leonhard fromm der medienberater

3Sep/100

“Thilo Sarrazin hat recht”

Provokation verschafft Publizität: Dieses Buch ist bereits vergriffen.Unter dieser Überschrift haben die Stuttgarter Nachrichten gestern ein großes Interview mit dem CDU-Innenexperten Wolfgang Bosbach - gegen den Mainstream - veröffentlicht. Genützt hat es dem Bundesbank-Vorstands- und SPD-Mitglied Thilo Sarrazin nichts. Seine Vorstandskollegen beschlossen gestern, dass der Provokateur gegen integrationsunwillige Ausländer seinen Posten verlieren soll, die Bundeskanzlerin begrüßt den Schritt und die meisten Medienbeobachter ohnehin.

Dass Sarrazin meiner Meinung nach im Kern Recht hat, habe ich bereits am 12. Oktober 2009 in diesem Blog unter der Headline "Sarrazin bedient Medienreflexe" geschrieben. Und tatsächlich ist sein vor drei Tagen erst erschienenes Buch "Deutschland schafft sich ab" bereits vergriffen. Erst mit diesem Buch hatte Sarrazin den Medien wieder einen Anlass gegeben, über ihn zu berichten. Und tatsächlich sprach er kantig und zitierkräftig wie gewohnt.

Nur vor diesem Hintergrund kann ich mir erklären, weshalb er sich zu einer kropfunnötigen Gen-Debatte über die kollektive Vererbung von Charaktermerkmalen vergaloppierte. Immerhin heizte diese das Interesse an seiner Person, auch als Talkshow-Gast, nochmal so richtig an. Nun dürfte wirklich auch am Desinteressiertesten nicht vorüber gegangen sein, dass der frühere Berliner Senator ein neues Buch geschrieben hat.

Frage an die Kollegen in den Redaktionen: Was soll ich nun als PR-Berater daraus lernen? Dass meine Kunden provokativen Blödsinn artikulieren sollen, damit sie redaktionell berücksichtigt werden und somit für ihre Produkte werben können? Wohl kaum. Auch Sarazzin weiß - und Bosbach spricht davon in oben zitiertem Interview - dass Ausländerintegration millionenfach funktioniert.

Das ist aber auch normal, weil es die Logik gebietet, sich anzupassen und die Sprache des Landes zu sprechen, in dem man lebt. Und immerhin bemüht sich auch die deutsche Seite und den meisten von uns wurden Gastfreundschaft und Toleranz beigebracht. Fakt aber bleibt auch, dass Integration millionenfach nicht funktioniert und Parallelgesellschaften entstehen. Warum auch immer. Ich möchte hier gar nicht ökonomisch oder gesellschaftspolitisch argumentieren, sondern human.

Denn es ist grausam, wenn Menschen zerrissen und emotional heimatlos sind. Mehr noch, wenn sie ihre Gefühle (und Blockaden) werder in der einen, noch der anderen Sprache ausdrücken können. Ich hätte mir gewünscht, Sarrazins Thesen wären in diese Richtung von "der Politik" und "den Medien" aufgegriffen worden. Denn wo ich mit Bürgern über das Thema rede, kommen genau diese Sprachdefizite, aber auch Gefühle der Überfremdung oder sogar undifferenzierte Vorurteile zu Wort. Und diese lassen sich mit Sarrazins Wegdrücken nicht den Mund verbieten, womit wir wieder beim Thema Kommunikation (und Dialog) wären.

1Sep/102

Kooperation braucht radikale Offenheit

Es ist sicher ein Extrem und deshalb erzähle ich das Beispiel gerne: Ich hatte einen  erfolgreichen Kunden, dem ich deutlich machte, dass ich möglichst alles über ihn und sein Unternehmen wissen müsse, um für ihn arbeiten und ihn richtig positionieren zu können. Daraufhin sagte er, er wisse nicht, ob es wichtig sei, aber er habe in jungen Jahren im Rahmen einer Schlägerei einen Kontrahenten so unglücklich erschwischt, dass dieser an den Folgen seines Sturzes starb. Mein Kunde hatte deshalb sogar im Knast gesessen.

Trotz vieler Veröffentlichungen für ihn spielte dieses Detail aus seiner Biographie keine Rolle für unsere Arbeit. Und wenn, hätten wir reagieren können. Aber zum einen schuf es ein enormes Vertrauen zwischen uns, zum anderen war dies deutlich besser als der Kunde aus dem Badischen, der mir eine Insolvenz Jahre zuvor verschwieg. Als mich ein Redakteur darauf ansprach und kalt erwischte, kündigte ich diesem Unternehmer die Kooperation.

