Boykott von Ikea, Amazon, Apple & Co.

Ich weiß zwar nicht, warum Matthias Weik und Marc Friedrich bereits ein drittes Buch schreiben mussten über den bevorstehenden Zusammenbruch des Euros, denn die Botschaft bleibt immer dieselbe, erfrischend sind die Buchpräsentationen des Waiblinger Duos aber immer. Vor allem tut die erfrischende Direktheit gut, mit der die Autoren die Ökonomie (verständlich) erklären.

So riefen Weik und Friedrich bei der Vorstellung von „Kapitalfehler“ im Verlagshaus der Waiblinger Kreiszeitung ihre 100 Zuhörer – mehr fasst die Kantine nicht – auf, nicht mehr bei Ikea, Amazon oder Apple einzukaufen, wenn sie am Finanzsystem etwas ändern wollten. Begründung: Der Milliarden-Konzern Ikea habe 2010 auf einen Gewinn von 2,5 Mrd. Euro in Europa gerade Mal 48.000 Euro gezahlt.

Und den Vergleich schiebt Weik gleich nach: Das zahlt eine Schreinerei im Remstal mit 160.000 Euro Jahresgewinn auch. Mit Chancengleichheit oder gar Gerechtigkeit habe das überhaupt nichts zu tun, sehr wohl aber mit Luxemburger Steuersparmodellen, die Jean-Claude Juncker als Finanzminister des Zwergstaats seinerzeit kreiert hat. Zur Erinnerung: Heute ist er Präsident der EU-Kommission und soll die Finanzkrisen in den Mittgliedsstaaten, allen voran Griechenland, managen.

Eine Gesamtauflage von 300.000 Büchern in zwölf Sprachen haben Weik und Friedrich mit „Der größte Raubzug der Geschichte“ (2012) und „Der Crash ist die Lösung“ (2014) bereits erzielt. Gemeinsam betreiben sie eine Agentur für Finanzanlagen, in der sie gebetsmühlenartig betonen, in Sachwerte wie Gold, Wald oder Streuobstwiesen zu investieren, weil alle Währungen keine Sicherheit mehr böten.

Wegen ihrer immer neuen Beispiele für den Raubtier- oder Casino-Kapitalismus, den Friedrich „das Monster“ nennt, hängen die Zuhörer dem Duo an den Lippen, das mit unterschiedlichen Rollen kokettiert. Während Weik eher philosophisch doziert, schleudert Friedrich eine Absudität und Dekadenz nach der anderen ins Publikum. So gehöre den 62 Reichsten der Welt so viel wie den 3,6 Milliarden Ärmsten.

Dabei sei die Schere erst nach 1980 so richtig aufgegangen, weil es bis dahin doppelt so viele Reiche gebraucht habe, solchen Besitz anzuhäufen. Regiert haben seither zunächst Marktliberale wie Ronald Reagan, Margaret Thatcher oder Helmut Kohl, deren Politik des Neokapitalismus dann Bill Clinton, Tony Blair oder Gerhard Schröder fortgeführt hätten.

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Direkten Draht zu (fast) jedem Papst

007 Sigmund mit Papst
Zwei, die sich aus Argentinien schon lange kennen: Mein Sänger- und Studienfreund Sigmund Schänzle (l.) und Papst Franziskus herzen sich auf dem Petersplatz in Rom.

Mein Freund Sigmund Schänzle, mit dem ich in den 1980er-Jahren in Tübingen katholische Theologie studiert habe, hat mich bei einem kürzlichen Treffen unseres slawisch-byzantinischen Gospodi-Chors in Filderstadt-Bonlanden einmal mehr überrascht: Der Dekan von Ochsenhausen bat uns um das intensive Gebet für Papst Franziskus.

Das habe ihm der Argentinier bei der Generalaudienz „bracciano destra, 1era fila“ am Mittwoch, 30. März, auf dem Petersplatz in Rom persönlich aufgetragen. Der Papst mache sich „ernsthaft große Sorgen um sein Wohlergehen, weil er in obersten Kirchenkreisen nicht unumstritten“ sei. Zum Beweis legte der Priester obiges Foto vor.

