leonhard fromm der medienberater

30Dez/110

Künstler räumt mit der Kunst auf

Eine Bekannte aus Berlin hat mir kürzlich von Ursus Wehrli erzählt. Der Schweizer Künstler zerschneidet bspw. Drucke berühmter Künstler wie Kadinsky oder Dix und sortiert diese Bilder dann nach Farben. Durch diese Verfremdung zeigt er, wohin Ordnungssinn führt, wenn er zum Zwang wird. Ein entsprechender Kunstband seiner Arbeiten wurde offenbar zum Bestseller.

Das Beispiel zeigt, wie sich Kunst und Kreativität immer neue Bahnen brechen und Neues schaffen, was uns Menschen zum Denken und Reflektieren anregt. Spontan kam mir beim gemeinsamen Spaziergang durch ein Wohngebiet die Idee, die hier - wild durcheinander - geparkten Autos nach Farben, Marken oder Kennzeichen neu zu sortieren. Oder die Anwohner nach Geschlecht, Alter, Familienstand, Beruf, politischer Gesinnung etc.

Sofort merkte ich (mal wieder), dass alle Betrachtungen eine Frage der Perspektive sind. Dass es aber auch eine Frage der Stringenz ist, neue Gesetzmäßigkeiten (Sortierkriterien) zu schaffen, wie dies bspw. Steve Jobs in der IT-Branche mit Apple gelungen ist. Es ist gut, dass Künstler wie Ursus Wehrli, Unternehmer wie Steve Jobs oder andere Provokateure uns immer wieder neue Blickwinkel zumuten. Die Botschaft: Es geht auch anders.

Das weitet den Horizont, macht staunend, ermöglicht neue Einsichten und erweitert letztlich die Handlungsklaviatur. Ich bin auch in meiner Arbeit bemüht, immer weniger das Handeln anderer zu bewerten, sondern mich eher zu wundern, dass man eben auch anders handeln, reagieren oder empfinden kann als ich es tue. So werde ich einerseits toleranter und flexibler, andererseits lerne ich immer besser, mich so zu artikulieren, dass beim anderen ankommt, was ich ihm vermitteln will.

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