Ähnlich wäre es, wenn ich Redakteuren einen Unternehmer als Patrioten anbiete und damit womöglich in einen renommierten Titel bringe und aufmerksame Leser die Redaktion hinterher darauf aufmerksam machen, dass der Unternehmer überwiegend in Marokko oder Indien produzieren lässt. Erstens ist es besser, der Kunde sagt mir das vorher und wir sehen dann, ob und wie wir diese Tatsache thematisieren. Und zweitens geht es letztlich um meinen guten Ruf bei den Redakteuren. Denn wenn diese mir nicht mehr vertrauen (können), haben mein ganzes Beratungs-Know-how und Redaktions-Netzwerk kaum mehr einen Wert.

Warum ich das schreibe? Weil diese Frage des Vertrauens sich bei fast jedem Neukunden stellt. Wenn aber die Kunden die Antwort auf viele meiner Fragen nur sehr verwässert oder gar nicht geben, trübt das bereits den Erfolg meiner Arbeit, weil anschließende Berichte nicht mehr so faktenreich, authentisch und kraftvoll sind. Die Redakteure drücken dann auf die Delete-Taste. Blickt man aber hinter die Blockaden, sind es oft "Banalitäten": Der Kunde hat beispielsweise nicht studiert, ist mal irgendwo gefeuert worden oder hat einen Rechtsstreit verloren.

Wenn er aber wahrheitsgetreu mir die alle Fakten anvertraut statt selbst bereits in seinem Kopf zu zensieren, finden wir oft eine sehr gute Lösung. Manchmal machen wir sogar aus dem Defizit ein Alleinstellungsmerkmal. Dann heben wir ganz bewußt darauf ab, dass der Unternehmer "nur" Hauptschulabschluß hat, eine Insolvenz hinter sich hat - oder einen Burn-out. Denn auch Unternehmer sind Menschen. Und um im Einführungsbeispiel zu bleiben: Der Unternehmer hatte seine Haftstrafe verbüßt. Wo ist das Problem?

Einem diesbezüglich zweifelnden Kunden sagte ich jüngst: Und wenn ein Kunde, der über mich auch all meine Tiefpunkte kennt, genau deshalb nicht mit mir arbeiten will, so will ich auch nicht für ihn arbeiten. Denn so jemand hat keinen richtig guten PR-Berater "verdient". Denn ein solcher bin ich nachgewiesermaßen, auch wenn ich in der 6. Klsse sitzen geblieben bin, geschieden bin, in der Flensburger Verkehrssünderkartei Punkte habe und einiges mehr. Rufen Sie also an, wenn Sie nun glauben, wir könnten zueinander passen, Tel. 07161/918942. Bis bald!

20Aug/100

Social Media: Buhlen um Aufmerksamkeit

Im Frühjahr hatte mich eine Studentin der Hochschule für Wirtschaft und Technik in Dresden angemailt, mit der Bitte, an einer Umfrage über die Bedeutung von Social Media für PR-Agenturen teilzunehmen. Denn Karin Rösler, so ihr Name, wollte im Studiengang International Business ihre Bachelorarbeit über "Social Media als Geschäftsfeld für PR-Agenturen" schreiben.

Freundlicherweise ließ mir Karin nun das Gesamtergebnis ihrer Umfrage zukommen, an der sich offenbar 210 Agenturen beteiligt hatten. Das spricht einerseits für ihren Fleiß, andererseits aber auch für die Aussagekraft ihrer Ergebnisse - und die Konkurrenz, die in unserer Branche herrscht.

Was mir dabei runter geht wie Öl: 67 Prozent aller Agenturen nennen Public Relations, also Pressearbeit, als wichtigste Aufgabe von Social Media, gefolgt von Dialog mit potentiellen Kunden (49 %) und Monitoring (35 %), also im Internet verfolgen, was über das Unternehmen kommuniziert wird. Und wir machen ja fast ausschließlich Pressearbeit auf hohem journalistischem Niveau!

Interessant auch: Ein Viertel aller Agenturen gibt an, mittlerweile regelmäßig bis häufig bzgl. Social Media-Dienstleistungen angefragt zu werden - und zwar überwiegend von Firmen mit 51 bis 250 Mitarbeitern. Und: Drei Viertel aller Agenturen haben einen solchen Service erst seit ein bis drei Jahren im Angebot (wir zum Beispiel) und erweitern diesen ständig, zum Beispiel um Krisen-PR oder die Beschaffung von Belegen.

