leonhard fromm der medienberater

15Jul/090

Deutsche Steuerpolitik und Göppinger Honorare

Gegenüber dem Vorjahr hat unsere Agentur im 1. Halbjahr den Umsatz um 20.000 auf 170.000 Euro gesteigert. Das hat unserem GbR-Trio gestern der Steuerberater dargelegt. Damit haben wir das Limit der Selbstausbeutung aber allmählich erreicht, weshalb wir schon länger darüber nachdenken, einen Volontär auszubilden oder einen Redakteur einzustellen. Denn interessante und anspruchsvolle Arbeit ist in unserer Agentur genug vorhanden.

So hatte ich unseren Steuerberater gebeten auszurechnen, was uns ein Volontär jährlich kostet, der monatlich netto 1700 Euro verdient. Das Ergebnis: 40.000 Euro. Kommen dann noch allgemeine Büro- und Fahrtkosten hinzu, liegen wir bei 45.000 Euro. Sollen dann der Betreuungs-, Akquisitionsaufwand und das Risiko der Agentur noch berücksichtigt werden, muss der Volontär jährlich 90.000 Euro Umsatz "machen", damit sich der Aufwand für uns drei GbR-Partner lohnt.

Denn auf die 45.000 Euro Mehrumsatz entfallen 43 Prozent Spitzensteuersatz. Und was übrig bleibt, wird unter uns drei Partnern verteilt. Fazit: Ein sozialversicherungspflichtig beschäftigter Volontär muss fast soviel Umsatz bringen wie ein GbR-Partner mit zehn Jahren Berufserfahrung als Wirtschaftsredakteur. Und dann hat dieser noch 40-Stunden-Woche und 28 Tage Urlaub im Jahr. Rahmenkonditionen, die in unserer Agentur bislang niemand hat.

Das Beispiel zeigt dramatisch, wie leistungsfeindlich unsere Arbeitswelt längst geworden ist und wie sehr die Rahmenbedingungen unsere Euphorie bremsen, etwas zu bewegen. Denn umgekehrt spüren wir bei unseren mittelständischen Kunden eine Preissensibilität, die nur wenig Spielraum für Honorare lässt, die 20 und mehr Prozent höher liegen. Und nur dann könnten wir einen Redakteur beschäftigen, der bspw. 3000 Euro im Monat verdient.

Machen wir also vorerst weiter mit der Selbstausbeutung. Schließlich finden wir viel Freude und Sinn in der Arbeit und haben stets das Bewußtsein, freie Männer zu sein, die niemandem nach dem Mund reden müssen. Ein Privileg, das wir ebenso zu schätzen wissen, wie die Gewissheit, von unseren Kunden gebraucht zu werden, weil wir ihnen einen echten Mehrwert bieten. Weil man unseren Idealismus aber nicht zum Maßstab für Standortpolitik machen kann, halte ich die Diskussionen um die Garantien für Rentner für geschäftsschädigenden Populismus. Damit macht man es noch unwahrscheinlicher, dass Dienstleister wie wir abgabenpflichtige Arbeitsplätze schaffen.

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