Presseangriff auf fleißigen Rektor
Kaum mache ich den Mund in Sachen Jörg Kachelmann zu, wird schon die nächste Sau durch's Dorf getrieben. Und dieses Mal nicht von Bild oder Bunte, sondern der Stuttgarter Zeitung: Rektor Bernhard Schwarz wird in der heutigen Ausgabe als "Ein Rektor als Reizfigur" wortgewaltig vorgeführt, wie ich das als Volontär vor 20 Jahren auch gelernt und anschließend teils etliche Male selbst praktiziert habe: Andeuten ("wirtschaftliche Verflechtungen"), Zitatspuren verwischen ("heißt es in Hochschulkreisen"), Gewicht verleihen ("doch damit stehen die Kritiker nicht allein").
Und der engagierte Schwarz, der meines Wissens maßgeblich geholfen hat, seit 1990 den Standort Göppingen mit heute mehr als 1000 Studierenden aufzubauen und ihm ein mechatronisches Profil zu verleihen, steht wie ein machtversessener Despot da. Die Inszenierung mit dem Foto ist ja gut gelungen, wenn man das Ziel verfolgt, ihn so als Zielscheibe aufzustellen. Und wer in Verantwortung steht, bei dem findet man immer einen (oder zwei), die ihn als unnahbar oder autoritär charakterisieren. Diese werden dann nach obigem Formulierungsmuster ("und das ist nur eine Stimme von vielen", "die Spatzen pfeifen es von den Dächern") nebulös vermehrt etc.
Ich finde diese Art von Journalismus fies und im konkreten Fall zudem schlecht gemacht: Denn eigentlich blitzt immer nur derselbe Kronzeuge durch, der Wissenschaftler, der als Kompromisslösung Dekan der betriebswirtschaftlichen Fakultät wurde. Und weil genau diese von Esslingen nach Göppingen verlegt werden soll, ist dieser Professor Helmut Kohlert doppelt involviert.
Ein Beitrag, der diese Verlegung inhaltlich begründet oder Kohlert zu Wort kommen lässt, wie er sich als Kompromisskandidat fühlt, wäre der Sache sicher dienlicher gewesen. Aber es liest sich nicht so flott. Denn tatsächlich, für das bißchen Substanz plätschert der Beitrag - dank Überschrift und Foto - doch recht flüssig dahin. Als PR-Berater hätte ich mir gewünscht, dabei gewesen zu sein als der Dekan gewählt, die Standortverlegung beschlossen oder der TZM-Verkauf an Eberspächer abgewickelt wurde. Dort hätte man die Klarheit kommunizieren können, die nun allem Nebel seinen "Heißluftraum" genommen hätte.
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Juni 28th, 2011
Werter Herr Fromm,
Ihrem Wunsch dabei gewesen zu sein konnte vermutlich deshalb nicht entsprochen werden, da diese Vorgänge alle streng vertraulich und geheim waren. Deshalb sind Sie ja auch auf die mündlichen Äußerungen des Herrn Schwarz angewiesen. Ob geschäftliche Verbindungen und Senatorentitel Entscheidungen beeinflussen können sie nicht wissen, auch nicht das Gegenteil.
Beamtenrechtlich darf hier nur der Rektor mit der Presse reden! Schon erstaunlich, mit welcher Sicherkeit Sie einen “Kronzeugen” benennen können.
Wenn Sie mit Ihrem Artikel einen Dekan nebulös in die Verursacherrolle für den Artikel in der Stuttgarter Zeitung rücken, machen Sie genau das, was Sie der Zeitung vorwerfen. Selbstwarnehmung scheint nicht Ihre Stärke zu sein.
MfG
Alfred Mack
Juni 29th, 2011
Lieber Herr Mack,
gut argumentiert. Doch während der Beitrag in der Stuttgarter Zeitung als (objektiver) Bericht daher kommt, sind Beiträge in meinem Blog glasklar als Meinung identifizierbar. Und: Mein Blog hat (noch) nicht die Durchschlagskraft einer Publikation wie der alt ehrwüdigen Stutgarter Zeitung. Deshalb tue ich kund, dass mich derlei Feldzüge stören und dabei bleibe ich bis “Butter bei de Fische” kommt. Denn sonst schießen Spekulationen wie meine ins Kraut…
Beste Grüße,
Leo Fromm
Juni 30th, 2011
Lieber Herr Fromm,
meine Hochachtung dafür, dass Sie den Kommentar freigeschaltet haben.
Natürlich haben Sie für Ihren Artikel eine Begründung und ich glaube Ihnen, dass Sie Ihrer Begründung glauben. Ich neige dazu die Triebfeder für Handlungen auch an den entstehenden Reaktionen und den grundsätzlichen Interessen abzuleiten. Als jemand, der davon lebt Texte zu verfassen die für andere hilfreich sind und auf Grund der sofortigen Verwendung von Auszügen Ihres Textes in einem anderen Kontext, kann ich mir auch weitere Beweggründe vorstellen. Die “Durchschlagskraft” Ihres Artikels ist nicht auf Breite sondern auf einen Punkt gerichtet.
In sofern haben Sie sicher einen guten Job gemacht.
Grüße aus Mannheim
Alfred Mack
Juli 1st, 2011
Lieber Herr Mack,
ich bitte Sie, mein Blog lebt vom Diskurs. Das bringt Quote (Klicks). Und meine Lebensgrundhaltung basiert auf Transparenz (“der liebe Gott sieht ohnehin alles” – und das Internet neuerdings auch). Ich wäre ein schlechter Medienfuzzi, wenn ich beim ersten Lüftchen die Segel streiche. Ich rechne immer damit, dass noch etwas kommt – und lege dann nach!
Anyway. Dass Sie mein Handeln nun assoziativ mit Sekundärmotiven meinerseits verquicken, finde ich nicht fein, wenngleich ja Redakteur Müller bei Schwarz auch so arbeitet. Fragen Sie mich doch einfach, ob ich von Schwarz bezahlt werde, oder so. Sie sind Betriebswirt. Sie dürfen das.
A propos Bertriebswirt: Ist das nicht der Studiengang, in dem Sie dann von Mannheim an Esslingen vorbei sogar täglich bis Göppingen fahren müssten?
Beste Grüße
Leo Fromm