Dazu muss man wissen, dass Sigmund, der einst sein Auswärtsjahr im Theologiestudium in Rom gemacht hat und schon damals Karol Woityla (Papst Johannes Paul II) und Josef Ratzinger (Papst Benedikt XIV) persönlich kennengelernt hat, nach seiner Priesterweihe elf Jahre als Seelsorger in unserer argentinischen Partnerdiözese gearbeitet hat.

Der heutige Dekan von Ochsenhausen und Leiter der Seelsorgeeinheit St. Benedikt hat sich damals stark für die Landbevölkerung eingesetzt und mit der Oberschicht angelegt. Kein Wunder, wurde also der damalige Bischof von Buenos Aires und spätere Kardinal Bergolio auf ihn aufmerksam. Dass allerdings auch diese Bande bis heute gehalten haben, war mir nicht bewußt.

Unser Gospodi-Chor hatte es schon bei früheren Romreisen dem kosmopoliten Sigmund zu verdanken, dass wir Johannes Paul II und später Benedikt XIV persönlich begegnen konnten und für sie singen durften. Erst im Sommer 2015 war unser Gründer und Chorleiter Kilian Nuss gestorben. Schon bei seiner Beerdigung versicherte uns sein Neffe Michael, ein Musiklehrer in Heilbronn, dass er den Chor weiter dirigieren werde.

In Bonlanden hielt der Lehrer am 17. April eine erste ganztägige Chorprobe mit 26 Sängern ab, die mit einem öffentlichen Abendlob in der Ortskirche endete. Und nachdem es offenbar mit dem 1966 gegründeten Chor weitergeht, habe ich mit Christian Cuypers, dem künftigen Volontär unserer Kommunikationsagentur, bereits für Verjüngung gesorgt. Der 26-Jährige betreut bei uns das Online-Magazin www.die-pflegebibel.de für Pflegefachkräfte und pflegende Angehörige.

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Deutsche halten Medien für „gelenkt“

Rechtzeitig zum heutigen Tag des Presserechts hat gestern Spiegel online publiziert, dass eine Mehrheit der Deutschen die Medien „für gelenkt“ hält. Das hat eine Emnid-Umfrage im Auftrag des Bayerischen Rundfunks ergeben. Neu ist diese wirre Erkenntnis nicht. Schon während meines Volontariats 1990/91 spekulierten Politiker und andere Multiplikatoren, denen meine Themenauswahl und Rechercheergebnisse nicht passten, dass dahinter Auftraggeber bspw. anderer Parteien stünden.

Das ist alles wirklich Quatsch. Schon damals hat mir und meinen Kollegen niemand Vorgaben gemacht und über den einen oder anderen Versuch der Einflußnahme, der vorkam, haben wir berichtet. Das stärkte unsere Glaubwürdigkeit und schreckte potentielle Manipulatoren ab. Am ehesten verbreitet war, dass Unternehmer damit drohten, keine Anzeigen mehr zu schalten oder Vereinsvorsitzende drohten, ihre Mitglieder würden die Zeitung abbestellen.

Das alles geschah wohl gemerkt im Vor-Internet-Zeitalter, in dem Begriffe wie Transparenz noch relativ und Recherchen mühsam waren. Auch hatten Leser und Anzeigenkunden mangels Internet noch kaum Alternativen. Wo die Schwarmintelligenz der Bürger aber richtig liegt, ist in der Vermutung der „Lenkung“. Die kommt aber nicht von außen (Politik etc.), sondern von innen (Chefredaktion, Selbstzensur).

Schon als Volontär fand ich es kindisch, dass unsere leitenden Redakteure bei der Südwest Presse dann am glücklichsten waren, wenn wir morgens denselben Aufmacher hatten wir Stuttgarter Zeitung und idealerweise Süddeutsche. Dahinter steckte für mich nicht das Bedürfnis nach Originalität, sondern nach Nicht-Provinzialität. Somit wollten sich also unsere Chefs, die es auch nur in der Provinz in Führungspositionen geschafft hatten, letztlich von unseren Lesern distanzieren. Seltsam.

