leonhard fromm der medienberater

11Nov/110

PR-Berater als Steuermann

Selbstvertrauen und Weitsicht: Mit Wonne steuert Leonhard Fromm die "Ambulant" auf der Nordsee. FOTO: Weinreich

Selbstvertrauen und Weitsicht: Mit Wonne steuert Leonhard Fromm die "Ambulant" auf der Nordsee zwischen den grünen und roten Bojen durch. FOTO: Weinreich

Vorige Woche hatte ich das Vergnügen, bei bis zu 18 Grad und strahlendem Sonnenschein, mit der "Ambulant" durch die Nordsee zu segeln. Der 1904 gebaute Zweimaster ist ein Lastensegler, der in der 70er-Jahren umgebaut wurde, so dass seither bis zu 26 Personen in den zehn Zweier- und Vierer-Kajüten Platz haben. Vor allem Jugendgruppen, Chöre, Lehrer und Sozialarbeiter nutzen das Schiff üblicherweise zur Teamentwicklung.

Denn das Leben auf engstem Raum (2 WCs, 2 Duschen, 1 Speiseraum samt Kochnische) unter teils widrigen Bedingungen (Regen, Nebel, hoher Seegang), das gemeinsame Kraftanstrengungen erfordert (Segel hissen, Anker einholen, Planen spannen), stellt den Einzelnen und die Gruppe vor neue Herausforderungen. Neudeutsch heißt das Ganze Erlebnispädagogik, weil man sich und andere in nicht alltagsüblichen Zusammenhängen erlebt.

Unsere Gruppe bestand zur Hälfte aus meiner Verwandtschaft, zur Hälfte aus Freunden meiner Geschwister. Das Alterspektrum reichte von 12 bis 71 Jahren. Initiiert hatte die Fahrt meine Schwester, die als Lehrerin diese Erfahrung 2010 mit 20 Kolleginnen auf demselben Schiff geteilt hatte und davon begeistert war. Interessant war, dass auch hier die Charakteren deutlich sichtbar wurden.

Die Alphamänner drängelten sich regelrecht bei allen Kraftarbeiten und hatten auch in der Kombüse stets lockere Sprüche auf den Lippen (während oft die anderen arbeiteten). Die Ruhigeren beobachteten die Szenerie eher und die Ängstlichen waren schon stolz, sich zu dem Tripp überhaupt angemeldet zu haben. Ich selbst genoß es, mich eher zurückzuhalten und mich in der kuscheligen Kajüte bei manchem Mittagschlaf auch bestens zu erholen.

Fasziniert war ich allerdings vom Steuern des Seglers. Und am vierten Tag bat ich den Kaptain, mich an das Ruder zu lassen. Sofort spürte ich die Verantwortung für das gesamte Schiff und bemerkte, dass man von hier hinten einen guten Überblick über sämtliche Aktivitäten an Deck hat. Und während die meisten Arbeiten an Bord Teamaufgaben sind, kann das Steuern immer nur einer übernehmen. Eine Funktion, die mich immer reizt.

Und der Eine braucht eine ruhige Hand, um nicht in Hektik zu verfallen. Denn der behäbige Zweimaster reagiert nur recht zeitverzögert, so dass es Geduld und Weitsicht braucht, das Schiff zu manövrieren. Schon nach kurzer Zeit machte sich mein Perfektionismus einen Spaß daraus, jeweils möglichst dicht an den grünen Bojen zu unserer Rechten vorbeizufahren, was Kaptain Jauke allerdings etwas nervös machte.

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