Busunternehmer differenziert sich

Binnen Minuten überall servierfähig: Busunternehmer Günter Eisemann schneidet auf dem Rastplatz vor seinem Bus in der Dunkelheit warmen Fleischkäse auf, der die Reisenden bei Laune hält. FOTO: WEINREICH
Bevor ich mich in den kommenden Tagen zu meiner Auszeit in der Nordsee auf einem Zweimaster und am Ruder der "Ambulant" äußere, möchte ich hier eine Impression von unserer Rückreise erzählen. Denn Hin- und Rückfahrt machten das Öhringer Busunternehmen Günter Eisemann, weil dieses mit seiner Verpflegung bereits im Vorjahr unsere Organisatorin beeindruckt hatte.
Seit gestern weiß ich warum: Der 1971 gegründete Familienbetrieb verfügt nur über zwei Linienbusse und einen Reisebus und doch schafft es der 62-jährige Chef, sich am Markt zu differenzieren. Denn der Reisebus führt einen kompletten Garofen mit, in dem der Fahrer wahlweise Nusszopf für den Mittagskaffee oder Fleischkäs für das deftige Vesper vorbereitet.
Gleich zweimal hat der rührige Unternehmer uns gestern auf der Heimreise begeistert. An der holländisch-deutschen Grenze machten wir den ersten Stop und fluchs waren zwei Biertische zu einer Theke aufgebaut, an der die Reisenden wahlweise Kaffee, Tee, zweierlei Nusszopfsorten und Schokolade erhielten. Auch an die Müllentsorgung war gedacht. Am Abend setzte der Chef nach drei Stunden weiterer Fahrt noch einen drauf.
Aus dem Garofen gab es warmen Fleischkäs, den er mit dem Elektromesser ebenso in Scheiben schnitt, wie er die mitgeführten Weckle öffnete. Zur Selbstbedienung standen Senf, Ketchup, Gurken, gekühlte Getränke und Servietten bereit und binnen Minuten hatte jeder einen belegten Wecken in der Hand. Mehr noch: Zum Nachtisch kredenzte der emsige Hohenloher mit viel Herzlichkeit erneut Schokolade und wahlweise sechserlei Liköre und Brände.
Später im Bus erzählte er (mir), dass er diese Art von Gastfreundschaft seit den Gründungsjahren pflegt und seither immer mehr perfektioniert hat. So lies er neben dem Ofen drei Kühlschränke und ein separates Aggregat einbauen, das die Geräte mit Strom versorgt. So bietet er familienfreundliche Touren bis nach Island oder in die Karpaten an, wo er an lauschigen Plätzen ganze Grillpartys herbeizaubern kann. Damit seien die Reisegruppen flexibler, die Gruppe wächst schneller zusammen und darüber hinaus sparen die Teilnehmer noch Geld, weil die Selbstversorgung günstiger ist als teure Rasthofverpflegung. Glückwunsch, Herr Eisemann, zu soviel unternehmerischer Dynamik.
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