Hinzu kam diese unbedingte Verquickung, politisch korrekt sein zu wollen. Auch hier spielte mit, unbedingt nicht als provinziell erkannt werden zu wollen. Ich weiß nicht, ob ich provinziell oder kosmopolit bin, jedenfalls bin ich echt. Und das haben unsere Leser an mir geschätzt. Denn ich war nicht berechenbar. Meine Artikel – und vor allem Kommentare – musste man bis zum Schluß lesen, weil Überraschendes drin stehen konnte.

Im Kern braucht es für einen solchen Journalismus Selbststand und Standfestigkeit. Dem Redakteur muss egal sein, was seine Leser zu seinem Beitrag sagen. Er muss sie aber überraschen, bspw. auch mit Fakten. Und: Er darf seine Position verändern, öffentlich!, wenn Fakten ihn zu anderen Überzeugungen kommen lassen.

Nur kurz ein Beispiel: Ich bin für offene Grenzen und ich bin mir ziemlich sicher, dass Deutschland noch eine Millionen Flüchtlinge verkraften würde, wenn es denn unbedingt sein müsste. Und trotzdem würde ich, auch jetzt, mal eine Recherche machen, wie viele Flüchtlinge ihren Deutschkurs abbrechen, unregelmäßig besuchen, zu spät kommen oder sich außerhalb des Unterrichts weder mit Vokabeln noch Grammatik befassen, um den entschlossenen Begriff des Paukens erst gar nicht zu bemühen.

Ich denke, die Steuerzahler haben ein Recht auf diese Information. Und nachdem sich die AfD-Wähler ob dieser Recherche auf die Schenkel geklopft hätten, hätte ich einen Beitrag unter Logistikern und Automobilzulieferern nachgeschoben, wie viele Milliarden mehr geschlossene Grenzen kosten statt der Millionen für die Flüchtlinge. So schwer ist guter, glaubwürdiger Journalismus nun auch wieder nicht.

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Medien: Kachelmann und die Eitelkeit

mit Jörg Kachelmann PK seitlich 17.10.2011
Ein Bild aus harmonischeren Tagen: Jörg Kachelmann (v.r.) mit meinem damaligen Kunden Michael Aigmner und mir bei der legendären Pressekonferenz auf der Schwäbischen Alb. 2011 war dies der erste öffentliche Auftritt des Deutsch-Schweizers außerhalb seiner Rechtsstreitigkeiten. FOTO: der-Medienberater

Mit Bedauern lese ich auf Spiegel online, dass Wettermoderator Jörg Kachelmann im Streit um die Höhe seines Schmerzensgeldes, das ihm der Axel-Springer-Verlag für seine Berichterstattung über den damaligen vermeintlichen Vergewaltigungsskandal zahlen soll, erneut kämpfen muss. Zudem sollen die ursprünglich in Aussicht gestellten 635.000 Euro überhöht gewesen sein.

Dabei habe ich 2011 dessen Absturz aus dem Medienzenit unmittelbar miterlebt. Wenige Tage nach seiner Haftentlassung versuchte ich mehrfach, mit Kachelmann Kontakt aufzunehmen, um ihm einen Werbe-Deal mit einem meiner Kunden in der Photovoltaikbranche anzubieten. Später stellte sich heraus, dass ich auf der richtigen Spur war, er aber fürchtete, ich könne von BILD oder RTL sein und ihn hereinlegen wollen.

Schließlich gelang es, am Weinsberger Autobahn-Kreuz im Haus meiner Schwester ein konspiratives Treffen zu arrangieren, aus dem tatsächlich eine Kooperation mit meinem Kunden entstand. Der eloquente Kachelmann meinte damals: „Am Tag als mich der Medienberater anrief, spürte ich das erste Mal, dass es für mich ein Leben nach der U-Haft gibt.“

Tatsächlich hatten wir in der Folge viel Spaß miteinander und rund 250 Veröffentlichungen bundesweit binnen 24 Stunden, nachdem wir auf einer Pressekonferenz den Deal öffentlich machten. Bild, RTL, dpa und viele andere waren da und berichteten. Zwei Jahre später gewannen wir damit sogar einen Marketingpreis, der uns im Verlagshaus der Süddeutschen in München überreicht wurde.

