Reise in meine ehrenamtliche Vergangenheit

010 Diözesan-AK1
Auf der Schwäbischen Alb bei Hechingen: Die meisten unserer Mitglieder des Diözesan-Arbeitskreises aus den 1980er-Jahren, die sich erstmals organisiert wiedergesehen haben. FOTO: FISCHER

Jüngst haben wir uns zu zehnt in unserem ehemaligen Diözesanarbeitskreis der Pfadfinderstufe in Hechingen getroffen. Dort war ich als Theologiestudent von 1984 bis 1989 in der diözesanweiten Ausbildung junger Erwachsener zu Gruppenleitern für 14- bis 16-Jährige ehrenamtlich tätig. In dieser Zeit habe ich mich erstmals mit Psychologie und Erlebnispädagogik auseinandergesetzt.

Von den Erfahrenen im Team, etwa dem hauptamtlichen Sozialpädagogen Georg Engelbertz, dem Meterologen Dr. Walter Panhans, dem Bäckermeister Franz Kohler, der Erzieherin Irene Kerber oder dem Physikstudenten und späteren Arbeitskreisvorsitzenden Martin Fischer konnte ich viel lernen. Das reichte von der Gesprächsführung und -kultur bis zum Projektmanagement.

Besonders wichtig waren mir die Werte, die wir leben und vermitteln wollten: Es ging darum, persönliche Grenzen und Blockaden zu überwinden, die Konfortzone zu verlassen, sich auszuprobieren und Experimente zu machen. Zugleich ging es als Pfadfinder (!!!) darum, die Schöpfung zu bewahren (Ökologie) und alle Menschen als Brüder und Schwestern zu sehen, weshalb wir uns gegen Unrecht, Ausbeutung, Rassismus und für Inklusion und Diversity einsetzten. Nur kannten wir damals letztere Worte noch nicht.

Damals habe ich viel für mein späteres und heutiges Leben gelernt, etwa Wochenenden und Zeltlager für bis zu 300 Personen vorzubereiten; Menschen zu motivieren; Konflikte herrschaftsfrei auszutragen oder meine Zeit genau einzuteilen. Vor allem ging es immer wieder darum, etwas zu riskieren und Fehler machen zu dürfen. Das hat mein Selbstbewußtsein, aber auch meine Selbsteinschätzung verfeinert.

Beim Wiedersehen, teils nach 20 und mehr Jahren, haben wir nun festgestellt, dass uns diese katholische Jugendarbeit alle ähnlich geprägt hat. Viele von uns, wie ich, sind später in die Selbstständigkeit; arbeiten heute als Trainer und Coaches oder engagieren sich in ihren Kirchengemeinden, Umwelt- oder Bürgerinitiativen.

Diese Reise in die Vergangenheit war ein schöner Abgleich mit der Gegenwart. So stellten alle fest, dass ich schon früher provokativ und sehr direkt gewesen sei und immer eine Gitarre dabei hatte. Letzteres stimmt schon lange nicht mehr. Und Christoph Bläsi, damals Germanist und heute Professor an der Gutenberg-Universität in Mainz, meinte: „Du bist heute so ausgeglichen“. Schön, dass man merkt, dass ich an mir gearbeitet habe.

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3XBanktechnik GmbH knüpft Branchennetzwerk

005 Workshop-Treffen in Ulm (Netz)
Für den Erfahrungsaustausch ist Vertrauen wichtig: Die Workshops der 3xBanktechnik beginnen immer mit einer Vorstellungsrunde, in der ein Netz geknüpft wird, das alle Teilnehmer trägt. FOTO: KNETTERMEIER

Vorbildlich finde ich die Initiative des Bankberatungs-Dienstleisters 3XBanktechnik, der aus dem Pool seiner bundesweit rund 220 Kunden seit bald zwei Jahren innovative Führungskräfte zusammenbringt. Jüngst trafen sich bei der Volksbank Ulm-Biberach wieder für 1,5 Tage Prokuristen und Bereichsleiter von Geno-Banken und Sparkassen aus dem gesamten Bundesgebiet zum „herrschaftsfreien Diskurs“.

