leonhard fromm der medienberater

21Mrz/120

Facebook belegt wieder nur zweiten Platz

Ermunterung zur Abi-Prüfung: Wichtige Botschaften werden nun mal auch heute noch primär konventionell verbreitet (und nicht per Facebook).

Ermunterung zur Abi-Prüfung: Wichtige Botschaften werden nun mal auch heute noch primär konventionell verbreitet und nicht per Facebook. Gesehen am Göppinger MöGy.

Da musste ich diese Woche schon mehrfach schmunzeln. Die junge Generation scheint nur noch im Internet und insbesondere auf Facebook zu sein und dann das: Die Gymnnasien wie das Mörike-Gymnasium in Göppingen sind ringsum mit beschrifteten Leintüchern und Plakaten dekoriert, auf denen Freunde und Geschwister ihre Allerliebsten zur schriftlichtlichen Abiturprüfuing ihrer besten Wünsche versichern.

Das Beispiel belegt meine These ganz deutlich: Im Internet wird viel geblubbert, aber wenn es substanziell wird, zählt das gedruckte Wort. Und: Sprachlich meist verstümmelte Botschaften hätten die Autoren auch via Facebook den gestressten Prüflingen zukommen lassen können, doch eine breite und emotionale Wirkung erzielt erst das Transparent an der Hauptverkehrs- oder Mörikestraße, wo täglich tausende die Botschaft wahrnehmen.

Erst kürzlich hatte ich in der Zeitschrift Wissensmanagement (2/2012, März) das Thema Social Media eher kritisch beleuchtet. Klar wird es immer mehr an Bedeutung gewinnen, zumal es durch seine Interaktivität und Omnipräsenz unschlagbare Vorteile bietet, doch der Inhalt wird immer wichtig bleiben und die Orientierung an der Zielgruppe, der Leserschaft.

Mein Beispiel: Es gibt heute noch Weltmarktführer, die auf Facebook nur 35 "Freunde" haben. Davon scheint der Erfolg also (noch) nicht abzuhängen. Auch Jule, Tina, Kim-Vanessa und all die anderen Abiturienten müssen übrigens primär etwas im Kopf (und Charakter) haben, um ihre Klausuren zu meistern. 600 oder 1000 Freunde auf Facebook helfen da auch nicht weiter.

19Mrz/120

Eine Frage der Wahrhaftigkeit

Am Rand einer Preisverleihung in der L-Bank am 28. Oktober 2010: Ich lerne Stefan Mappus persönlich kennen.

Am Rand einer Preisverleihung in der L-Bank am 28. Oktober 2010: Ich lerne Stefan Mappus persönlich kennen.

Mehrfach haben mich nun Freunde aufgefordert, auf meiner Homepage in der Rubrik "Fromm & Friends" das Foto mit Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus zu entfernen, schließlich sei der Mann nach seinem ENBW-Deal am Landesparlament vorbei und seinem Umgang mit dem Thema Stuttgart 21 nicht mehr tragbar. Mappus wird aber in der Rubrik bleiben. Aus guten Gründen.

Zum einen soll diese Rubrik unterhaltsam visualisieren, an wen ich beruflich so herankomme und seinerzeit war Mappus erst wenige Wochen Ministerpräsident. Zum anderen bekenne ich mich zu Beziehungen, Taten oder Positionen, die ich im Laufe meines Lebens einmal eingenommen habe - und zwar unabhängig von deren aktueller Nützlichkeit. Das hat für mich etwas mit Wahrhaftigkeit zu sein. Einem Wert, den ich mir in unserer Gesellschaft viel mehr wünschen würde.

Gäbe es bspw. ein Foto von Ex-Bundespräsident Christian Wulff mit mir, würde dieses auch in der Rubrik bleiben - als Dokument der Zeitgeschichte, um es mal presserechtlich zu formulieren. Allerdings hätte ich schon früher vermutlich keinen Aufwand betrieben, um ein solches Motiv zu beschaffen. Mich hat nämlich Wulff noch nie sonderlich überzeugt.