Im Sommer 2015 kontaktierte ich Kachelmann auf Wunsch eines anderen Kunden erneut, um ihn für diesen Februar für eine Pressekonferenz auf einer Branchenmesse in Stuttgart zu buchen. Erneut war die Zusammenarbeit mit dem Medienprofi, den ich stark als gekränkte Diva mit höchst komplexer Persönlichkeitsstruktur erlebte, anstrengend und für mich zeitaufwändig, da er Absprachen nicht einhielt oder Mails ignorierte.

Da ich aber wußte, wie tief er (finanziell) gefallen war, „verkaufte“ ich ihn dem Auftraggeber für einen Tagessatz von 5000 Euro, obwohl er bereits „mit 2000 bis 3000 Euro zufrieden“ gewesen wäre. Immerhin hatte er auch die Anreise aus der Schweiz und ich wußte um die Effizienz meines Konzeptes, in dem die Zugkraft seiner Person dieses Honorar rechtfertigte. Außerdem wollte ich nicht seine Not ausnutzen.

Auch hierbei bediente ich seinen Drang in die Öffentlichkeit, sein Mitteilungsbedürfnis und letztlich verbesserte ich seinen Marktwert, zumal es um den einstigen Star der Öffentlich-Rechtlichen ging, um den es doch ziemlich ruhig geworden war. Tatsächlich beobachteten auch meine Kunden mit großem Interesse, was ich mit Kachemann wie mache und ein, zwei Firmen zeigten konkretes Interesse, seine Medienwirkung gleichfalls zu buchen. Auch sein Tagessatz von 5000 Euro, den ich kommunizierte, schreckte nicht.

Als ich mit Kachelmann seriös über eine solche Vereinbarung reden wollte, bei der ich je 20 Prozent (oder 1000 Euro) als Vermittlungsaufwand für mich reklamierte, hielt er mir sinngemäß wahlweise Geldgier vor und sprach von seinen materiellen Sorgen, weshalb er mir von einem etwaigen Honorar nichts abgeben könne. Die Tatsache, dass er durch meine Vermittlung je Auftritt immer noch mindestens 1000 Euro mehr hätte als Solist, ignorierte er total.

Als ich ihm dann noch empfahl, seine dümmlichen Auftritte wie auf ZDF neo bei Jan Böhmermann um Mitternacht vor 200.000 Zuschauern sein zu lassen, um nicht das seriöse Image zu beschädigen, das ich ihm vermitteln wollte, war für die Diva offenbar zu viel Kritik auf einmal und auf Augenhöhe. Mitte Februar hat dieser undankbare, anstrengende Mensch den Kontakt zu mir abgebrochen – und ich kann sehr gut damit leben.

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Von erfolgreichen Arbeitgebern lernen

Mit Prof. Jörg Knoblauch haben wir nicht nur einen attraktiven Kunden, der uns vielfach weiterempfiehlt. Der auf Personalthemen spezialisierte Unternehmensberater hat auch bereits rund 30 Bücher geschrieben, deren jüngstes unter dem Titel „Das Geheimnis der Champions“ vorige Woche für 34 Euro auf den Markt kam.

Mit seinem Mitarbeiter – Knoblauch spricht selbst nur von Kollegen und Mitunternehmern, um seine Haltung zu verbalisieren – Benjamin Kuttler hat er drei Jahre lang die Erfolgsrezepte von weltweit 1000 Unternehmen gesichtet. Immer unter der Prämisse, was Mittelständler davon lernen können. Die interessantesten 30 Unternehmen stellen die Autoren in ihrem Buch vor.

Ihre zentrale Erkenntnis: Der wichtigste Erfolgsaspekt sind die richtigen Mitarbeiter, die es zu finden und zu halten gilt. So erhalte bspw. Google auf jede offene Stelle 6000 Bewerbungen. Knoblauch beantwortet u.a. die Frage, wie Google diese hohe Bewerberanzahl erzielt und dabei die passenden Kandidaten für sich ermittelt.