Regelmäßige Teilnehmer sind auch Vertreter von Sparkassen-Verlag und Deutschem Genossenschafts-Verlag, die wiederum viel Branchen- und Insider-Wissen aus ihren Organisationen einbringen. Geprägt sind diese Treffen vom vertrauensvollen Austausch jenseits des Tagesgeschäfts und der Mitbewerber-Konkurrenz. Beim kreativen Nachdenken entstehen neue Ideen und Handlungsansätze.

Um diese Atmosphäre zu schaffen, arbeiten die Veranstalter auch methodisch. So beginnen die Workshops mittlerweile obligatorisch mit einer Vorstellungsrunde, in der die Teilnehmer sich gegenseitig vorstellen und bekennen, was aktuell Licht und was Schatten in ihrem Leben ist. Dabei werfen sie sich ein rotes Seil zu, so dass der Vorredner bestimmt, wer weiterspricht. Dadurch knüpfen die Teilnehmer symbolisch ein Netz, das jeden in der Runde trägt.

Seit Januar „macht“ unsere Agentur den Bankberatern einen Blog, in dem wöchentlich mindestens ein Beitrag aus dem Berufsalltag der Banker eingestellt wird, der zum Lesen, Weiterleiten, Verlinken und Kommentieren einlädt. Noch sind die Reaktionen im Netz verhalten, was dem Konservatismus der Branche geschuldet sein mag. In den kommenden Wochen werden wir dort über Themen wie Geldautomatensprengung, Filialschließungen, alternative Nutzungsformen und Kooperationen zwischen KSKs und Geno-Banken schreiben.

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PR-Job wird immer vielfältiger und schneller

Die PR-Plattform Mynewsdesk hat mehr als 2000 Journalisten aus aller Welt zu Trends im Journalismus befragt. Dabei herausgekommen ist u.a. dass Journalisten immer weniger Zeit haben, immer mehr Aufgaben erledigen müssen und für mehrere Publikationen gleichzeitig tätig sind. Für unser Redaktionsbüro kann ich diesen Trend bestätigen.

Dass wir dennoch in der Lage sind, Qualität zu liefern, liegt letztlich daran, dass unsere Redaktionsgemeinschaft (auf zuletzt acht Journalisten) wächst und sich immer intensiver austauscht, um Effizienzpotentiale zu nutzen. Elementar ist hierbei der Austausch von Redaktions- und Recherchekontakten bzw. die Spezialisierung innerhalb unseres Teams etwa auf Pflege und Gesundheit, Energieeffizienz oder Logistik.

Das geht so weit, dass wir mit der Pflegebibel seit März 2015 ein eigenes Online-Magazin herausbringen und einzelne Redaktionen energieintensiver Branchen das komplette Thema Energiemanagement an uns auslagern. Das macht es für uns wiederum attraktiv, uns tiefer in Themen einzuarbeiten, und leichter, mit interessanten Firmen in Kontakt zu kommen.

Laut Journalistenbefragung schreiben und redigieren übrigens 98 Prozent aller Kollegen, 60 Prozent befassen sich mit Social Media, 51 Prozent fotografieren, 38 Prozent analysieren Daten (dazu gehört vermutlich auch Clipping), 29 Prozent produzieren Videos und 18 Prozent designen Graphik. Fast alles findet auch bei uns im Büro statt. Teilweise kooperieren wir aber auch mit (Werbe-)Agenturen, um  unseren Fokus auf Content scharf zu halten.

 

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Manager-Suizid: Junkies der Macht

Martin Senn, bis Ende 2015 sechs Jahre lang Chef des Schweizer Versicherungskonzers Zurich, hat sich vorigen Freitag das Leben genommen. Mit dem Tod des 59-Jährigen ist der Allianz-Konkurrent binnen drei Jahren zum zweiten Mal vom Freitod eines hochrangigen Managers betroffen. Im August 2013 hatte sich Finanzvorstand Pierre Wauthier das Leben genommen, was damals zum Rücktritt des Verwaltungsratspräsidenten Josef Ackermann führte.

