Das ist etwa wie im "alten" Print-Journalismus: Da schreibt auch der Dirigent des Dorfchores über das Konzert, nur weil er das größte Interesse hat, dass das Ereignis bekannter wird. Dabei liegt seine Kernkompetenz darin, die richtigen Stücke auszuwählen, Sängern die Partitur zu vermitteln und evtl. noch, ein Konzert zu organisieren. Schreiben kann er deswegen noch lange nicht - zumindest weder interessant noch distanziert.
Deshalb ist der Filter so wichtig, der Nachrichten bewertet und aufbereitet, der Redakteur. Erfreulicherweise setzt sich diese Einschätzung offenbar allmählich durch: So laufen auch mit uns Gespräche (und Projekte), dass etwa Projektleiter nicht mehr selbst fürs Intranet oder einen Newsletter schreiben (müssen), sondern in 15-minütigen Telefonaten von mir befragt werden und ich dann binnen Stunden bspw. einen Text mit 1700 Zeichen liefere, der genau das mit relevanten Fakten in flotter Sprache wiedergibt, worüber informiert werden sollte. Die Folge: Der Beitrag wird lieber gelesen und besser verstanden - und der Projektleiter kann in dieser Zeit am nächsten Projekt weiterarbeiten, mit seinen Kindern spielen oder einfach mal NICHTS tun.
Suchaktion via Internet: 360000 Klicks
Via Facebook, Xing und Twitter suchen tausende Internetnutzer in Norddeutschland seit Tagen die 25-jährige Anne Hondelmann. Die zierliche Arzthelferin wollte am Sonntag vom Hamburger Hauptbahnhof per Bahn in ihren Heimatort Bargteheide fahren - und kam dort seither nicht an.
Familie und Freunde suchen die attraktive junge Frau nun via eigener Homepage www.suche-anne.de inklusive Telefondurchwahl und e-Mail-Adresse zur Polizei, um dort Hinweise geben zu können. Für übermorgen, Sonntag, haben sich User verabredet, an sämtlichen Haltestellen von Hamburg bis Bargteheide die Umgebung abzusuchen.
Das können viele werden, denn bis Donnerstag hatten bereits 360000 Surfer die Seite angeklickt, zumal fast alle norddeutschen Medien über die digitale Suchaktion berichtet hatten. In meinem PR-Seminar am Montag im IHK-Bildungshaus in Grunbach werde ich dieses aktuelle Beispiel verwenden, wenn es um die Bedeutung von Internetmarketing geht.
Denn die 360000 Klicks belegen, dass das Digitalzeitalter längst begonnen hat. Und ehe die Medien aufmerksam wurden, hatten Familie und Freunde via Twitter und ihre jeweiligen Follower bereits für die exorbitant rasche "Vermarktung" dieser Domaine gesorgt. Dabei liegt der Nachrichten- oder Unterstützungswert für die allermeisten User geradezu bei Null.
Das Beispiel aber belegt: Wer digitale Strukturen geschaffen hat, kann diese im Bedarfsfall auch nutzen. So hat mein Blog bspw. täglich 25 bis 60 Leser. Und: Wenn ein Thema interessant (relevant) genug ist, folgen die Menschen nicht nur dem Tipp, eine Seite zu besuchen, sie empfehlen sie auch weiter.
Damit wir uns richtig verstehen: Natürlich sorgt auch mich das Verschwinden der jungen Frau. Aber einerseits ersäuft die Polizei dort in Anrufen und sei es nur, dass Leser anfragen, ob die junge Frau tatsächlich verschwunden ist, oder von Redakteuren, die das (Internt-)Thema recherchieren wollen. Und schließlich ist noch nicht mal erwiesen, ob Anne Holdermann tatsächlich einem Verbrechen zum Opfer fiel oder nicht einfach für ein paar Tage abtauchen wollte. Hoffen wir Letzteres.
Carl Stahls Bauma-Auftritt auf Youtube
Dass die Münchner Bauma für die Carl Stahl GmbH ein großer Erfolg war, haben wir gleich nach der Baumaschinen-Messe per Pressemitteilung berichtet. Mittlerweile ist auch der Film darüber, den wir vor Ort produziert haben, fertig, frei gegeben und u.a. auf Youtube eingestellt. Wie bereits kürzlich hier geschrieben, ist die Plattform mittlerweile nach Google die zweitgrößte Suchmaschine. Wer hier nach Carl Stahl sucht (oder bspw. Leonhard Fromm) wird fündig.
Gecoacht hat das zehnköpfige Messe-Personal aus drei süddeutschen Carl Stahl-Standorten übrigens Joachim Kipke. Der frühere Geschäftsführer von Spanset, der 20 Jahre Erfahrung im Vertrieb technischer Produkte hat und seit einiger Zeit Partner bei Raisch & Team in Waldenbuch ist, war heute übrigens bei mir. Der 52-Jährige ließ sich in Pressearbeit von mir coachen.