Er legt aber auch offen, dass viele erfolgreiche Unternehmen ihren Mitarbeitern zehn Prozent weniger zahlen als deren vorherige Arbeitgeber, weil sie hier Teil eines großes Ganzen sein wollen mit sinnvollen Aufgaben und Wertschätzung durch ihre Führung. Oder dass Handwerker genügend Fachkräfte finden, weil sie Nachhilfelehrer beschäftigen und Wohlfühl-Manager, die sich um Themen wie Wohnungssuche, Eheprobleme ihrer Mitarbeiter oder deren soziale und kulturelle Integration kümmern.

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Panamapapers – ein Lichtblick für die freie Welt

Man mag mich für naiv halten. Aber als ich am Sonntag in der Tagesschau um 20 Uhr erstmals von den Panamapapers hörte, war dies für mich ein Lichtblick: Denn die Dekadenz unserer vermeintlich freien Welt scheint so weit fortgeschritten zu sein, dass immer mehr Menschen moralisch zu den Missständen und dem schreienden Unrecht nicht mehr schweigen können.

Ein Anonymus hatte der Süddeutschen vor rund einem Jahr 11,5 Millionen Dokumente zugespielt, die die Besitzverhältnisse von 214.000 Briefkastenfirmen und Stiftungen in Panama offenlegen, die die Vermögensverhältnisse Superreicher in aller Welt verschleiern und Steuervermeidung in großem Stil ermöglichen (sollen).

Überraschend kommt diese Nachricht für mich nicht, wenngleich mich Umfang und Systematik irritieren. Umso mehr freut mich als Journalist, dass meine Kollegen ihr Handwerk doch noch immer zu verstehen scheinen. Denn die Redakteure der Süddeutschen machten die Daten auch dem 1997 in Washington gegründeten Recherchenetzwerk ICIJ zugänglich statt im Wettbewerb um Auflage und Relevanz den Exklusivitätsvorteil zu nutzen.

Das Netzwerk, das seither grenzübergreifend und investigativ weltweit recherchiert, involvierte 400 Journalisten in 70 Ländern der Erde, die sich ein Jahr lang strikt an die gemeinsam vereinbarte Geheimhaltung bis zu diesem Sonntag um 20 Uhr hielten. Wer die Geschwätzigkeit, Eitelkeiten und den Konkurrenzdruck unserer Branche kennt, kann ermessen, welch ethische Leistung hinter diesem Kollektiv stand.

Hoffentlich „rollen“ in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten „die Köpfe“ hunderter Vermögender, die ihr charakterliches Recht auf Besitz m.E. durch ihre Gier verwirkt haben. Denn was sie besitzen – das Wort „privat“ stammt aus dem Lateinischen und kann mit „rauben“ im Sinne von Vorenthalten übersetzt werden – fehlt der Allgemeinheit, die diese Ressourcen für Bildung, Gesundheit, Ernährung oder Behausung dringend braucht.

Vielleicht rückt auch die Weltgemeinschaft enger zusammen, in dem sie sich auf (steuer- und finanz-)politische Standards verständigt, die den Wettbewerb um Steueroasen und Verschleierungsoptionen möglichst massiv behindert. Der nächste Schritt ist, dass die Söldner dieser Welt ihre Waffen niederlegen, weil sie persönlich nie die Kriege gewinnen können, die vermutlich etliche Briefkastenkonten-Inhaber angezettelt haben.

Oder der Waffennachschub bleibt aus, weil Demokraten weltweit konsequent gehandelt haben.  Persönlich gewinne ich den Eindruck, dass sich bei immer mehr Egoisten die logische Erkenntnis durchsetzt, dass sie auf derselben Welt leben, die sie scheibchenweise mit zerstören, um ihres lächerlich kleinen Vorteils willen. Denn das faire an dem Thema: Auch Milliardäre können nur die Luft atmen, die auf dieser Welt vorhanden ist. Und wenn der Terror global ist, trifft er demokratisch statistisch jeden.

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Schwerstarbeit: Blog für Banker anschieben

010 Energieautarkes Haus VR-Bank Altenburger Land 03-2016
Spatenstich mit Minister Wolfgang Tiefensee: Eine Geno-Bank in Ostthüringen besetzt neuerdings mit energieautarken Häusern als Immobilienfinanzierer ein Medienthema.

