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Es lebe die Moral: 23 Jobs weniger

Günter Wallraff, der Robin Hood des investigativen Journalismus, hat uns mal wieder eine Lektion erteilt. Einen Monat jobbte er verdeckt in einer Großbäckerei und berichtete anschließend in "Die Zeit" über die vorgefundenen Missstände bei Hygiene und Arbeitssicherheit. Die Folge: Der betroffene Bäcker macht nun seinen Laden dicht und die 23 Beschäftigten stehen auf der Straße, wie die Allgemeine Bäcker Zeitung ABZ in ihrer jüngsten Ausgabe berichtet.

Und was lernen wir daraus: Zum einen, dass ein aufgeweckter Journalismus möglich ist (warum lesen sich dann aber die Lokalzeitungen so langweilig?), zum anderen aber auch, dass die Grenze zwischen Opfern und Tätern fließend verläuft. Es wäre interessant zu hören, wie die 23 Bäckereiangestellten, die Wallraff als Opfer sah, sich nun fühlen. Immerhin will er sie aus seinem Vermögen unterstützen.

Da könnte er auch gleich vielen freien Journalisten ein paar hundert Euro überweisen. Denn wie die deutschen Medien Beiträge und Fotos ihrer freien Mitarbeiter honorieren - und ich meine jetzt nicht die Goldenene Hochzeit im Lokalblatt - spottet jeder Beschreibung. Und unabhängig ist auch ein Wallraff nicht. Mir fällt da eine Großbäckerei ein, die vor gut zehn Jahren pleite ging, weil viele Bäcker oft blau machten, Waren verbrennen ließen oder wenn sie da waren, stangenweise Zigaretten klauten, die unbewacht in den frühen Morgenstunden für die Auslieferung in die Filialen bereit lagen.

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