Senn hatte seinen Rücktritt erklärt, nachdem die Übernahme des britischen Versicherers RSA gescheitert war und er einen Gewinneinbruch um mehr als die Hälfte auf 1,6 Mrd. Euro einräumen musste. Bis 2018 wird die Zurich, die seit März von Ex-Generali-Chef Mario Greco geführt wird, 8000 Stellen abbauen.

So weit die Fakten. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass sich im konkreten Fall zwei Millionäre das Leben genommen haben, die Frauen, Kinder, Freunde und ein zu Hause hatten. Wo liegt also das Motiv für den Suizid? Offenbar im Außen, von wo keine (berufliche) Anerkennung mehr kam, sondern evtl. eher Häme über das Scheitern. Na und?

Ich bin in der Schule einmal sitzen geblieben, bin zweimal geschieden und habe noch einige Niederlagen mehr in meinem Leben erlitten. Einige Male liebäugelte ich selbst mit Suizid, damit Schmerzen aufhören sollten. Fakt aber ist, dass mich all diese Krisen weiter gebracht haben und neudeutsch empathischer, also einfühlsamer, gemacht haben. Und resilient, also widerstandsfähig gegen Enttäuschungen.

Die Triebfeder hierfür liegt in der Selbstliebe. Denn wenn ich mich wirklich selbst so annehmen kann, wie ich bin, muss ich im Außen nicht mehr nach Erfolg oder Anerkennung suchen. Weder von Kunden oder Mitarbeitern, noch den eigenen Kindern. Das macht wirklich frei.

Und während ich diese Zeilen schreibe, lese ich von einem anderen Versklavten, der der „Bunten“ (!!!) ein Interview gab: Der 67-jährige Jürgen Fitschen, davongejagter Ex-Chef der Deutschen Bank, fühlt sich demnach „zu jung für den Ruhestand“ und sucht eine neue unternehmerische Herausforderung. Der Arme. Vermutlich hat sein Vater ganze Arbeit geleistet, dass der Bub etwas leisten und sich nützlich machen soll.

Ex-Top-Manager Thomas Middelhoff ist da schon weiter. Der Mehrfach-Pleitier und Betrüger arbeitet seit dem Frühjahr als Freigänger zum Mindestlohn in einer Sozialeinrichtung in Bielefeld. Mich würde interessieren, um was den 63-Jährigen diese Erfahrung mittlerweile bereichert hat. Denn seine Grundbedürfnisse dürften immer noch befriedigt sein. Kein Wunder, dass bei diesen Vorbildern unsere Gesellschaft in der Krise ist.

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Psyeudo-Empörung über Gaulands „Zitat“

Super, endlich wieder ein Aufreger über die AfD, den alle kapieren – ohne jedes politische Faktenwissen. Es gilt als Konsens, dass Alexander Gauland im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gegen die political correctness verstoßen hat. Skandal. Echt cool, wie ihn da die FAS-Kollegen überführt haben.

Niemals glaube ich, dass Gauland den dunkelhäutigen Fußball-Nationalspieler Jerome Boateng beleidigen wollte. Als früherer Herausgeber der „Märkischen Allgemeinen“ wollte er vermutlich plakativ sprechen, was ja Redakteure mögen. Üblicherweise helfen diese auch nach, wenn der Interviewpartner allzu zögerlich ist. Im Fall des 75-Jährigen klingt dies plausibel, kennt er sich doch offenbar im Fußball gar nicht aus.

Tatsächlich ausdrücken wollte der Jurist, der 40 Jahre CDU-Mitglied war, ehe er mit anderen Euro-Kritikern 2013 aus wirtschaftspolitischen Gründen die AfD gründete, die Befindlichkeit in Deutschland. Und da attestiere ich dem AfD-Bundesvorstandsmitglied, dass die meisten Bundesbürger lieber neben mir, dem weißhäutigen Akademiker, wohnen wollen als neben einem Schwarzen (es sei denn er ist Promi und Millionär wie z.B. Roberto Blanco auch).