An Mappus hingegen gefiel mir die Angriffslust, die ich von meinem Wesen kenne. Klar heraus sagen, was man denkt statt abzuwägen. Denn dahinter steht nicht immer Diplomatie. Oft ist es auch Feigheit. Und: Viele Charakterzüge, die Mappus' Gegner an ihm kritisieren, wie zum Beispiel seine Selbstgerechtigkeit, diagnostiziere ich auch bei ihnen. Denn der Fanatismus, mit dem mancher Parkschützer diskutiert, irritiert mich mindestens ebenso. Deshalb: Hier nochmal das Foto.

16Mrz/122

Panik-Familie, vielen Dank für den Abend

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Auf das Udo Lindenberg-Konzert gestern Abend in der Stuttgarter Schleyerhalle hatte ich mich fünf Monate gefreut: Meine (hohen) Erwartungen hat der 65-Jährige, der mich mit seinen Songs für alle Lebenslagen schon seit mehr als 30 Jahren begleitet, sogar übertroffen. Der Meister der Lyrik war konditionell und gesanglich hervorragend drauf; seine Freude, für uns zu spielen, war echt; und die Bühnenschau einfach der Hammer.

Das begann schon mit dem gigantischen Zeppelin, der ihn auf die Bühne brachte, und endete mit dem Finale, bei dem über die gesamte Bühnenbreite eine Feuerwand rhythmisch zu den Trommelschlägen von Bertram Engel immer wieder emporschoss und deren Hitze in den erregten Gesichtern brannte. Viel wichtiger als die Effekte aber waren mir die ehrlichen Texte von Udo und der perfekte Sound seiner Panikfamilie, die 2013 ihr 40. Bühnenjubiläum feiert.

Dass Udo trotz der freudigen Stimmung immer wieder politisch wurde und auf seine Stiftung verwies, die Hilfsprojekte in Afrika unterstützt; an den "Verbrecher Assad in Syrien" erinnerte, "der auch während wir hier Spaß haben Menschen erschießen und hinrichten lässt" und das Veto Rußlands und Chinas in der UN gegen Sanktionen gegen ihn kritisierte, machte deutlich, dass er trotz allen Erfolgs der ehrliche Mahner und Kritiker geblieben ist.

Gleich zu Beginn dankte er seinen Zuhörern in der ausverkauften Halle für die Treue über all die Jahrzehnte. Er wisse, dass seine Songs auch uns stets begleitet hätten bei Liebeskummer, im Kalten Krieg oder in der Sorge um die Umwelt. Und tatsächlich wurde das knapp dreistündige Konzert mit allerlei Zugaben zum Streifzug durch diese Zeiten. Ob "Mädchen aus Ostberlin", "Wozu sind Kriege da?", "Meine erste Liebe" oder natürlich - neu arrangiert "Cello" von seiner ersten LP "Andrea Doria" 1973 - die Songs gingen unter die Haut, weckten Assoziationen und (Jugend-)Erinnerungen.

Tatsächlich war Udo auch in meinem Leben eigentlich immer da. Allerdings habe ich ihn erst im März 2008 (nach dem Scheitern meiner zweiten Ehe) mit dem Kauf der CD "Stark wie Zwei" für mich neu entdeckt und zu Weihnachten schenkte mir nun meine Tochter Lea die CD "Udo Lindenberg unplugged - Live aus dem Hotel Atlantic", weil die Zwölfjährige wußte, was mir seine Musik bedeutet. Mittlerweile hört sie diese selbst und kann bei "Cello" mitsingen.

Für mich waren "Horizont" (von 1986) und "Reeperbahn" im Duett mit Jan Delay gegen Ende des Konzerts die Höhepunkte. Aber auch den Tastenvirtuosen Jean-Jacques Kravetz oder Gitarrist Hannes Bauer und die anderen exzellenten Musiker bei der "Honky Tonky Show" und anderen Rock 'n' Roll-Nummern bei der Arbeit zu sehen. Es war ein Vergnügen zu fühlen, wie sie sich regelrecht blind verstehen. Und nachdem Hannes Bauer in Schorndorf verheiratet ist, kann ich diesen vielleicht mal persönlich kennenlernen, wenn diese wirklich geile Tournee zu Ende ist.

