PR-Rat kritisiert mangelnde Transparenz
Die PR-Idee war klasse, doch leider krankte sie in einem wesentlichen Detail: Im Winter 2010 trampt Aktionskünstler Stefan Gbureck durch Europa, lässt sich aber nur von Mercedesfahrern mitnehmen und dokumentiert seine Erlebnisse in einem Blog, auf Youtube und in Facebook. Das ist witzig und originell.
Unter "Tramp-a-Benz" gewinnt die Kampagne deshalb den Goldenen Löwen, eine Auszeichnung, die in der Branche besonders kreative Lösungen würdigt. Stück für Stück werden aber mehr Zusammenhänge der Aktion deutlich, so dass die Jury des Deutschen Rats für Public Relations (DRPR) die Auszeichnung nun wieder aberkannte.
Denn Gbureck, der zunächst jede Unterstützung weit von sich wies, räumte später ein, dass die Hamburger Agentur Jung von Matt während seiner Tour seinen Blog betreute, so dass er nur Texte und Fotos liefern musste. Und Mercedes-Benz war letztlich Geld- und Auftraggeber. Damit, so der DRPR, habe das Trio klar gegen die Regel der "Transparenz und Absenderklarheit der PR-Maßnahme" verstoßen.
Mich stört prinzipiell diese Kooperation nicht, weil ich es nicht für verwerflich halte, dass sich ein Performance-Künstler bezahlen lässt. Wovon sollte er denn sonst leben und seine Altersvorsorge bestreiten, wenn er in Mercedes-Karossen durch halb Europa fährt? Ich hätte mich allerdings nicht um den Preis beworben.
In der Tagliste meines Blogs sind Schlagworte wie Ehrlichkeit, Transparenz und Wahrhaftigkeit die größten. Ich sehe diese Werte als ethischen Selbstanspruch und marketingmäßig als Differenzierungschance. Das beschriebene Beispiel zeigt, dass diese Werte ebenso wichtig sind wie die Kreativität (oder Marktmacht) einer Agentur. Und exzellente Ideen haben wir auch.
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