Das ist zwar traurig, aber ziemlich sicher bundesdeutsche Realität in mehr oder weniger weiten Kreisen. Übrigens bekam auch Tübingens Grüner OB Boris Palmer ziemlich eine auf die Mütze von seinen Mitbürgern, nachdem er in einem Spiegel-Interview sinngemäß gesagt hatte, auch die Professoren seiner multikulturellen Uni-Stadt seien nicht erfreut, wenn in ihrer Nachbarschaft eine Flüchtlingsunterkunft stehe (oder die Tochter mit einem Migranten pusiert).

Entsprechend wollte Gauland, der von 1987 bis 91 immerhin die hessische Staatskanzlei geleitet hat, eher seinen Mitbürgern den Spiegel vorhalten als dem begnadeten Boateng, der zudem sicher jede Menge Steuern zahlt und vieles mehr. Warum also dieses bewußte Mißverstehen-wollen, zu dem sogar die Kanzlerin ihre Distanzierung – in diesem Fall besser „ihren Senf“ – dazugibt?

Ich vermute, weil damit jeder meint, irgendwelche (hohlen) Bonuspunkte sammeln zu können. Der eigentliche Skandal ist aber jeder von uns selbst: Ich würde vermutlich auch „schlucken“, wenn meine Tochter mit einem Schwarzen oder Rassisten liiert wäre. In meinem konkreten Umfeld sind es Wähler der Grünen schon, wenn die Tochter einen zehn oder 15 Jahre älteren Mann „bringt“. Dann empören wir uns doch lieber kollektiv über Gauland.

Mit diesem Beitrag möchte ich mich von dieser Psyeudo-Empörung distanzieren. Die ist mir zu einfach (= primitiv) und wird die AfD weiter stärken. Super.

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Landesseniorenrat und Pflegebibel eng beisammen

008 mit Karl-Otto Völker
Manchen gemeinsame Sache: Der 2. Vorsitzende des Landesseniorenrats, Karl-Otto Völker (l.), und der Herausgeber der Pflegebibel, Leonhard Fromm, wohnen beide in Schorndorf und finden auf Anhieb etliche Anknüpfungspunkte für Kooperationen. FOTO: CC

Schon einige Zeit war klar: Der 2. Vorsitzende des Landesseniorenrates (LSR), Karl-Otto Völker, wohnt in Schorndorf wie ich. In der Geburtsstadt von Gottlieb Daimler hat deshalb auch unsere Pflegebibel seit ihrer Gründung im März 2015 ihr Redaktionsbüro. Am Montag, 23. Mai, kam nun der SPD-Stadtrat und frühere AOK-Landespressesprecher zum Meinungsaustausch in die Redaktion.

Günstig für uns: Der LSR hat mit „Im Blick“ eine viermal jährlich erscheinende Publikation, in der Völker unser Online-Magazin vorstellen will, damit es weitere Bekanntheit erfährt. Denn Klicks – aktuell 13.000 Leser im Monat – sind die Währung, die uns relevant macht für Leser, Politiker oder Anzeigenkunden. Und allein im Südwesten leben 2,7 Millionen Rentner.

Weil auch diese Senioren immer häufiger online gehen, könnte hier eine Medienpartnerschaft entstehen. Denn für Themen, Ideen und Anregungen von außen ist unsere Redaktion ebenso offen, wie wir gerne bei LSR-Veranstaltungen referieren und mit deren Teilnehmern (kontrovers) diskutieren, schließlich bekommen wir sehr viel mit über Praktiken, Probleme, Lösungen und Trends.

