Krisen-PR: Wie aus dem Nichts
Seit gestern kennen viele Leute Olaf Glaeseker. Normalerweise muss man den Sprecher des Bundespräsidenten nicht zwingend kennen. Doch seit gestern die Bild-Zeitung den Vorwurf erhoben hat, Christian Wulff habe im niedersächsischen Landtag im Februar 2010 im Kontext der Air-Berlin-Affäre womöglich nicht die Wahrheit gesagt, brennt dem Pressesprecher in Berlin der Kittel. Ein Dementi ist da letztlich zu wenig.
Im Fall von Krisen-PR gilt der eherne Grundsatz, schnell, wahrhaftig und umfassend zu reagieren. Diesen Grundsatz hat bspw. Theodor zu Guttenberg missachtet als er bzgl. seiner Doktorarbeit nicht sofort einräumte, dass viele Zitate und Passagen geklaut waren. Konkret geht es bei Wulff nun um ein zinsgünstiges Darlehen über 500.000 Euro, das ihm eine Unternehmergattin 2008 für den Kauf eines Hauses gewährt hatte.
Nachdem Wulffs in deren Villa in Florida schon 2009 Weihnachtsurlaub gemacht hatten und mit dem Unternehmerpaar ofenbar schon lange befreundet sind, hätte es zwei Stategien gegeben. Diese hätten schon am besten im Februar 2010 gefahren werden müssen als der niedersächsische Landtag den damaligen Ministerpräsidenten ausleuchtete, ob er von dem Unternehmer begünstigt werde.
Damals oder spätestens jetzt hätte Wulff in die Offensive gehen müssen und klar sagen, dass solche Urlaube und Darlehen unter Freunden üblich sind. In ganz Deutschland. Dazu hätte ich Belege aus den vergangenen Jahren präsentiert, wo der Spitzenpolitiker sich zu Gunsten des Unternehmers hätte einmischen können, es aber nicht getan hatte, weil er um die Pflicht seines Amtes wisse etc. Das Beispiel zeigt ja, dass er Widersacher hat, die er nicht befrieden kann. Nun geht es eben um das 2010 verschwiegene Darlehen, weil nicht explizit nach der Gattin gefragt worden war.
Gerade deshalb aber hat das laue Dementi nun ein Geschmäckle. Ich hätte schon 2010 pro-aktiv das Darlehen erwähnt um zweierlei zu signalisieren: Ich habe nichts zu verbergen. Und: Ihr Widersacher haltet endlich das Maul, ihr seid mir nicht gewachsen. Die zweite Strategie hätte jetzt lauten müssen: Wulff entschuldigt sich erstens sofort dafür, dass er 2010 nicht pro-aktiv das Darlehen erwähnt hat und zweitens versehentlich geglaubt habe, dass sich ein Spitzenpolitiker in privaten Angelegenheiten wie ein normaler Bürger verhalten könne.
Aber er habe die Macht der Medien und der Widersache unterschätzt. Dann entlarvt er sehr elegant, was da eigentlich läuft und präsentiert sich gleichermaßen als Opfer wie auch als jemand, der kritisch mit sich selbst umgeht. Wäre ich aber Glaeseker, ich würde von meinem Chef erwarten, dass er schon vor dem Hauskauf mit mir diskutiert, ob er ein privates Darlehen annehmen kann. Ich hätte ihm dann gesagt, unter welchen Bedingungen das geht.
Ähnliche beiträge: