Korrespondenz mit einem Redakteur
Seit gestern Morgen habe ich binnen 28 Stunden 13 Mal (6x er, 7x ich) mit einem leitenden Redakteur eines bundesweit erscheinenden Business-Titels per Mail korrespondiert. Auslöser war sein Interview, das er einem christlichen Newsletter über Wahrhaftigkeit gegeben hatte. In Auszügen möchte ich hier unseren Schriftverkehr, der teils im Zehn-Minuten-Takt erfolgt, anonymisiert wiedergeben.
"Hallo Herr XXX, via dieses Netzwerk erfahre ich eben, dass Sie auch "christlich" sind. Könnten wir diesbzgl. mal telefonieren (habe Sie eben nicht erreicht)? Als Ex-Wirtschaftsredakteur (Südwest Presse) und Theologe mache ich seit zehn Jahren PR für Firmen, u.a. Prof. Knoblauch und den christlichen www.fuehrungskraeftekongress.de. Deshalb kenne ich viele ethisch ausgerichte Mittelständler, die auch Ihnen evtl. als Beispielpool dienen könnten. Freue mich auf Ihre Rückmeldung. Beste Grüße, Leonhard Fromm."
Seine Antwort: "Hallo Herr Fromm, Sie machen mich neugierig: Was gibt es denn telefonisch zu besprechen? Haben
Sie schon ein konkretes Thema, über das wir uns unterhalten können/sollten? Da mein Terminkalender sehr eng getaktet ist, würde ich mich hier über ein konkretes Stichwort freuen... Herzliche Grüße, xxx"
Meine Antwort: "Hallo Herr XXX, ich vermute, Themen haben Sie genug. Ich würde Ihnen gerne den Pool "meiner"
20 bis 40 Firmen anbieten, um "Ihre" Themen mit konkreten Beispielen zu belegen. In der Regel sind es Markt- und Technologieführer quer durch alle Branchen (Maschinenbau, Logistik, Automotive, regenerative Energien,
Finance, IT, Services) mit 250 bis 1200 Mitarbeitern, die sich in den vergangenen 40 Jahren differenziert haben....."
Seine Antwort: "Hallo Herr Fromm, tja, hm, derlei Anrufe bekomme ich zuhauf - PR-Leute, die mir ihre
Kundenstorys verkaufen wollen. Nicht böse sein: Aber das kickt mich nicht... Ich finde Klasse statt Masse erbaulicher. Also nicht 100 Storys, die Sie mir anbieten können, wie alle anderen auch - sondern die eine Top-Story, die man
JETZT in .... lesen muss und will und die noch nirgendwo gestanden hat. Wenn Sie die haben, können wir gerne telefonieren. Die muss aber dann wirklich TOP sein. Ich betone das deshalb, weil auch das jeder behauptet -
und hinterher ists doch nur heiße Luft. Da bin ich aber sehr nachtragend: Wer viel Wirbel macht, muss auch halten, was er verspricht. Windmaschinen hab ich umgekehrt schon zuhauf an der Strippe...Ich bin also gespannt...."
Meine Antwort: "...die TOP-Story habe ich nicht. Die machen in der Regel Macher wie Sie aus dem, was passiert oder angeboten wird. Ich habe keine Masse zu bieten, sondern Macher, die sich täglich aufs Neue den A. aufreißen, um genügend Aufträge zu auskömmlichen Preisen ins Unternehmen zu holen und dabei Mitarbeiter, Finanzamt, Behörden etc. bei Laune zu halten. Dort geht es immer primär ums Überleben (unter dem Preisdruck der Konzerne und dem Schnäppchenwahn der Verbraucher), wobei diese Typen ein enormes Maß an Kreativität und Leidensfähigkeit entwickeln. Für mich sind das die Helden der Marktwirtschaft.
Seit Jesus - und über die Christen in der Wirtschaft bin ich auf Sie aufmerksam geworden - ist mir nichts Bahnbrechendes mehr über den Weg gelaufen. Aber mit viel Neugierde, Kreativität und Menschenliebe habe ich
immer wieder im Detail das Besondere, wenn Sie möchten " das Jesuanische" gefunden und daraus spannende Themen für die Zeitung gemacht. So ist auch mein Selbstverständnis, primär Ihnen dienen zu wollen statt etwas (für mich) verkaufen zu wollen. Das Leben hat mich gelehrt, dass es die TOP-Story so wenig gibt wie die Traumfrau. Aber es gibt viele "Helden der Marktwirtschaft", für die ich meine 14 Monatsgehälter und 30 Tage Urlaub 2001 an den Nagel gehängt habe, um ihnen Gehör bei Leuten wie Ihnen zu verschaffen...."
Seine Antwort: "...immerhin sagen Sie ehrlich, dass Sie keine Top-Story haben. Ich darf Sie aber neugierig darauf machen: Es gibt diese Storys. Sie werden allerdings nur von wenigen angeboten. Aber genau das zeichnet diese ja dann auch aus. Und Macher, die sich den Allerwertesten aufreißen, kennen wir leider auch schon genug. Aber: Wir könnten ja mal klein anfangen. Ich denke zurzeit über das Thema Perfektionismus nach und suche daher Leute, die sich von dieser "Religion" abgewendet haben und heute sagen: "80% sind eigentlich auch schon ganz gut." Oder: "Erst mal mit der Beta-Version starten, dann kann die Alpha immer noch kommen..." Kennen Sie solche Leute - die das auch mit vollem Namen in ... sagen? Bin gespannt, ob Sie hier das Jesuanische finden..."
Meine Antwort: "...danke für Ihre souveräne Reaktion. Ich denke darüber nach. Vielleicht bin ich auch nur bescheiden, weil nach 20 Jahren im Beruf bin ich recht stolz auf das Portfolio meiner Kunden (und rund 1000 Veröffentlichungen pro Jahr u.a. in Handelsblatt, vdi Nachrichten, FTD etc.), die unser Quintett hier "reißt". Und olle Kamellen wollte ich Ihnen nicht neu als Knaller, die sie teils waren, andienen. Evtl. wird es mit der interaktiven Stromtankstelle (e-Mobility) etwas, die via Handy mit dem Fahrer kommuniziert, via ec-Karte mit der Bank und dann
auch noch dem Stromanbieter. Der Pilot wird derzeit designt und der Markt über Parkhausbetreiber und Kaufhausketten vorbereitet. Und mein Bäcker (620 Jobs, 42 Filialen) beliefert zwar schon seit 2006 alle
ICEs der Bahn, den FC Bayern München und aktuell international 240 Hotels (etliche Steigenberger, Grandhotel Heiligendamm etc.), aber geschrieben hat das in der Systematik noch keiner (für den arbeite ich erst seit April)..."
Seine Antwort: "...versuchen wir es doch erst einmal mit den ehemaligen Perfektionisten..."
Meine Antwort: "..was wäre also der nächste Schritt?"
Seine Antwort am nächsten Morgen: "...hmm, war das so undeutlich? Ich schrieb: Ich denke zurzeit über das Thema Perfektionismus nach und suche daher Leute, die sich von dieser "Religion" abgewendet haben und heute sagen: "80% sind eigentlich auch schon ganz gut." Oder: "Erst mal mit der Beta-Version starten, dann kann die Alpha immer noch kommen..." Kennen Sie solche Leute - die das auch in .... sagen? Bin gespannt, ob Sie hier das Jesuanische finden...
Also: Können Sie mir solche Leute vermitteln?"
Meine Antwort: "Dann muss ich wirklich passen. Wie gesagt (und ich sage nur, was ich halten kann) arbeite ich nur für Markt- und Technologieführer und da müssen die Firmen – zum Beispiel in der Luftfahrt oder Medizintechnik – annähernd 100 Prozent bringen. Aber das ist normal – und deshalb wohl für Sie (und Ihre Leser?) zu banal. Mich „kickt“ es sehr wohl, wie Unternehmer über längere Zeiträume diese Spitzenleistungen bringen. Und dann schaue ich mir die „Prozesse“ an, wie sie mit Menschen („das Jesuanische“) umgehen, neugierig sind, geduldig, beharrlich und Methoden, Strukturen, Strategien entwickeln. Alles nicht neu, wie bspw. Verzeihen, und doch immer neu spannend und ermutigend, wenn es passiert.
Zwar kenne ich auch Firmen, die 80 Prozent bringen, doch erfahrungsgemäß gehen solche Firmen demnächst pleite oder werden von Firmen wie meinen Kunden übernommen (auch wenn die Inhaber nette Menschen sein mögen). Die Tragik unseres Wirtschaftens besteht für mich darin, dass schon 80 % angesichts der Komplexität eine enorme Leistung sind, diese aber längst nicht mehr reichen am Markt. Dafür habe ich schon zu viele Insolvenzen gesehen und als Redakteur früher hartnäckig recherchiert. Die Griechen machen uns das aktuell eindrucksvoll vor. Die mögen zwar psychisch noch 100 % gesund sein, aber im ökonomischen Rating sind sie CCC – und kriegen jetzt auch Schlafstörungen. Lassen Sie mich also wissen, in welchem Heft dieser Beitrag über Beta-Versionen erscheint. Ich werde es kaufen, weil mich die Beispiele interessieren."
Seine Antwort: "...dafür, dass Sie sich eingangs als jemand positioniert haben, der mit viel Kreativität und großem Netzwerk das "Jesuanische" finden kann, passen Sie aber erstaunlich schnell. Sie hätten ja mal kreativ in ihr Netzwerk reinhorchen können. Es bleibt der Eindruck von viel Wind um nichts. Schade. Beste Grüße."
Meine Antwort: "Ich wollte keine Erwartungen wecken, weil ich nicht aktiv suche, wo ich keine (zahlenden) Kunden habe. Selbstverständlich war aber mein Ehrgeiz geweckt, es Ihnen doch evtl. zu zeigen (und Ihnen zu dienen). Spontan bin ich in meinem Netzwerk fündig geworden (nenne nun eine Firma samt Begründung und Kontaktdaten). Vielleicht taugt XXX für Ihre Recherche. Würde mich freuen. Und so kurz nach Pfingsten ist bei mir „Wind“ noch positiv belegt…."
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