leonhard fromm der medienberater

25Mai/110

Sexaffären: Schreiben oder schweigen

Silvio Berlusconi, Jörg Kachelmann, Arnold Schwarzenegger oder nun Dominique Strauss-Kahn: Prominente und ihr (sexuelles) Privatleben sind immer wieder ein Streitpunkt im Presserecht und in der Medienethik. Grundsätzlich, so habe ich es 1991 im Volontariat gelernt, genießen Prominente in ihrem Privatleben dieselben Schutzrechte wie alle anderen. Ob sie also betrunken Auto fahren, im Bordell gesehen oder sexuell übergriffig werden, hat in den Medien nichts zu suchen.

Anders liegt der Fall, wenn sich der Politiker zuvor öffentlich für eheliche Treue oder Nüchternheit am Steuer ausgesprochen hat. Dann müssen Medien seinen Verstoß thematisieren, weil es um seine (Un-)Glaubwürdigkeit geht. Oder wenn sich Lothar Matthäus mit ständig neuen Studentinnen in seinem ersten Liebesglück vor die Paparazzi stellt, thematisiert er selbst sein Liebesleben - und für Redakteure gehört dann das öffentliche Scheitern dazu.

Im internationalen Maßstab, wie im Fall von Strauss-Kahn, liegt der Fall nochmals anders. Darf er nach US-Medienrecht bereits als Verdächtiger in Handschellen gezeigt werden, gilt zwar hierzulande noch die Unschuldsvermutung. Die US-Bilder wiederum dürfen aber - im Sinne der Informationspflicht - als Zeitzeugnisse gezeigt werden. Gerade diese rechtlichen Lücken nutzen unter dem Wettbewerbsdruck längst nicht mehr nur Boulevardpresse und -sender.

Andererseits fragen sich in Ländern wie Frankreich, Italien oder Griechenland, wo die Medien ziemlich großzügig mit den Schwächen Prominenter umgehen, viele Redakteure, ob ihre diskrete Haltung noch richtig ist. Denn gerade im Fall von Strauss-Kahn wird erst jetzt bekannt, dass offenbar viele Journalisten wussten, dass insbesondere attraktive Frauen nicht alleine mit dem 62-Jährigen in einem Zimmer sein durften, wollten sie nicht von dem Ex-IWF-Chef belästigt werden, der sich wohl für unwiderstehlich hielt.

Auch im Fall Schwarzeneggers tauchen erst jetzt Gerüchte auf, wonach der "Gouvernator" aus Kalifornien noch weitere uneheliche Kinder habe. Und Berlusconis Escapaden thematisierten die Medien erst, nachdem sich seine Ex-Frau öffentlich über ihn beschwert hatte. In Ungarn andererseits, wo die Medien heute ihre Freiheit genießen, wird sehr offen über Seitensprünge und sexuelle Neigungen von Politikern geschrieben. Deren Leser regt das nicht auf, weshalb solche Berichte auch noch nie zu Rücktritten führten.

Die Stuttgarter Nachrichten berichten nun, Strauss-Kahn habe offenbar eine PR-Agentur und eine Detektei beauftragt. Dies legt den Eindruck nahe, man habe ihn in eine Falle gelockt, um ihn als Präsidentschaftskandidat der Sozialisten in Frankreich zu diskreditieren. Dazu passt, dass seine Frau sich zu ihm bekennt. Umso wichtiger ist deshalb, jetzt um seine Schürzenjäger-Aspekte zu wissen, um sich nicht blenden zu lassen. Ja, investigativer Journalismus von kompetenten Redakteuren ist schon spannend.

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