Da ist es nur logisch, dass die Hälfte aller Agenturen, die geantwortet haben, Social Media als wichtig bis sehr wichtig für die Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen einschätzen und Netzwerke wie Twitter oder Facebook, zielgruppenorientierte Blogs und Foren für deren wichtigste Instrumente erachten. Entsprechend geben 85 Prozent der Agenturen an, ihr Spektrum in diese Richtung zu erweitern.

All diese Einschätzungen kann ich nur unterstreichen und doch stelle ich parallel fest, dass etliche unserer Kunden verstärkt auf gedruckte Mitarbeiter-, Kundenzeitungen oder Newsletter setzen, um sich eben letztlich von der Fülle digitaler Informationsmöglichkeiten abzugrenzen. Und: Sie setzen dabei auf hochwertige Recherchen und journalistisch inszenierte Fotos unsererseits, um ihren potentiellen Lesern möglichst weit entgegegen zu kommen. Fazit: Beim Buhlen um die Aufmerksamkeit potentieller Kunden braucht es immer mehr Feintuning in den Details. Der Aufwand steigt qualitativ (Journalismus) wie quantitativ (print + Social Media).

13Aug/100

Britsch boxt in Erfurt gegen Italiener

Neben dem WM-Fight im Cruisergewicht mit Marco „Käpt´n“ Huck gegen Matt Godfrey am Samstag, 21. August,  präsentiert sich in der Erfurter Messehalle auch Deutschlands Mittelgewichts-Hoffnung Dominik Britsch. Der Neckarsulmer, der in Berlin bei Ulli Wegner im Sauerland-Boxstall trainiert, blieb bisher in 19 Profikämpfen ungeschlagen.

In der Landeshauptstadt Thüringens will der 22-jährige Abiturient, der bereits als Elftklässler seinen ersten Profi-Kampf bestritt, gegen den Italiener Lorenzo Cosseddu den nächsten Erfolg einfahren. „Dominik Britsch ist ein Juwel“, lobt Trainer Ulli Wegner den Neckarsulmer. Dessen Vater Jürgen kenne ich noch aus meiner Schulzeit, weil ich selbst aus der Audi-Stadt mit ihren 25000 Einwohnern stamme.

„Er ist seinen Trainingskollegen schon jetzt in so ziemlich allen Fragen - also im technisch-taktischen Bereich, aus athletischer Sicht und von der generellen Trainingseinstellung her - überlegen", sagt Wegner über Britsch. Nach dem Gewinn der IBF-Junioren-WM gehe es darum, seine Leistungsstärke im Wettkampf auch gegen erfahrene Gegner weiter zu bestätigen.

Vermutlich wird der auf acht Runden angesetzte Kampf als Aufzeichnung in der ARD nach dem Huck-Fight ausgestrahlt. Nachdem es immer schwieriger wird, im Juniorenbereich für Britsch adäquate Gegner zu finden, kann er sich nun gegen Cosseddu bewähren. Der 27-jährige Italiener ging aus 32 Profikämpfen bislang 23 Mal als Sieger hervor und holte fünf Unentschieden.

Britsch sucht übrigens noch Sponsoren. Dank seiner Bildung, seiner schwäbischen Wurzeln, seiner Erfolge und seiner hohen Medienpräsenz, insbesondere in der ARD, bietet er nicht nur thematisch viele Anknüpfungspunkte, sondern auch einen hohen Werbewert. Ich möchte hier nur daran erinnern, dass ich auch meinen Kunden Carl Stahl rechtzeitig mit Cruiserboxer Firat Arslan zusammen gebracht hatte, ehe dieser Weltmeister wurde. Ticket-Hotline für die Box-Gala in Erfurt ist übrigens die 01805-570044.

