leonhard fromm der medienberater

14Okt/080

Wackelfreie Bilder stehen für Qualität

Weil der Generation Internet die Allgemeinbildung und vermutlich auch das Interesse fehlt, journalistische Kompetenz zu überprüfen, werden Nachrichten nicht mehr an Inhalt oder Relevanz gemessen, sondern an ihrer Konsumierbarkeit. Folgerichtig ist der technisch richtige Umgang mit der Videokamera wichtiger als das Wissen um Presserecht (und -pflicht), Recherchetechniken oder das Bewerten von (Recherche-)Quellen. Ohnehin geht ein Trend der Verlags- und Medienhäuser dahin, Reporter auszusenden, die schreiben, fotografieren, Originaltöne aufnehmen und filmen in einer Person realisieren. Damit kommt der Newsdesk an preisgünstigen Content, den er sofort ins Internet stellen, auf Sendung schicken oder in den Printmedien verwerten kann.

Die Lösung muss nicht zwingend schlecht sein. Denn der Einzelkämpfer wirkt weniger beängstigend auf viele Zeitgenossen, von denen man möglichst authentische Statements (in möglichst kurzer Zeit) haben will, als das fünfköpfige Filmteam, in dem die IG Medien regelt, dass es einem Redakteur nicht zumutbar sei, das Kabel zu tragen oder er nur fotografieren soll, wenn ihm das Foto extra vergütet wird (aus Solidarität mit den Pressefotografen). Die geringeren Kosten des Einzelkämpfers würden im Einzelfall auch aufwändigere Recherchen über eine längere Zeit, z. B. Begleitung eines Sterbenden oder Arbeitslosen, erlauben oder Recherchen im Ausland oder unter extrem widrigen Bedingungen.

Gerade dann aber, wenn der Einzelne quasi alles leisten muss, braucht er eine umso bessere Ausbildung und Berufserfahrung, um bspw. auch sozial und empathisch richtig zu handeln oder Gefahren realistisch einzuschätzen. Statt dessen werden die Billigheimer, meist Studenten oder Studienabbrecher, in vielen Redaktionen nach einer Minimalsteinweisung losgeschickt nach dem Motto: Erfahrung und Professionalität kommen mit dem Üben.  Statt Nachrichten werden dann eher Peinlichkeiten und Indiskretionen geliefert, die die werberelevante Zielgruppe aber ohnehin lieber und leichter konsumiert. Das oberste Qualitätskriterium sind dann wackelfreie Bilder, wie sie auf YouTube zu tausenden zu sehen sind.

Formate wie die "Sendung mit der Maus", "Galileo" oder "Willi will's Wissen" heben sich dagegen wohltuend ab, weil sie Hintergründe spielerisch und verständlich erklären und visualisieren. Generell wären mehr neue Formate wünschenswert. Denn auch von Bild oder DSDS kann man lernen und macht man nur eine Art "Big Brother" mit Menschen, die sich auf eine große Aufgabe vorbereiten, z.B. eine Berufsprüfung oder einen Marathonlauf. Dann treffen sich auch wieder Information und Didaktik.

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