leonhard fromm der medienberater

12Mai/112

Mit eiserner Faust zu mehr Disziplin

Bei Goldblau finden vor allem Migrantenkinder Anschluss an die deutsche Gesellschaft - durch Boxen.

Bei Goldblau finden vor allem Migrantenkinder Anschluss an die deutsche Gesellschaft - durch Boxen.

Weil Boxen immer wieder als primitiv diskreditiert wird und sich Menschen wundern, dass mich der Faustsport fasziniert, möchte ich heute über das Jugendprojekt "Cool Sports" des Stuttgarter Sportvereins Goldblau Stuttgart berichten, der am Pragsattel im Stadtteil Feuerbach sein Box-Gym hat. Bis zu 20 unter 18-Jährige trainieren dort täglich ab 18 Uhr parallel unter Leitung von Landestrainer Alexander Geier.

Angelockt werden die jungen Leute, oft Migranten ohne Schulabschluss, durch gelegentlich öffentliches Schautraining etwa auf dem Schloßplatz in Stuttgart. Das erzeugt Aufmerksamkeit unter den jungen Leuten, die oft gelangweilt herumhängen. Sie können dann einen Monat kostenlos trainieren und auch Angebote wie Judo, Aikido oder Sambo, eine russische Kampfsportart mit japanischen Wurzeln, ausprobieren.

Die Erfahrung der Verantwortlichen ist immer wieder dieselbe: Über das gemeinsame Training finden die Teilnehmer Freunde und steigern ihr Selbstbewußtsein. Und wer kaum Deutsch spricht, fällt nicht auf, weil das meiste mit dem Körper geht und ohnehin immer jemand da ist, der übersetzen kann. Die Sprachkompetenz kommt dann mit der Zeit. Überhaupt hängen im Gym dutzende Flaggen, die für alle Länder stehen, aus denen die Vereinsmitglieder kommen.

Wer zum Schnuppern kommt, merkt schnell, dass das Boxen viel spannender ist als jedes Computerspiel und interaktiver. Und weil Goldblau auch fünf deutsche Meister und mehrere Bundeskaderathleten in seinen Reihen hat, ist der Aufstieg zum Leistungssport fließend. So verbinden sich soziales Engagement und Leistungsbereitschaft zu einer guten Mischung, die den jungen Leuten auch außerhalb des Vereins weiterhilft.

Aufmerksam auf dieses Beispiel bin ich durch einen Artikel in den Stuttgarter Nachrichten geworden. Demnach trainieren dort auch die Brüder Aznauer (18 ) und Ansor (15) Gasanov, die als Kinder mit ihren Eltern aus dem zerstörten Nordkaukasus gekommen waren. 2009 wurde Aznauer internationaler deutscher Vizemeister im Mittelgewicht. Ansor wurde im Weltergewicht bei den U15 deutscher Meister. Und Goldblau ist nur ein Beispiel, wie Boxen beim Sozialisieren hilft.

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  1. Toller Independent-Film dazu: “Girlfight – Auf eigene Faust” (2000): Die junge Diana Guzman aus Brooklyn neigt nach dem Selbstmord ihrer Mutter zu Gewaltattacken in der Schule. Durch ihren Bruder Tiny wird ihr Interesse am Boxen geweckt und sie schafft es langsam, sich wieder in ihre Umgebung zu integrieren. http://de.movies.yahoo.com/g/girlfight-auf-eigene-faust/index-78590.html

  2. Danke für den Hinweis. Werde mir den Film mal anschauen. Gruß, leo


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