leonhard fromm der medienberater

28Sep/110

Eine Frage der Wahrhaftigkeit

Angesichts der Schuldenkrise frage ich mich, welche Erziehung meine Mitbürger, insbesondere Politiker in Deutschland und der EU, genossen haben. Meine Eltern haben mir beigebracht, maximal soviel Geld auszugeben wie ich habe. Eher sollte ich selbst verzichten und aus Solidarität mit Armen etwas spenden. Und im äußersten Fall konnte man sich auch Geld leihen, z.B. für eine Baufinanzierung. Dann war aber klar, dass die Rückzahlung oberste Priorität genießt.

Diese, meine Mentalität trifft nun auf eine internationale Schuldenkrise, in die ich letztlich mit hineingezogen werde. Und kopfschüttelnd stehe ich vor der Verantwortungslosigkeit meiner Mitbürger, letztlich gegenüber unseren Kindern. Weil Bitterkeit über diese asozialen Zustände (in Griechenland stellen jetzt schon die Bürger Bedingungen, unter denen sie evtl. bereit werden Steuern zu zahlen!!!!) die Situation nicht besser macht, erzähle ich hier eine Geschichte, die ich gelesen habe.

In ein griechisches Dorf kommt ein Tourist, um Hotelzimmer für einen anstehenden Urlaub zu inspizieren. Als Kaution für die Zimmerschlüssel hinterlegt er beim Hotelier 100 Euro. Kaum ist der Tourist auf der Etage, begleicht der Hotelier mit den 100 Euro seine Schulden beim Metzger nebenan. Dieser rennt zum Bauern und bezahlt dort seine Schulden. Der Landwirt wiederum bezahlt bei der Genossenschaft die offene Futterrechnung.

Deren Lagerist rennt zur Kneipe und bezahlt seine ausstehende Zeche. Der Wirt wiederum bezahlt, was er einer Prostituierten noch schuldet. Die Hure eilt mit den 100 Euro ins Hotel und begleicht dort ihre Außenstände fürs Zimmer. Als der Tourist eben von der Zimmerbesichtigung kommt und die Schlüssel zurückbringt, händigt der Hotelier ihm die hinterlegte Kaution wieder aus. Und alle scheinen glücklich zu sein.

So ähnlich funktioniert das internationale Banken und Finanzierungssystem. Nur, dass dabei niemand etwas produziert oder leistet. Der Denkfehler in der Geschichte: Jeder hat nicht nur Schulden in die eine Richtung, sondern auch Forderungen in die andere. Somit sind zwar in der Erzählung am Ende alle quitt, aber auch gleichermaßen arm. Der Unterschied zur Realität: Griechenland hat nur diese Schulden, denen aber keine Forderungen gegenüber stehen.

Anders würde die Situation aussehen, wenn das Land bspw. konsequent seine Steuern eintreiben würde, die Menschen bis 65 Jahre (produktiv) arbeiten - oder zumindest nicht schon mit 55 Jahren öffentliche Leistungen beziehen. Statt dessen streiken jetzt aber auch noch die, die bisher gearbeitet haben. Mit 80 Prozent ist die Immobilienbesitzerquote in Griechenland übrigens EU-weit einmalig hoch. Substanz wäre also schon da.

Weil aber niemand konsequent handelt, entstehen Schattenwirtschaften im grenznahen Bulgarien und junge Leistungsträger wie Ärzte oder Ingenieure überlegen zunehmend, ihre Zukunft im Ausland zu suchen. Deutschland gilt auf Grund der Zuwanderungsbewegung aus den 60er/70er Jahren als erste Wahl. Dieses Mal kämen aber keine Bauern, sondern Akademiker. Herzlich willkommen.

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