Bei 3XBanktechnik haben wir seit Januar das Mandat, einen Blog aufzusetzen, der bundesweit unter Bankern gelesen und beachtet wird. Doch obwohl das Beratungsunternehmen für Filialumbauten bundesweit rund 220 Institute betreut, kommen bislang weder Themenvorschläge aus dieser Klientel, noch lesen deren Verantwortliche das neue Forum, das Ideen transportieren und zu kontroversen Debatten einladen will.

Da trifft es sich gut, dass unsere Agentur bundesweit vielfältig unterwegs ist. Etwa in München bei Gebäudereiniger Markus Wasserle, der in Marktoberdorf und Landsberg teils schon seit sieben Jahren zweitägige Berufsorientierungsmessen an Hauptschulen ausrichtet, die mittlerweile bis zu 100 Aussteller und 5500 Schüler, Lehrer und Eltern besuchen. In beiden Fällen sind die lokalen Geno-Banken starke Partner, die sich mit den Events sympathisch in Szene setzen.

Auch die VR-Bank Altenburger Land eG im ostthüringischen Schmölln hat seit 2001 ein sympathisches Profil, mit dem sich die 138 Mitarbeiter mit einem Bilanzvolumen von 572 Mio. Euro ökologisch profilieren. Auf Mittwoch, 13. April, laden die Genossen zum Spatenstich für ein energieautarkes Haus nach Schmölln. Mit dem Objekt will der Immobilienfinanzierer Erfahrungen sammeln, wie energetische Konzepte wirtschaftlich aussehen.

005 Leukefeld spricht mit Besuchern (hoch)
Fasziniert potentielle Häuslesbauer mit seinen ökologischen Innovationen: Prof. Timo Leukefeld (r.) am Rand einer Bankveranstaltung für deren Kunden auf der Alb.

Damit besetzt er zugleich in seinen Lokalmedien ein Thema, bei dem etwa ein Vier-Personen-Haushalt pro Jahr 4000 Euro an Heiz- und Stromkosten und zugleich an CO2-Emissionen sparen kann. Zur Pressekonferenz kommen Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee als Schirmherr und Prof. Timo Leukefeld, der das solarthermie-basierte Haus schon vor Jahren konzipiert hat.

Die Geno-Bank hat seit 2001 fast 50 ökologische Sanierungen mit einem Kreditvolumen von einer Mio. Euro finanziert. Von 2012 bis 2014 verkauften die Ostthüringer über einen eigenen Vertrieb 58 Photovoltaik-Anlagen im Gesamtwert von 1,4 Mio. Euro. Und 11,6 Mio. Euro investierte das Institut in neun bankeigene PV-Anlagen mit sechs Megawatt Gesamtleistung. Der erzeugte Strom reicht rechnerisch für mehr als 20.000 Haushalte und erlöst jährlich 1,6 Mio. Euro Ertrag.

Ich würde mir wünschen, die genannten Banken kommen ins Netzwerk von 3XBanktechnik, tauschen sich untereinander aus, experimentieren gemeinsam und duplizieren ihre Erfolge jeweils im Marktgebiet der Kollegen, in dem sie mit ihren Erfahrungen und ihrem Know-how die Kollegen beraten.

Wünschenswert wäre, der Blog der 3XBanktechnik wird zum Dreh- und Angelpunkt dieser Kommunikation, auf dem sich die Kreativen, Innovativen und Mutigen der Branche austauschen und bestärken. Langweiler und Bedenkenträger hat die von Filialschließungen und Dividenenkürzungen bedrängte Zunft ja bereits genug.

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Alternative Gesellschaft: Der Tempelhof

Unser achtköpfiges Agenturteam hat vorigen Samstag einen Betriebsausflug zum Tempelhof bei Crailsheim gemacht, wo seit 2006 in einer früheren Behinderteneinrichtung mit Schulgebäude, Schloß und Stallungen eine Gemeinschaft von mittlerweile 100 Erwachsenen und 40 Kindern lebt. Deren Intention: Sie wollen mehr Gemeinschaft leben und erleben als herkömmliche Haushalte.