11Aug/100

Ungeduld der Schweizer nervt

Nachklapp zur Tour extrem: Jürgen Schweigardt kauft uns allen den Schneid ab: Während wir uns gestern (01.08.) zu Etappenbeginn die restlichen 14 km und knapp 600 Höhenmeter zum Splügenpass (2113 hm) hochschraubten und anschließend den San Bernadino (2065 hm) in Angriff nahmen, raste uns der 51-jährige Ex-Semi-Profi voraus. Denn kurz vor dem Zielort stand noch der Alpe di Neggia auf dem Programm. Da dieser aber eine durchschnittliche Steigung von mehr als zehn Prozent hat, wollte ihn nur der Gochsener Ex-Bahnradfahrer fahren. Das ehemalige Mitglied der Nationalmannschaft (1978 bis 82) war über Sunny (Erik Sanwald) zu der Gruppe gekommen und ist noch heute "drauf wie das Messer".
Wir anderen bevorzugten die Flachetappe am Lago Maggiore entlang, ärgerten uns aber immer wieder über die Ungeduld vieler Schweizer, die hupend und drängelnd das Peloton passierten, oft mit hochgejagtem Motor im dritten Gang. Einer trieb es sogar so weit, zu überholen, sich vor den im Wind tempomachenden Triathleten Marco Glassner (35) zu setzen und uns komplett runterzubremsen. Als aber unser Begleitfahrer Horst Möhrer von hinten die Situation erkannte, rückte er mit seinem Sprinter nach vorne und machte dem Schweizer Druck.
Ärgerlich war auch die Schweizerin, die im Kreisverkehr unseren Konvoi zerschoss, in dem sie - für uns völlig unerwartet - im Kreisel auf ihre Vorfahrt bestand. So hatte sie die zweite Hälfte uneren Zugs plötzlich links, rechts und hinter sich und mancher rief unflätige Worte. Vermutlich war die Frau mit der Situation aber einfach nur überfordert. Im Übrigen setzte uns die Sonne gestern am meisten zu, obwohl wir von Ex-Tour extrem-Fahrer und Oberarzt der Hautklinik in Buxtehude, Andreas Kleinheinz, hinreichend mit Sonnencreme versorgt und in deren Anwendung instruiert waren.
Im Hotel international am Zielort Luino dozierte Tour-Chefredakteur Thomas Musch nach 137 Kilometern einmal mehr in kleiner Runde, wir würden sehr unvernünftig fahren. Denn auch bei leichten Steigungen oder Bodenwellen drücke der Frontmann oft durch oder schalte nicht weit genug herunter, so dass sich von Mal zu Mal Tempo und Puls erhöhen, so dass kein Ausdauertrainingseffekt entstehe. Dass sich seine Sichtweise durchsetzt, belegte der heutige Tag.
Zunächst ging es mit der Fähre über den Lago und der Mottarone (1455 hm) wurde mangels Zeit (und Lust) ausgespart. Entsprechend ging es 126 km weitgehend über Flachetappen im Wind mit einem Schnitt von knapp 34 km/h, bei dem das Feld lang hingezogen den Asphalt unter die schmalen Reifen nahm. Sunny musste wegen massiver Rückenschmerzen leider im Bus Platz nehmen. Er überlegt, die Tour mangels Perspektive abzubrechen. Mehrere Bandscheibenvorfälle haben seine Wahrnehmung geschult.
Um 15 Uhr waren wir heute bereits am Zielort Vercelli. Bei der Ankunft im Hotel Modo sangen wir meinem Sohn Konrad ein Ständchen, da er heute 21 wurde. Für mich ist es selbstverständlich eine wundervolle Sache, diese Tour gemeinsam mit ihm erleben zu dürfen. Daran hatte ich schon gedacht als Andreas Kleinheinz 2004 mit seinem Sohn Konstantin an den Start gegangen war. Horst und Stefan Schmid haben vorher Marco zum Flughafen nach Mailand gebracht. Der Vertriebsmann muss morgen wieder arbeiten, seine Frau Judith fährt aber weiter mit. Morgen geht es 131 km weit nach Bossolasco, wovon die ersten 100 km wieder flach sind.

10Aug/100

Profilmetall-Bericht in Maschinenmarkt

Eine typische Veröffentlichung über einen Kunden von uns finden Sie heute im Online-Auftritt des Fachblatts Maschinenmarkt. Unsere Pressemeldung ist nahezu unverändert, erscheint aber unter dem Namen der Autorin, was uns gerade Recht ist. Denn zum einen zeigt dies die Hochwertigkeit unserer Qualität, zum anderen wird ein Beitrag dadurch aufgewertet.