14Mrz/120

Premiere: Geo-Cleaner in Patagonien

Mauro Magnetto findet selbst an der Cabo Virgenes, der argentinischen Südküste, weggeworfene Plastikflaschen, die er nun als Geo-Cleaner sammelt. FOTO: FROMM

Mauro Magnetto findet selbst an der Cabo Virgenes, der argentinischen Südküste, weggeworfene Plastikflaschen, die er nun als Geo-Cleaner sammelt. FOTO: FROMM

In Patagonien habe ich den argentinischen Studenten Mauro Magnetto für die Geo-Cleaner geworben. Er will sich diese Tage registrieren, womit wir eine Depandance in Buenos Aires hätten. Bei einem Strandspaziergang am südlichsten Kontinetalzipfel sammelten wir an einer einsamen Küste, an der nur vereinzelt Möwen und Pinguine saßen, einige Plastikflaschen ein.

Zu Hause habe ich nun gelesen, dass es auf den Weltmeeren mittlerweile fünf große Wasserwirbel voller Plastikmüll gibt. Der "Great Pacific Garbage Patch" erstreckt sich demnach mittlerweile über eine Fläche von der Größe Westeuropas. Das rührt daher, dass Flüsse Flaschen, Plastiktüten und anderen Kunststoffunrat in die Meere schwemmen.

Gezeiten und Wellengang zermahlen den Kunststoffteppich in winzige Partikel, die dann Fische, Robben oder Wale mit der Nahrung aufnehmen. Über die Nahrungskette landet dieser Abfall auf unseren Tellern - und in uns. Die Chemikalie Bisphenol A (BPA) lässt sich demnach laut US-Studie deshalb in weit überhöhter Konzentration in uns Menschen nachweisen.

Plastik und Kunststoffe enthalten aber auch wertvolle Mineralöle, die es zu recyceln gilt. So können diese etwa zu Campingstühlen (111 Flaschen), Rucksäcken (22) oder Plüschtieren (10) verarbeitet werden - und die Natur bleibt unbeschadet. Ein Grund also mehr, Geo-Cleaner zu werden.

12Mrz/120

Seminargeschäft zieht wieder an

Es ist schon interessant: Fast drei Jahre habe ich kaum Vorträge und Workshops rund um Pressearbeit ("So kommen Sie in die Medien!"), Firmenpositionierung ("So kommen Sie in die Köpfe Ihrer Kunden!") oder Marketing ("Kommunikation für jedes Budget!") gehalten und nun häufen sich Termine und Anfragen geradezu unerwartet. Ob dies ein allgemeiner Trend ist oder daran liegt, dass meine Bekanntheit in der Branche steigt, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich freue mich einfach über die Resonanz, zumal mir das Referieren und Menschen begeistern liegt.

Los geht es kommenden Samstag in Karlsruhe, wo ich um 14 Uhr vor ca. 15 Unternehmern über Pressearbeit spreche, die sich quartalsweise zu unterschiedlichsten (Management-)Themen austauschen. Interessanterweise kommt ein Vorstandsvorsitzender aus Hamburg dazu, dessen Marketingleuten ich vorige Woche ein Angebot über einen PR-Workshop abgegeben hatte.

Am Dienstag, 27. März, gebe ich in der Finanzbranche einen Workshop für selbstständige Makler. Auch hier werden ein, zwei Teilnehmer aus deren Zentrale dabei sein, weil es die Überlegung gibt, grundsätzlich mit mir und meinem Büro zu kooperieren. Ich kann mir dazu mehrere Ansätze vorstellen. Zwei Tage später referiere ich bei der Mitgliederversammlung der Dachdeckerinnung in Stuttgart vor rund 70 Mitgliedern. Dort habe ich eine Stunde Zeit, potentielle Neukunden zu gewinnen.

Am Dienstag, 17. April, treffe ich mich mit den Führungsleuten eines anderen Verbands auf Landesebene, der gut 400 organisierte Mitglieder hat. Auch hier geht es darum, Präsident, Geschäftsführer und Marketingverantwortlichem vorzustellen, wo ich Verband und Mitgliedern Nutzen stiften könnte und wie ich dabei vorgehen würde. Da passt ins Bild, dass ich am Donnerstag ausgiebig mit einem Verlagsleiter telefoniert habe. Um seinen Lesern einen Mehrwert zu bieten, veranstaltet auch er häufig Fachtage insbesondere in München und Stuttgart mit lokalen Partnern. Dabei sucht er immer wieder interessante Referenten. Als solchen schätzt er auch mich ein.