Über meinen Agentur-Partner Jens Gieseler, der dort die Ayurveda-Trainerin Angelika Grün kennt,  gewannen wir von 10.30 bis 17.30 Uhr tiefe Einblicke in deren Leben dort. Die 46-Jährige lebt dort mit ihrem Mann, seit 2010 die Kinder aus dem Haus sind. Ihr Einkommen bezieht sie je zur Hälfte aus ihren Kursen in Ayurveda und Yoga sowie der Gemeinschaft, deren Zentralküche sie betreibt.

„Wir haben hier eine Zwei-Zimmer-Wohnung bezogen und merken jetzt, dass uns ein privates Schlafzimmer gereicht hätte“, sagt etwa Grün. Der Grund: Sie ist so wenig „zu Hause“, dass das private Wohnzimmer nahezu ungenutzt ist. Denn tags arbeitet sie, abends diskutiert sie oft im Dorfrat oder ist in öffentlichen Räumen wie dem Dorfcafé oder der Bibliothek.

Und wenn ihr die Gemeinschaft zuviel ist, geht sie mit ihrem Mann – wie gewöhnliche Paare auch – in Urlaub. Mit 25.000 Euro (5000 Euro mehr als 2006) je Person mussten sie sich seinerzeit in die Genossenschaft einkaufen. Weil diese seither in Gebäude und Infrastruktur investiert hat, kostet ein solcher Anteil mittlerweile 30.000 Euro und das Aufnaheprocedere zieht sich mehrstufig über mehrere Jahre hin, um die Qualität der Gemeinschaft nicht zu gefährden.

„Mehr als zehn Neuaufnahmen wollen wir nicht, um organisch zu wachsen“, sagt die Trainerin. Allerdings sei die Infrastruktur auf 300 Bewohner ausgelegt, so dass die aktuellen Betriebskosten verhältnismäßig hoch sind. Und aktuell werde der erste Bewohner zum Pflegefall, was der Gemeinschaft neue Aufgaben stelle.

Nach einer Einführung in das Ayurveda kochten wir gemeinsam fünf Gänge. Feed-back der Trainerin: Noch nie habe ein Team in ihren Kursen so harmonisch kooperiert und die Menge an Fakten, die wir aufsogen, und die Qualität unserer Fragen habe ihr eindrucksvoll gezeigt, dass wir offenbar sehr gute Journalisten sind.

Uns wiederum zeigt das Gemeinschaftsmodell, in dem ein Haus komplett aus Recyclingmaterial erstellt wurde und einzig von der Sonne beheizt wird, das das alte Kapitalismusmodell gegenseitiger Ausbeutung und kollektiver Umweltzerstörung ein Auslaufmodell ist. Gefragt sind tragfähige Beziehungen und eine sanfte Ökonomie, die die Regeln der Natur beachtet. Angelika, wir kommen wieder.

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Gute Zeichen: Die Energiewende kommt

Für die Lebensmittelzeitung habe ich heute einen Beitrag mit 5000 Zeichen zuzüglich mehrerer Textboxen zum Thema Energieeffizienz vereinbart. Und in die Fleischerei erscheint im April-Heft ein Interview mit BSW Solar-Präsident Joachim Goldbeck,  in dem der Inhaber von Goldbeck Solar erzählen wird, dass Investitionen in regenerative Technologien Renditen von zwölf Prozent erbringen.

In den Lebensmittel-Gazetten, deren Leser in energieintensiven Branchen zu Hause sind, schildere ich Beispiele, in denen etwa ein Energiemanagementsystem zusammen mit der Umrüstung auf LEDs in einem Autohaus 40 Prozent der früheren Energiekosten von 600.000 Euro pro Jahr einspart. Daraus ergeben sich Amortisationszeiten von 2,5 bis fünf Jahren.

Offenbar sind so viele Redakteure noch nicht in dem Thema firm, dass ich damit meist offene Türen einrenne und auf diese Weise das Wissen um die Möglichkeiten der Energiewende in die Breite trage. Denn meine Recherchen sind alle praxisbasiert und kaufmännisch geschrieben, so dass der Leser mehr den Nutzen (Kostenersparnis) statt technischer Details versteht.

Gerne stelle ich hier meinen Lesern auch die 90-minütige Dokumentation von Regisseur Carl-A. Fechner vor. Der 2015 gedrehte Film Power to change zeigt auf, wie die Energiewende gelingen kann. Persönlich bin ich sehr optimistisch, dass die Völkergemeinschaft allmählich die Dramatik versteht und die technischen Möglichkeiten nutzt, die längst vielfältig vorhanden sind.