Dass ich gerade diesen Beitrag im Blog einstelle, obwohl wir solche "Treffer" fast täglich in irgendeinem Medium aus unserem Pool von knapp 2000 Titeln mehrfach erzielen, hat folgenden Grund: Der Kunde kommuniziert hier, dass sein Umsatz 2009 um ein Drittel eingebrochen ist. Das zeugt von seinem Mut, aber auch seinem Vertrauen in unsere Arbeit. Schließlich nennen wir uns Berater.

This video was embedded using the YouTuber plugin by Roy Tanck. Adobe Flash Player is required to view the video.

Der Beitrag belegt, was ich in einem Youtube-Video bereits vor einem Jahr gesagt habe: Auch in der Krise sollte transparent kommuniziert werden. Denn mit vielen Fakten belegen wir auch hier, dass der Kunde in Summe einen sehr guten Job gemacht hat und der geeignete Partner ist, um mit ihm erfolgreich zu kooperieren. Aber lesen Sie einfach selbst. Derselbe Beitrag erschien übrigens auch in der Blechnet - gerade weil er so gut ist.

9Aug/100

Tour extrem 2010 ist bereits Geschichte

Es ist 21:38 Uhr. Um 5 Uhr sind Konrad und ich mit Heidi und Horst im Sprinter in Nizza losgefahren, nachdem am Vorabend dort große Strandparty mit Tänzerinnen und Feuerschlucker war. Mit im Auto - 13 Rennräder. Wolfgang, Jürgen, Stephan und Erhard waren bereits am Sonntag geflogen, die anderen heute um 14:15 Uhr. Gegen 17 Uhr treffen alle parallel in Eislingen vor Thomas' Haus ein. Ich bringe Konrad in Göppingen auf den Bahnhof, wo er den nächsten Zug nach Heilbronn nimmt.

Nun habe ich meine Mails und die Post gecheckt und gönne mir zum Abschluß diesen Blogeintrag. Sehr gerne hätte ich chronologisch die Tour dokumentiert, doch leider hatten wir unterwegs kein Internet oder nur analog sehr langsam. Vermutlich gibt es einen tieferen Zusammenhang zwischen stimmungsvoller Bergwelt und IT-Ferne. Immerhin habe ich in Vercelli schon mal zwei längere Passagen über die Etappen durch die Schweiz auf dem Laptop verfasst, die Texte aber nicht ins Netz gekriegt.

Die elfstündige Rückfahrt durch massive Gebirgszüge ließ nochmals nachklingen, was unser elfköpfiges Peloton geleistet hat. Denn auf der Karte war gut sichtbar, dass wir oft nur 30, 40 Kilometer von der Autobahn entfernt, durch dieselben Landschaften geradelt sind. Es ist schon faszinierend, was man mit dem eigenen Körper zu leisten vermag und welche Kraft in ihm (und welcher Wille im Kopf) steckt. Diese Erinnerung bleibt, wenn der Alltag und uns wieder zerreiben will: Unsere Kraftquellen sind stärker und tiefer.

5Aug/100

Regen, 16 Grad, kein Internet

Jetzt wissen wir, warum die Tour extrem Tour extrem heisst: Heute morgen 25 km Aufstieg auf 2450 Hoehenmeter auf den Colle dei Morti, oben zieht es binnen Minuten zu, die Abfahrt fuehrt direkt in den Regen und die Temperatur stuerzt auf 14 Grad ab. Mehr noch: das komplette Peloton verpasst die Abzweigung zum Colle di Sampeyre und Internet haben wir seit Tagen nicht. So gehen wir erstmal in einer Albergho Spaghetti essen.

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31Jul/100

Tour extrem: Wir leben noch

Um es gleich zu sagen - Thomas Mürder ist verdammt alt geworden. Wir anderen aber auch. Heute war der dritte Tag der 3. Tour extrem und das 13-köpfige Peloton hat mächtig vorgelegt. Zum Start am Donnerstag mussten wir leider bis Lindau den Zug nehmen, denn seit morgens um 4 Uhr ging ein Gewitter nach dem anderen herunter bei 16 oder 17 Grad.

Am Nachmittag fuhren wir gerade noch elf Kilometer mit dem Rad nach Eichenberg. Immerhin waren 400 Höhenmeter zu bewältigen, um das Feld der Teilnehmer und deren Trainingsstand zu checken. Auch am Freitag wurden wir von Gewitter und Dauerregen geweckt, wobei außer Rede stand, dass auch gefahren wird. Um 10.30 Uhr ging es dann los - die 400 Meter wieder abwärts.