Der 70-jährige Völker ist ein gutes Beispiel für die „modernen Alten“: Er hat jede Menge Berufserfahrung, bundesweite Kontakte und die nötige Zeit und den politischen Willen, Prozesse zu gestalten. Bei der AOK führte der gelernte Sozialversicherungskaufmann einst Öffentlichkeitsarbeit ein, als die Krankenkasse „noch eine Behörde war und wir hinter dem Schalter weiße Kittel getragen haben.“

Im Outfit des Gottlieb Daimler führt der Sozialdemokrat, der für seine Partei seit 1978 im Stadtrat und im Kreistag sitzt, rund 100 Mal im Jahr Touristen und Interessierte durch die Stadt. Unserem Agenturteam hat er eine solche Führung spontan angeboten, wo wir doch gerade darüber sprachen, was wir miteinander und füreinander tun könnten. Eine Menge.

 

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Boykott von Ikea, Amazon, Apple & Co.

Ich weiß zwar nicht, warum Matthias Weik und Marc Friedrich bereits ein drittes Buch schreiben mussten über den bevorstehenden Zusammenbruch des Euros, denn die Botschaft bleibt immer dieselbe, erfrischend sind die Buchpräsentationen des Waiblinger Duos aber immer. Vor allem tut die erfrischende Direktheit gut, mit der die Autoren die Ökonomie (verständlich) erklären.

So riefen Weik und Friedrich bei der Vorstellung von „Kapitalfehler“ im Verlagshaus der Waiblinger Kreiszeitung ihre 100 Zuhörer – mehr fasst die Kantine nicht – auf, nicht mehr bei Ikea, Amazon oder Apple einzukaufen, wenn sie am Finanzsystem etwas ändern wollten. Begründung: Der Milliarden-Konzern Ikea habe 2010 auf einen Gewinn von 2,5 Mrd. Euro in Europa gerade Mal 48.000 Euro gezahlt.

Und den Vergleich schiebt Weik gleich nach: Das zahlt eine Schreinerei im Remstal mit 160.000 Euro Jahresgewinn auch. Mit Chancengleichheit oder gar Gerechtigkeit habe das überhaupt nichts zu tun, sehr wohl aber mit Luxemburger Steuersparmodellen, die Jean-Claude Juncker als Finanzminister des Zwergstaats seinerzeit kreiert hat. Zur Erinnerung: Heute ist er Präsident der EU-Kommission und soll die Finanzkrisen in den Mittgliedsstaaten, allen voran Griechenland, managen.

Eine Gesamtauflage von 300.000 Büchern in zwölf Sprachen haben Weik und Friedrich mit „Der größte Raubzug der Geschichte“ (2012) und „Der Crash ist die Lösung“ (2014) bereits erzielt. Gemeinsam betreiben sie eine Agentur für Finanzanlagen, in der sie gebetsmühlenartig betonen, in Sachwerte wie Gold, Wald oder Streuobstwiesen zu investieren, weil alle Währungen keine Sicherheit mehr böten.

Wegen ihrer immer neuen Beispiele für den Raubtier- oder Casino-Kapitalismus, den Friedrich „das Monster“ nennt, hängen die Zuhörer dem Duo an den Lippen, das mit unterschiedlichen Rollen kokettiert. Während Weik eher philosophisch doziert, schleudert Friedrich eine Absudität und Dekadenz nach der anderen ins Publikum. So gehöre den 62 Reichsten der Welt so viel wie den 3,6 Milliarden Ärmsten.

Dabei sei die Schere erst nach 1980 so richtig aufgegangen, weil es bis dahin doppelt so viele Reiche gebraucht habe, solchen Besitz anzuhäufen. Regiert haben seither zunächst Marktliberale wie Ronald Reagan, Margaret Thatcher oder Helmut Kohl, deren Politik des Neokapitalismus dann Bill Clinton, Tony Blair oder Gerhard Schröder fortgeführt hätten.

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Direkten Draht zu (fast) jedem Papst

007 Sigmund mit Papst
Zwei, die sich aus Argentinien schon lange kennen: Mein Sänger- und Studienfreund Sigmund Schänzle (l.) und Papst Franziskus herzen sich auf dem Petersplatz in Rom.