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AfD muss jetzt zeigen, was sie kann

006 Wahlforum SN 24.02.2016
Die AfD darf nun nicht mehr nur mitdiskutieren, sondern muss u.a. im Landtag von Baden-Württemberg die Steuergelder rechtfertigen, die der Aufwand für ihre Parlamentarierer verursacht. FOTO: FROMM

Nach dem ersten Schock über den Wahlerfolg der AfD, der ohnehin zu erwarten war, kehrt die Republik allmählich zur Sacharbeit zurück. Als junger Redakteur habe ich erlebt, welch erbämliche Figur die Republikaner abgaben, wenn es um Sachthemen ging. Jetzt ist die AfD dran, die laut ihrem Parteiprogramm zurück zu Atom- und Kohlekraft will, den Mindestlohn abschaffen, bei Scheidungen zum Schuldprinzip zurückkehren und vieles mehr.

Das wird ein grausames Erwachen für viele gefühlte Verlierer und Verbitterte in unserer Gesellschaft, die in ihrem diffusen Frust die „Aufräumer“ gewählt haben, die nun womöglich bei ihnen selbst damit anfangen. Nicht nur das PV-Magazine hat mit der Berichterstattung schon mal angefangen.

Selbst dem AfD-Spitzenkandidaten Prof. Jörg Meuthen – stets bemüht, im Ton verbindlich und in der Aussage diffus zu bleiben – war bei der Diskussion der Stuttgarter Nachrichten in der Liederhalle vor der Landtagswahl mit den Spitzenkandidaten der Satz herausgerutsch, man wolle zur Atomkraft zurück, „weil das mit dem Wind und der Sonne ja nicht funktioniert.“

Herrn Meuthen und seinen Wählern sei gesagt, es funktioniert (wenn nicht die Kohle- und Atom-Lobby das Rad der EEG-Umlage für regenerativ erzeugten Strom weiter überdreht): Denn Speichersysteme werden immer billiger (teils um 50% pro Jahr), Geräte immer effizienter (teils um 30 % mit jeder neuen Produktgeneration), softwarebasierte Energiemanagementsysteme vermeiden Verschwendung (teils um 40 %) und senken Lastkurven (teils um 20 %).

Mehr noch: PV-Anlagen werden nur noch auf 90 % und mehr Eigenverbrauch ausgelegt, der umso häufiger erreicht wird, wenn Firmen zunehmend auch auf e-Mobilität umsteigen. Deren Autarkiegrad wächst dank Eisspeicher, Wärmerückgewinnung, biogas-betriebenem Blockheizkraftwerk, Solarthermie und Windkraft auf bis zu 100 Prozent, wobei das letzte Drittel aktuell noch nicht „betriebswirtschaftlich“ ist. All das schafft und erhält bundesweit hunderttausende Arbeitsplätze im Handwerk, also bei Nicht-Studierten. Das ist sozial und volkswirtschaftlich klug.

Wenn die Partei nun genügend Abgeordnete in immer mehr Landtagen (und 2017 auch im Bundestag) hat, hat sie genügend Geld und Personal, sich in Energiepolitik, aber auch Bildung, Innere Sicherheit, Gesundheitswesen, Verkehrswesen, Finanzen  etc. kundig zu machen. Das ist sicher ähnlich anstrengend, wie wenn ein NPD-Sympathisant den Hauptschulabschluss nachholt, aber es ist der einzige Weg, dem deutschen Volk, also auch mir, Nutzen zu stiften.

Die (Pegida-)Party ist zu Ende. Es mag ja entlastend gewesen sein, wenn man selbst ein Looser ist, gegen noch Schwächere zu polemisieren. Wenn die Partei aber jetzt ihre Hausaufgaben macht, wird sie künftig änliche Wahlprogramme und Positionen haben wie Linke, SPD, Grüne, FDP oder CDU/CSU. Wenn die Mitglieder allerdings den deutschen Staat verhöhnen und abschaffen wollen, sollen sie das bitte sagen. Danke.

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