Mal sehen, was daraus wird, zumal mich in der Vergangenheit auch schon solche Zuhörer wiederum für Veranstaltungen bei sich gebucht haben. Es sind genau solche Meetings, die mir gefallen, meine Kreativität aufzeigen zu dürfen und den Beteiligten passgenaue Lösungen zu zimmern. Bin also mal gespannt, was das erste Halbjahr noch so bringt.

7Mrz/120

Naturschauspiel in den Tagesthemen

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In den Tagesthemen haben sie am Montag das Naturschauspiel des Glaciar Perito Moreno in Südpatagonien gezeigt, der in der Nacht zum Sonntag mal wieder eingebrochen ist. Doch weil dies wie gesagt bei Nacht geschah, konnten die Aufzeichnungen keine Originale sein, sondern müssten vemutlich vom Oktober 2007 stammen. Der Hinweis darauf unterblieb aber. Zu sehen war vermutlich das Spektakel vom Oktober 2007, auf das auch ich hier verlinkt habe.

Regelmäßige Blog-Leser erkennen den Themenbezug. Auf meiner Partagonienreise war auch ich am 25. Februar mehrere Stunden am Glaciar, der gut 50 Kilometer entfernt von Calafate liegt, wo wir im Ferienhaus von Mauros Vater direkt am Lago Argentino mehrere Tage residierten (ca. 3000 km südlich von Buenos Aires). Fast ständig brechen entlang der drei Kilometer breiten und gut 70 Meter hohen Gletscherkante irgendwo tonnenweise Eisschollen ab.

Gudrun Fischer, Leo Fromm und Mauro Magnetto (v.l.) am 24.02. am Glaciar Perito Moreno. FOTO: Cris

Gudrun Fischer, Leo Fromm und Mauro Magnetto (v.l.) am 24.02. am Glaciar Perito Moreno. FOTO: Cris

So eindrucksvoll wie auf diesem Video erlebten wir das Naturschauspiel nicht und doch faszinierte es uns und hunderte andere Touristen, die auf den Gallerien gegenüber des Gletschers im Sonnenschein hemdsärmelig flanierten. So weiß ich seither, dass der Glaciar Perito Moreno weltweit nahezu der einzige Gletscher sein dürfte, der noch wächst. Um je circa einen Meter schiebt er sich pro Tag in den Fluss vor.

Entspechend brechen diese Teile ab und treiben dann als mehr oder weniger große Eisschollen in dem azurblauen Wasser. An der Stelle links allerdings versperrt er dem Fluss regelmäßig den Weg, sodass sich das Wasser oberhalb staut und unterirdisch so langsam einen Durchgang schafft, der dann immer größer und sichtbarer diesen Eistunnel schafft, der dann alle vier, fünf Jahre spektakulär in sich zusammenbricht.

5Mrz/120

Kontrollen demütigen Demokratie

Nicht nur 14 Tage Buenos Aires und Patagonien liegen hinter mir, sondern auch jeweils drei Hin- und Rück-, sowie drei Inlandsflüge. Das heißt auch: Neun Check-ins und Sicherheitskontrollen auf den unterschiedlichen Flughäfen in Stuttgart, Amsterdam, Sao Paulo und Argentinien. Dabei werden täglich Millionen Menschen und deren Gepäckstücke durchleuchtet und abgetastet und die lächerlichsten Details auf Sprengstoff hin überprüft oder einbehalten.

Viele Reisende mag dies in ihrer Angst vor Terroristen und in der Sorge um die eigene Unversehrheit beruhigen. Mich empört dieser massenhafte Aufwand. Denn im Sekundentakt lassen sich hier Millionen brave Bürger wahrhafter Demokratien dauerhaft und ohne konkretes Verdachtsmoment von den destruktiven Potentialen einiger ganz, ganz weniger Radikaler vorführen.

