Zukunft des Journalismus
Der Berliner Blogger Felix von Leitner hat die gestrige Medienberichterstattung über die Wikileaks, ein Netzwerk von Bloggern, Journalisten und Experten rund um den Afghanistan-Krieg, zum Anlass genommen, über die Zukunft des Journalismus nachzudenken. Seine Einschätzung: Redaktionen müssten Links setzen, die so interessant sind, dass man sich immer weiter durch das Netz klickt, um noch mehr Infos zu bekommen.
Da gebe ich ihm grundsätzlich recht. Allerdings schreibt er selbst recht flapsig, stellt Behauptungen auf und begründet diese nicht einmal. Auch nennt er keine Quelle, wenn er sagt, er werde gelegentlich nach der Zukunft des Journalismus gefragt. Da würde ich schon gerne wissen, wer ihn fragt und warum. Welche Kompetenz bringt er mit, diese Zukunft einzuschätzen?
Mir fällt auf, dass das Problem im Internet darin besteht, dass der, der etwas weiß (oder glaubt zu wissen), dann auch selbst schreibt. Das ist etwa wie im "alten" Print-Journalismus: Da schreibt auch der Dirigent des Dorfchores über das Konzert, nur weil er das größte Interesse hat, dass das Ereignis bekannter wird. Dabei liegt seine Kernkompetenz darin, die richtigen Stücke auszuwählen, Sängern die Partitur zu vermitteln und evtl. noch, ein Konzert zu organisieren. Schreiben kann er deswegen noch lange nicht - zumindest weder interessant noch distanziert.
Deshalb ist der Filter so wichtig, der Nachrichten bewertet und aufbereitet, der Redakteur. Erfreulicherweise setzt sich diese Einschätzung offenbar allmählich durch: So laufen auch mit uns Gespräche (und Projekte), dass etwa Projektleiter nicht mehr selbst fürs Intranet oder einen Newsletter schreiben (müssen), sondern in 15-minütigen Telefonaten von mir befragt werden und ich dann binnen Stunden bspw. einen Text mit 1700 Zeichen liefere, der genau das mit relevanten Fakten in flotter Sprache wiedergibt, worüber informiert werden sollte. Die Folge: Der Beitrag wird lieber gelesen und besser verstanden - und der Projektleiter kann in dieser Zeit am nächsten Projekt weiterarbeiten, mit seinen Kindern spielen oder einfach mal NICHTS tun.
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