Mein Freund Sigmund Schänzle, mit dem ich in den 1980er-Jahren in Tübingen katholische Theologie studiert habe, hat mich bei einem kürzlichen Treffen unseres slawisch-byzantinischen Gospodi-Chors in Filderstadt-Bonlanden einmal mehr überrascht: Der Dekan von Ochsenhausen bat uns um das intensive Gebet für Papst Franziskus.

Das habe ihm der Argentinier bei der Generalaudienz „bracciano destra, 1era fila“ am Mittwoch, 30. März, auf dem Petersplatz in Rom persönlich aufgetragen. Der Papst mache sich „ernsthaft große Sorgen um sein Wohlergehen, weil er in obersten Kirchenkreisen nicht unumstritten“ sei. Zum Beweis legte der Priester obiges Foto vor.

Dazu muss man wissen, dass Sigmund, der einst sein Auswärtsjahr im Theologiestudium in Rom gemacht hat und schon damals Karol Woityla (Papst Johannes Paul II) und Josef Ratzinger (Papst Benedikt XIV) persönlich kennengelernt hat, nach seiner Priesterweihe elf Jahre als Seelsorger in unserer argentinischen Partnerdiözese gearbeitet hat.

Der heutige Dekan von Ochsenhausen und Leiter der Seelsorgeeinheit St. Benedikt hat sich damals stark für die Landbevölkerung eingesetzt und mit der Oberschicht angelegt. Kein Wunder, wurde also der damalige Bischof von Buenos Aires und spätere Kardinal Bergolio auf ihn aufmerksam. Dass allerdings auch diese Bande bis heute gehalten haben, war mir nicht bewußt.

Unser Gospodi-Chor hatte es schon bei früheren Romreisen dem kosmopoliten Sigmund zu verdanken, dass wir Johannes Paul II und später Benedikt XIV persönlich begegnen konnten und für sie singen durften. Erst im Sommer 2015 war unser Gründer und Chorleiter Kilian Nuss gestorben. Schon bei seiner Beerdigung versicherte uns sein Neffe Michael, ein Musiklehrer in Heilbronn, dass er den Chor weiter dirigieren werde.

In Bonlanden hielt der Lehrer am 17. April eine erste ganztägige Chorprobe mit 26 Sängern ab, die mit einem öffentlichen Abendlob in der Ortskirche endete. Und nachdem es offenbar mit dem 1966 gegründeten Chor weitergeht, habe ich mit Christian Cuypers, dem künftigen Volontär unserer Kommunikationsagentur, bereits für Verjüngung gesorgt. Der 26-Jährige betreut bei uns das Online-Magazin www.die-pflegebibel.de für Pflegefachkräfte und pflegende Angehörige.

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Deutsche halten Medien für „gelenkt“

Rechtzeitig zum heutigen Tag des Presserechts hat gestern Spiegel online publiziert, dass eine Mehrheit der Deutschen die Medien „für gelenkt“ hält. Das hat eine Emnid-Umfrage im Auftrag des Bayerischen Rundfunks ergeben. Neu ist diese wirre Erkenntnis nicht. Schon während meines Volontariats 1990/91 spekulierten Politiker und andere Multiplikatoren, denen meine Themenauswahl und Rechercheergebnisse nicht passten, dass dahinter Auftraggeber bspw. anderer Parteien stünden.

Das ist alles wirklich Quatsch. Schon damals hat mir und meinen Kollegen niemand Vorgaben gemacht und über den einen oder anderen Versuch der Einflußnahme, der vorkam, haben wir berichtet. Das stärkte unsere Glaubwürdigkeit und schreckte potentielle Manipulatoren ab. Am ehesten verbreitet war, dass Unternehmer damit drohten, keine Anzeigen mehr zu schalten oder Vereinsvorsitzende drohten, ihre Mitglieder würden die Zeitung abbestellen.

