leonhard fromm der medienberater

24Okt/114

Britsch liefert einen großartigen Kampf

Der Boxabend am Samstag in der Ludwigsburger Arena mit 4200 Zuschauern hat sich gelohnt: Nicht so sehr wegen Großmaul und WBO-Weltmeister Marco Huck im Cruisergewicht ("ich schlage alles kurz und klein"); auch nicht wegen der Prügelei im Schwergewicht zwischen einem konditionsschwachen, aber routinierten US-Amerikaner Trevis Walker und einem Bulgaren, dessen Namen ich wegen Belanglosigkeit schon wieder vergessen habe.

Aber unbedingt wegen Dominik Britschs Hauptkampf im Mittelgewicht gegen den unermüdlichen US-Amerikaner Billy Lyell, der es dem 24-Jährigen ermöglichte, an diesem Abend an Reife und Erfahrung zuzulegen. Dieser Fight, in dem der Neckarsulmer erstmals in seinem 26. Profikampf über 12 Runden fighten musste, war das schönste, was ich im Boxen seit vielen Jahren gesehen habe.

Das Duell belegte, dass ein guter Boxer einen guten Gegner braucht, um einen hochwertigen Kampf zeigen zu können. Lyell, der sehr wohl auch variantenreicher boxen kann, suchte sein Heil über lange zwölf Runden einzig im Vorwärtsgang. Was man ihm über längstens sieben, acht Runden zugetraut hätte, zog der besttrainierte Techniker über zwölf Runden durch. Für Britsch war dies eine große Herausforderung. Über die ersten sieben, acht Runden zog er wie ein Stratege sein Konzept durch.

Britsch boxt filigran. Mit dem Kopf. Während jeder dreiminütigen Runde lauert er hinter einer kompakten Doppeldeckung auf seine Chance, pendelt, weicht zurück und kommt dann überfallartig meist zweimal pro Runde (das zweite Mal kurz vor dem Gong) mit einem Schlaghagel aus der Deckung und setzt dabei an Kopf wie Körper des Gegners Wirkungstreffer. Das sieht leicht, durchdacht und souverän aus, ist aber schwere Arbeit und fordert ein hohes Maß an Disziplin.

Dass diese Strategie gegen Ende des Kampfes immer weniger aufging, war offenbar der fehlenden Konzentration geschuldet, die Britsch noch nicht über zwölf Runden halten kann. Sie war aber auch dem bienenfleißigen Gegner geschuldet, der trotz aller erhaltenen Treffer immer weiter giftige Attacken ritt. Was mir aber auch gefiel: Wie blitztartig schnell Britsch ansaußenden Fäusten ausweichen kann, die er kommen sieht, und dessen Schlaghagel fast immer aus anderen Kombinationen bestehen, was wunderbar anzuschauen ist.

Dass ich am Sonntag, der normalerweise der Tag mit den schlechtesten Blog-Zugriffen ist, erstmals 200 Klicks hatte, war Dominik Britsch geschuldet. Die allermeisten wollten lesen, was ich über ihn so schreibe. Der Junge wird also mehr und mehr zur Marke und auch sein Trainer Ulli Wegner lobte ihn in den höchsten Tönen. Huck dagegen hätte ich an diesem Abend Firat Arslan, der auch am Ring saß, als Gegner gewünscht. Vielleicht hätte er dann nicht vom Aufstieg ins Schwergewicht gequatscht, sondern sich in Bescheidenheit geübt. Das wäre sympathischer gewesen. Neben ihm aber wirkt der drei Jahre jüngere Britsch wie eine Lichtgestalt für den deutschen Boxsport.

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Kommentare (4) Trackbacks (0)
  1. Wird Dominik Britsch als nächstes gegen Benjamin Simon in den Ring steigen?

  2. Übrigens: Ist Euch auch aufgefallen, dass es eine “Verflechtung” zwischen Robert Rolle (Manager von Simon) und Sportforen.de gibt? Rolle hat dort seinen eigenen Blog und wer sich im Forum von Sportforen.de zu positiv über Dominik Britsch äußert, wird gesperrt – mit Hinweis auf “kommerzielle Interessen des Betreibers”, wenn man den Admin per Mail nachfragt!!!

  3. Hallo Gerry,
    Benjamin Simon sagt mir nichts. Aber wir werden sehen.
    Gruß,
    leo

  4. Hallo Gerry,
    ein interessanter Zusammenhang, dem Sportredakteure wie Jochen Klingowsky von den “Stuttgarter Nachrichten” nachgehen sollten. Für plausibel halte ich solche Zusammenhänge allemal. Dafür bin ich schon zulange im Mediengeschäft.
    Danke für den Tipp.
    Gruß
    leo


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