2011 wird die Welt demokratischer
Tunesien, Libyen, Ägypten, aktuell Syrien. Ein bißchen Birma. Auch Stuttgart 21 und die Abwahl der CDU in Baden-Württemberg. Und die Russen nehmen ihre manipulierte Putin-Wahl auch nicht mehr einfach so hin. 2011 hat sich "das Volk" vielerorts weltweit zu Wort gemeldet und teils - über große Opfer hinweg - einen langen Atem bewiesen. So gesehen, war und ist 2011 ein gutes Jahr für die Demokratie.
Diese Gesinnung des Mitdenkens, der Transparenz und des glaubwürdigen Umgangs bricht sich auch in der katholischen Kirche immer mehr Bahn, zumindest in Europa, wo die Aufklärung am weitesten fortgeschritten ist. In Österreich hat am 19. Juni erstmals eine Pfarrer-Initiative um den frühreren Wiener Generalvikar Helmut Schüller den Klerus zum Ungehorsam aufgerufen.
Dem 59-Jährigen zolle ich großen Respekt. Denn er gab sein Amt als zweitmächtigster Mann hinter dem Bischof zurück, um sich nicht weiter mitschuldig zu machen an all den Ausführungen und Bestimmungen, die nicht mehr der Weitergabe des Glaubens dienen, sondern fast ausschließlich dem Machterhalt des Klerus. Statt dessen ist er nun Pfarrer auf dem Land, wo er den Menschen dient.
Ich selbst bin im Sommer 2010 aus der Kirche ausgetreten, weil ich mit meinen Kirchensteuern nicht mehr Strukturen aufrechterhalten will, in denen Pfarrer und Pastoralreferenten mit kranker Psyche vom System gedeckt werden. Wo augenfällig nicht die Nächsten- und Feindesliebe der Anspruch sind, sondern Selbstverwirklichung und gemütliches Einrichten im etablierten, beamtenähnlichen System.
Mein Bruder, ein Kurskollege des jetzigen Diözesanbischofs Gebhard Fürst, bspw., der der Kirche 13 Jahre als Priester gedient hat und dann vor mehr als 25 Jahren demütig sein Priesteramt aufgab, weil er sich für das Leben mit einer Frau entschied, verlor damals alles. Er jammerte darüber nicht, er lebte die Beziehung aber auch nicht im Verborgenen, sondern stand zu der Frau, die er liebte - mit allen Konsequenzen. Weder wurde er zum Spötter, noch zum Zyniker, wohinein viele Ex-Priester - aus Selbstmitleid - verfallen.
Sogar in die Schweiz zog er, um überhaupt wieder im kirchlichen Dienst - dort als Gemeindeleiter - arbeiten zu können. Vielen Menschen dort ist er ein wundervoller Seelsorger und ein Sprachrohr christlicher Positionen. Doch Mutter Kirche hat ihm lebenslänglich gegeben. Keine Gnade. Nie wieder soll er als Priester die heiligen Sakramente feiern dürfen. Weil er so ehrlich war, seine Beziehung öffentlich zu machen. Der Protest wächst.
Laut einer Studie stehen bundesweit eine Million Christen vor ihrem Kirchenaustritt. Ich denke, vielen geht es mittlerweile nicht mehr darum, Geld zu sparen. Im Gegenteil. Ich spende bspw. seither gezielt mindestens das Doppelte, weil mich authentische Christen mit ihrer Leidenschaft begeistern und diesen Geist möchte ich mit Geld weiter entfachen. Immer mehr treten aus, weil sie diese leere Hülle in ihrer Verlogenheit anekelt. Ich denke, erst dieser Reinigungseffekt, die Karthasis, wird den Geist Gottes IN der Kirche wieder entfachen.
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