Das alles geschah wohl gemerkt im Vor-Internet-Zeitalter, in dem Begriffe wie Transparenz noch relativ und Recherchen mühsam waren. Auch hatten Leser und Anzeigenkunden mangels Internet noch kaum Alternativen. Wo die Schwarmintelligenz der Bürger aber richtig liegt, ist in der Vermutung der „Lenkung“. Die kommt aber nicht von außen (Politik etc.), sondern von innen (Chefredaktion, Selbstzensur).

Schon als Volontär fand ich es kindisch, dass unsere leitenden Redakteure bei der Südwest Presse dann am glücklichsten waren, wenn wir morgens denselben Aufmacher hatten wir Stuttgarter Zeitung und idealerweise Süddeutsche. Dahinter steckte für mich nicht das Bedürfnis nach Originalität, sondern nach Nicht-Provinzialität. Somit wollten sich also unsere Chefs, die es auch nur in der Provinz in Führungspositionen geschafft hatten, letztlich von unseren Lesern distanzieren. Seltsam.

Hinzu kam diese unbedingte Verquickung, politisch korrekt sein zu wollen. Auch hier spielte mit, unbedingt nicht als provinziell erkannt werden zu wollen. Ich weiß nicht, ob ich provinziell oder kosmopolit bin, jedenfalls bin ich echt. Und das haben unsere Leser an mir geschätzt. Denn ich war nicht berechenbar. Meine Artikel – und vor allem Kommentare – musste man bis zum Schluß lesen, weil Überraschendes drin stehen konnte.

Im Kern braucht es für einen solchen Journalismus Selbststand und Standfestigkeit. Dem Redakteur muss egal sein, was seine Leser zu seinem Beitrag sagen. Er muss sie aber überraschen, bspw. auch mit Fakten. Und: Er darf seine Position verändern, öffentlich!, wenn Fakten ihn zu anderen Überzeugungen kommen lassen.

Nur kurz ein Beispiel: Ich bin für offene Grenzen und ich bin mir ziemlich sicher, dass Deutschland noch eine Millionen Flüchtlinge verkraften würde, wenn es denn unbedingt sein müsste. Und trotzdem würde ich, auch jetzt, mal eine Recherche machen, wie viele Flüchtlinge ihren Deutschkurs abbrechen, unregelmäßig besuchen, zu spät kommen oder sich außerhalb des Unterrichts weder mit Vokabeln noch Grammatik befassen, um den entschlossenen Begriff des Paukens erst gar nicht zu bemühen.

Ich denke, die Steuerzahler haben ein Recht auf diese Information. Und nachdem sich die AfD-Wähler ob dieser Recherche auf die Schenkel geklopft hätten, hätte ich einen Beitrag unter Logistikern und Automobilzulieferern nachgeschoben, wie viele Milliarden mehr geschlossene Grenzen kosten statt der Millionen für die Flüchtlinge. So schwer ist guter, glaubwürdiger Journalismus nun auch wieder nicht.

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Medien: Kachelmann und die Eitelkeit

mit Jörg Kachelmann PK seitlich 17.10.2011
Ein Bild aus harmonischeren Tagen: Jörg Kachelmann (v.r.) mit meinem damaligen Kunden Michael Aigmner und mir bei der legendären Pressekonferenz auf der Schwäbischen Alb. 2011 war dies der erste öffentliche Auftritt des Deutsch-Schweizers außerhalb seiner Rechtsstreitigkeiten. FOTO: der-Medienberater

Mit Bedauern lese ich auf Spiegel online, dass Wettermoderator Jörg Kachelmann im Streit um die Höhe seines Schmerzensgeldes, das ihm der Axel-Springer-Verlag für seine Berichterstattung über den damaligen vermeintlichen Vergewaltigungsskandal zahlen soll, erneut kämpfen muss. Zudem sollen die ursprünglich in Aussicht gestellten 635.000 Euro überhöht gewesen sein.