Am Freitag waren es dann 123 km bei 1580 Höhenmetern mit einem Schnitt von 23,7 km/h. Der Che

Älter geworden, aber noch immer Pass-tauglich: Thomas Mürder, geistiger Vater der Tour extrem und Direktor der Bereitschaftspolizei Göppingen.

fredakteur des Tour Magazin, der erstmals mitfährt und tags zuvor im Regen die 85 km von Stockach nach Eichenberg per Rad absolviert hatte, attestierte unsere Gruppe allerdings eine etwas chaotische Fahrweise. Das Tempo sei zu hoch und auf Hauptverkehrsstraßen müsse hintereinaner gefahren werden, so sein erster Eindruck von unserer bunten Gruppe.

Mittlerweile ist es Samstag, 22.18 Uhr, vor mir ein langer Tisch mit jeder Menge leeren Gläsern und rot-gebrannten Gesichtern. Heute haben wir 132 km mit 2800 Höhenmetern und einem 20er-Schnitt über den Albula (2315 hm) und die Anfahrt zum Spülgen-Pass auf 1600 Meter in Madesimo absolviert.

Um ehrlich zu ein: Die meisten von uns sind heute an ihre Grenzen gekommen. Das hatte allerdings den Vorteil, dass sich alle noch in voller Trikotmontur vor lauter Müdigkeit vors Hotel setzten und erst mal ein Bier tranken. Vorläufiges Fazit: Die Chemie in der Grupe stimmt nach 2004 und 2007 auch dieses Mal und das "Leben in Freiheit" tut jedem von uns gut, nachdem wir im Alltag doch mächtig in Strukturen eingebunden sind.

Jetzt muss ich Schluß machen, nachdem die Kollegen, die mittlerweile im Bett sind, morgen keinen Wettbewerbsvorteil haben. Übrigens: Stefan Schmid, der erneut die Touretappen ausgearbeitet hat, macht s mir als IT-Mnn auch jetzt möglich, in der italienischen Provinz auf meinem Blog in Wort und Bild präsent zu sein. Beste Grüße, ich bin total müde!

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27Jul/100

Zukunft des Journalismus

Der Berliner Blogger Felix von Leitner hat die gestrige Medienberichterstattung über die Wikileaks, ein Netzwerk von Bloggern, Journalisten und Experten rund um den Afghanistan-Krieg, zum Anlass genommen, über die Zukunft des Journalismus nachzudenken. Seine Einschätzung: Redaktionen müssten Links setzen, die so interessant sind, dass man sich immer weiter durch das Netz klickt, um noch mehr Infos zu bekommen.

Da gebe ich ihm grundsätzlich recht. Allerdings schreibt er selbst recht flapsig, stellt Behauptungen auf und begründet diese nicht einmal. Auch nennt er keine Quelle, wenn er sagt, er werde gelegentlich nach der Zukunft des Journalismus gefragt. Da würde ich schon gerne wissen, wer ihn fragt und warum. Welche Kompetenz bringt er mit, diese Zukunft einzuschätzen?

Mir fällt auf, dass das Problem im Internet darin besteht, dass der, der etwas weiß (oder glaubt zu wissen), dann auch selbst schreibt. Das ist etwa wie im "alten" Print-Journalismus: Da schreibt auch der Dirigent des Dorfchores über das Konzert, nur weil er das größte Interesse hat, dass das Ereignis bekannter wird. Dabei liegt seine Kernkompetenz darin, die richtigen Stücke auszuwählen, Sängern die Partitur zu vermitteln und evtl. noch, ein Konzert zu organisieren. Schreiben kann er deswegen noch lange nicht - zumindest weder interessant noch distanziert.

Deshalb ist der Filter so wichtig, der Nachrichten bewertet und aufbereitet, der Redakteur. Erfreulicherweise setzt sich diese Einschätzung offenbar allmählich durch: So laufen auch mit uns Gespräche (und Projekte), dass etwa Projektleiter nicht mehr selbst fürs Intranet oder einen Newsletter schreiben (müssen), sondern in 15-minütigen Telefonaten von mir befragt werden und ich dann binnen Stunden bspw. einen Text mit 1700 Zeichen liefere, der genau das mit relevanten Fakten in flotter Sprache wiedergibt, worüber informiert werden sollte. Die Folge: Der Beitrag wird lieber gelesen und besser verstanden - und der Projektleiter kann in dieser Zeit am nächsten Projekt weiterarbeiten, mit seinen Kindern spielen oder einfach mal NICHTS tun.