Im Wissen um diesen Einfluss auf den freien Reiseverkehr selbstbestimmter Menschen souveräner Nationen, in denen Generationen von Vorfahren große Opfer gebracht haben, um heute tolerat und völkerverbindend leben zu können, hat die Gesellschaft der freien Welt diesen Terroristen schon viel zu viel Macht über unsere Leben verliehen. Wenn Angestellte nachweislich unbescholtenen Reisenden massenhaft in den Schritt fassen oder Frauen sich halb entblößen müssen,  um deren Vorschriften gerecht zu werden, beschämt dies mit jedem Akt aufs Neue unsere Demokratien.

Ich würde gerne auf jegliche Art von Kontrollen verzichten, um den Reisenden (und Sicherheitsleuten) und der Demokratie ihre Würde zurück zu geben, die sie allen anderen Systemen so überlegen macht. Denn wie Steuerhinterzieher auch, sind die Terroristen den Bürgern immer einen Schritt voraus und bahnen ihrem Verbrechen einen Weg. Und - philosophisch betrachtet - wohnt bereits dem Geboren-werden ohnehin das Sterben inne.

Also sollten wir unser Streben besser darauf ausrichten, jeglichem Terror schon in der Erziehung und in den Strukturen unserer Gesellchaften den Boden zu entziehen. Und wir sollten uns disponieren, überall dort dem Gewalttäter paroli zu bieten, wo er mit Gewalt (und sei es nur die Nagelfeile im Flugzeug) unser Gemeinwesen oder einen einzelnen bedroht. Ja, das sind so meine Gedanken, wenn ich so unmittelbar konfrontiert mit dem Thema in der Transitzone oder im Flugzeug Zeit habe, über das Reisen und die damit verbundenen Kontrollen nachzudenken.

Ein anderer, sehr positiver Aspekt beim internationalen Reisen ist für mich die Erfahrung, dass sich Menschen dutzender, vielleicht sogar aus 100 und mehr Nationen auf solch großen Flughäfen begegnen und mit Worten, Gesten und Blicken sich gegenseitig Wertschätzung und Respekt vermitteln. In solchen Situationen spüre ich, dass alle Menschen auf der Welt gleich sind: Sie sind durstig, müde, neugierig, aufgeregt - und in aller Regel gut.

2Mrz/120

Suedlichste Stadt der Welt: Ushaia

Mein zweiwoechiger Argentinienurlaub neigt sich dem Ende zu. Seit zwei Tagen sind wir in Ushaia, der suedlichsten Stadt der Welt. Gestern trafen wir im National Park den Goeppinger Baecker Weiler mit seiner juengsten Tochter Verena, die in Stuttgart studiert. Die beiden waren auf dem Rueckweg aus der Antarktis, die der 57-Jaehrige bereisen wollte, nachdem er zum Jahreswechsel seinen Betrieb verpachtet hatte und nun Privatier ist.

Dies war eine gute Einstimmung auf die Rueckkehr, den selbstverstaendlich sprachen wir auch ueber Goeppingen und tauschten Reiseeindruecke aus. Drei Stunden durchstreiften wir noch gemeinsam den dschungelartigen Wald im Nationalpark, der sich seit 1960 voellig selbst ueberlassen bleibt, ohne dass Ranger hier etwas kultivieren wuerden.

Auch dieses Naturschauspiel war einzigartig. So trafen wir auf grosse Wildhasenkolonien, konnten Greifvoegel aus naechster Naehe beobachten und sahen verrottende Baumstaemme in den unterschiedlichsten Verfallszustaenden. Mittlerweile haben wir rund 50 Postkarten geschrieben, die wir aber alle erst in Buenos Aires morgen aufgeben werden. Damit steigt die Chance, dass sie jemals ihr Ziel erreichen, hat uns Mauro gewarnt.

Ehrlich gesagt, bin ich auch auf meine Rueckkehr neugierig - und auf meine Arbeit. Bewusst habe ich zwei Wochen das Internet gemieden, um wirklich im Hier und Jetzt zu sein. Dennoch trage ich in meinen Gedanken meine Kollegen, Mitarbeiterine und Kunden mit und bin gespannt, was uns allen dieses Jahr noch an Chancen und Herausforderungen bringt. Also, bis Montag. Buenos tardes.