Dabei habe ich 2011 dessen Absturz aus dem Medienzenit unmittelbar miterlebt. Wenige Tage nach seiner Haftentlassung versuchte ich mehrfach, mit Kachelmann Kontakt aufzunehmen, um ihm einen Werbe-Deal mit einem meiner Kunden in der Photovoltaikbranche anzubieten. Später stellte sich heraus, dass ich auf der richtigen Spur war, er aber fürchtete, ich könne von BILD oder RTL sein und ihn hereinlegen wollen.

Schließlich gelang es, am Weinsberger Autobahn-Kreuz im Haus meiner Schwester ein konspiratives Treffen zu arrangieren, aus dem tatsächlich eine Kooperation mit meinem Kunden entstand. Der eloquente Kachelmann meinte damals: „Am Tag als mich der Medienberater anrief, spürte ich das erste Mal, dass es für mich ein Leben nach der U-Haft gibt.“

Tatsächlich hatten wir in der Folge viel Spaß miteinander und rund 250 Veröffentlichungen bundesweit binnen 24 Stunden, nachdem wir auf einer Pressekonferenz den Deal öffentlich machten. Bild, RTL, dpa und viele andere waren da und berichteten. Zwei Jahre später gewannen wir damit sogar einen Marketingpreis, der uns im Verlagshaus der Süddeutschen in München überreicht wurde.

Im Sommer 2015 kontaktierte ich Kachelmann auf Wunsch eines anderen Kunden erneut, um ihn für diesen Februar für eine Pressekonferenz auf einer Branchenmesse in Stuttgart zu buchen. Erneut war die Zusammenarbeit mit dem Medienprofi, den ich stark als gekränkte Diva mit höchst komplexer Persönlichkeitsstruktur erlebte, anstrengend und für mich zeitaufwändig, da er Absprachen nicht einhielt oder Mails ignorierte.

Da ich aber wußte, wie tief er (finanziell) gefallen war, „verkaufte“ ich ihn dem Auftraggeber für einen Tagessatz von 5000 Euro, obwohl er bereits „mit 2000 bis 3000 Euro zufrieden“ gewesen wäre. Immerhin hatte er auch die Anreise aus der Schweiz und ich wußte um die Effizienz meines Konzeptes, in dem die Zugkraft seiner Person dieses Honorar rechtfertigte. Außerdem wollte ich nicht seine Not ausnutzen.

Auch hierbei bediente ich seinen Drang in die Öffentlichkeit, sein Mitteilungsbedürfnis und letztlich verbesserte ich seinen Marktwert, zumal es um den einstigen Star der Öffentlich-Rechtlichen ging, um den es doch ziemlich ruhig geworden war. Tatsächlich beobachteten auch meine Kunden mit großem Interesse, was ich mit Kachemann wie mache und ein, zwei Firmen zeigten konkretes Interesse, seine Medienwirkung gleichfalls zu buchen. Auch sein Tagessatz von 5000 Euro, den ich kommunizierte, schreckte nicht.

Als ich mit Kachelmann seriös über eine solche Vereinbarung reden wollte, bei der ich je 20 Prozent (oder 1000 Euro) als Vermittlungsaufwand für mich reklamierte, hielt er mir sinngemäß wahlweise Geldgier vor und sprach von seinen materiellen Sorgen, weshalb er mir von einem etwaigen Honorar nichts abgeben könne. Die Tatsache, dass er durch meine Vermittlung je Auftritt immer noch mindestens 1000 Euro mehr hätte als Solist, ignorierte er total.

Als ich ihm dann noch empfahl, seine dümmlichen Auftritte wie auf ZDF neo bei Jan Böhmermann um Mitternacht vor 200.000 Zuschauern sein zu lassen, um nicht das seriöse Image zu beschädigen, das ich ihm vermitteln wollte, war für die Diva offenbar zu viel Kritik auf einmal und auf Augenhöhe. Mitte Februar hat dieser undankbare, anstrengende Mensch den Kontakt zu mir abgebrochen – und ich kann sehr gut damit leben.

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