Vermutlich setzen wir als erstes Projekt für ihn das Bauma-Carl Stahl-Team um, das er dort für den großen Auftritt schulte und dessen Corporate Design von der Kleidung über das Kommunikationsverhalten bis zu anderen Details positiv auffiel. Als ich am Stand ein Stück von meinem Marmorkuchen aus der Alu-Folie essen wollte, den ich am Wochenende mit meiner Tochter gebacken hatte, reichte mir ein Mitarbeiter schnell einen Einwegteller samt Gabel und entsporgte mein Staniol mit dem dezenten Hinweis: "Das ist am Stand nicht erlaubt!" Das nenne ich professionell.
Übrigens: Der studierte Maschinenbauer und Betriebswirt Kipke, der jährlich rund 1600 technische Mitarbeiter aus knapp 40 Firmen trainiert und berät, referiert am Mittwoch, 23. Juni, von 9 bis 16.30 Uhr in der Carl Stahl-Akademie in Süßen. Sein Thema: Wie Führungskräfte ihre Mitarbeiter richtig einschätzen, diese zielgerichtet führen und deren Stärken für das Unternehmen nutzen. Dabei geht es auch darum, zu jedem Mitarbeiter den richtigen Zugang zu finden.
Fast 70 Prozent der Deutschen online
Die Zahl der Internetnutzer hat sich in Deutschland seit 2001 auf fast 70 Prozent der Bevölkerung nahezu verdoppelt. Vor allem die Gruppen der 60- bis 69-Jährigen, die Bildungsfernen und Geringverdiener haben dazu beigetragen. Das geht aus Zahlen des Marktforschungsinstituts TNS Infratest hervor. In Ballungsräumen mit mehr als 500000 Einwohnern liegt die Nutzerquote bei 72,4 Prozent, im ländlichen Raum bei 64.
Und während drei Viertel aller Männer online sind, sind es bei den Frauen nur 62 Prozent. Ähnlich ist das Verhältnis zwischen alten und neuen Bundesländern. Bei den unter 40-Jährigen sind 95 Prozent online, bei den über 70-Jährigen weniger als ein Fünftel. Doch werden die Quoten weiter nach oben gehen, weil für immer mehr Jahrgänge der PC zum Alltag gehört, die Grenzen zwischen TV und PC verschmelzen und die Verkabelung immer weiter ausgebaut wird.
Damit steigen die Möglichkeiten und die Verfügbarkeit. Diese Optionalität setzt die klassischen Printmedien weiter unter Druck und erhöht den Bedarf, mit eigenen Informationen im Internet präsent zu sein. Damit diese aber auch konsumiert werden, braucht es neben der technischen Bereitstellung unbedingt die redaktionelle Aufbereitung, damit einzelne Fakten zu aussagekräftigen Nachrichten verdichtet werden. Wir arbeiten daran mit.
Print und digital müssen keine Gegensätze sein
Die Zeitungskrise hält an. In den USA haben allein 2008 nochmals 72 von zuvor 1480 Titeln ihr Erscheinen eingestellt und 2009 fielen so renommierte Blätter wie die "Seattle Post" und die "Rocky Mountain News" der Entwicklung zum Opfer. Diese hat gleich zwei gravierende Ursachen: Die Nutzergewohnheiten der Leser verändern sich massiv weg von kostenpflichtigem Print hin zu kostenlosen Internetnews und parallel fehlen auf Grund der Wirtschaftskrise die Anzeigen, die die Blätter zu 90 Prozent und mehr finanzieren. Und weil die relevante Kundenzielgruppe immer seltener print liest, verlagern sich die Werbebudgets ohnehin auf andere Vertriebswege.
Wie man beide Kanäle - print und digital - miteinander versöhnt, macht Europas führender Titel seit Jahren vor. Zum Leidweisen professioneller Fotoreporter erfand die Bild-Zeitung sogenannte Leserreporter. Und damit diese millionenfach ein Paparrazzi-Heer bilden können, vertickerte das Boulevardblatt über den Discounter Lidl für 70 Euro eine Videokamera in Handyformat.
Und damit alle mitmachen, honoriert der Axel Springer Verlag das "Video der Woche" mit 500 Euro und zeigt es auf Bild.de im Internet. Mehr als 500000 Leser haben seit 2006 Bilder eingeschickt und 10000 Fotos hat das Blatt veröffentlicht - und dafür zwei Millionen Euro Honorar überwiesen. Die Leserreporter sind damit längst zu einer eigenständigen Nachrichten- und Fotoagentur geworden, die sich zudem tausendfach mit der Zeitung identifizieren.
Bild-Chefredakteur Kai Diekmanns Prinzip: "Wir umarmen den technischen Fortschritt." Denn seit die Bild ihren Lesern ein Forum zum Mitmachen gibt, verlinken diese ihre Erfolge auf eigenen Blogs und Homepages, so dass das Massenblatt seine Reichweite bei einer täglichen Printauflage von 4,5 Millionen auf zuletzt 17 Milionen Menschen erweitern und absichern konnte. Im Juni hatte Bild.de bereits 102 Millionen Besucher - Marktführer Spiegel Online, der noch immer mit harten Fakten arbeitet, kommt auf 115 Millionen Klicks.
Diekmanns Fazit zu der Diskussion, ob Internetinhalte kostenpflichtig werden müssen, damit Qualitätsjournalismus überleben kann: "Der kostenlose Inhalt ist ein bedauerlicher Geburtsfehler des Internets. Doch wir können das ad er Mediengeschichte nicht mehr zurückdrehen."