22Feb/120

Mauro ist einer von uns

Wenn es einen Beweis gebraucht haette, weshalb ich am Montag 25 Stunden nach Buenos Aires zu Mauro unterwegs war, waere dieser bereits gestern erfolgt. Muede vom Sightseeing des Regierungssitzes, der Kathedrale, des Parlaments, der Oper und mancher Plaetze und Denkmale, sass ich mit meinem argentinischen Gastgeber in einem Cafe. Unter anderem erzaehlte er, dass er an der Uni, an der er Volkswirtschft studiert, eine Initiative gegruendet hat.

Seither betreut er mit 20 einheimischen Tutoren 70 Studenten aus Europa, Nord- und Suedamerika. Sie klaeren ganz praktische Fragen, wo es Zimmer gibt, was an der Fakultaet zu beachten ist oder helfen bei Behoerdenkram und Telefonaten. Wer Mauro kennt, weiss, dass er auch Tipps hat, wo man in einer alten Fabrikhalle argentinischen Tango lernen kann oder welche Disco die Gaeste nicht uebers Ohr haut.

Als Mauro das gestern eher beilaeufig in fluessigem Deutsch erzaehlte, war ich richtig stolz auf ihn. Und ich spuerte, was unsere Freundschaft ausmacht. Er will die Welt auch besser machen und dazu ganz konkret seine Beitraege leisten.

Seine Reisebegleitung in den kommenden zehn Tagen ist ein grosses Geschenk fuer Gudrun und mich. Auch hier in Buenos Aires managt er die Dinge virtuos fuer uns, wenn es etwa keine Tickets mehr fuer eine Stadtrundfahrt gibt oder er Einheimische anspricht, damit sie unser Trio alle zehn Minuten vor irgeneinem Monument fotografieren.

Morgen fliegen wir um 5.30 Uhr weiter nach Rio Gallegos, Mauros Heimatstadt in Patagonien. Nach drei Stunden Inlandsflug nach Suedpatagonien, fahren wir weitere zwei Stunden nach Virgenas, um Pinguine zu treffen. Auch nach Ushuaia, den suedlichsten Punkt Agentiniens kommen wir, aber zuvor wandern wir im chilenischen Grenzgebiet.

19Feb/122

Lokaljournalismus hat viel Redebedarf

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Dieses Video legt derzeit um rund 100.000 Klicks pro Tag zu - soviel zum Thema Relevanz. Gemacht wurde die Umfrage zum Valentinstag, der jetzt gerade Mal sechs Tage her ist. Statt mich aber über diesen Senior lustig zu machen, der sicher etwas Oberlehrerhaftes hat, möchte ich zwei andere Punkte aufgreifen.

Zum einen das Mädchen, das im Auftrag des deutschen Journalismus loszieht, Passanten zu fragen. Auch ich habe bei Jürgen-Dieter Ueckert 1989 im Privatradio "Radio Regional" in Heilbronn erste Erfahrungen als Reporter gesammelt. Dermaßen einen Wortschwall unkanalisiert laufen zu lassen und damit die Hoheit über ein Interview zu verlieren, hätte es bei uns nicht gegeben.

Und, weil mir der Leipziger einen gebildeten Eindruck macht, woher kommt der Redebedarf dieses Mannes? Er hört sich für mich an wie einer, bei dem 20 Jahre Billigjournalismus und seichtestes Entertainment zu Überreaktionen geführt haben, die er nun erbricht, wo er mal die Chance dazu wittert.

Seine Empörung kann ich deshalb in Ansätzen nachvollziehen. Wer hört noch zu? Alle scheinen zu plappern. Zum Glück habe ich aber andere Ventile, meinen Frust über allzu viel Quatsch - wie etwa den jährlichen Valentins-Hype, die Grippewelle und sonstige Krankheiten, unter denen vor allem der gute alte Lokaljournalismus mittlerweile bundesweit zu verblöden droht (Leser ins Blatt!!!!) - abzureagieren.

Und nicht immer fahre ich dazu, wie nun im konkreten Fall, in wenigen Stunden nach Argentinien. Meine geneigten Leser aber möchte ich mit dieser Schmunzette grüßen und bitten: Bleiben Sie mir und meinem Blog gewogen. Am 5. März geht es hier weiter. Beste Grüße.